ROSTOCK. Mehr als zwei Drittel der Medizinischen Fachangestellten und über die Hälfte der Ärzte sollen im vergangenen Jahr während der Arbeit psychische Gewalt erlebt haben. Zu diesem Ergebnis kam die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern durch zwei nicht-repräsentative Online-Umfragen. Der Präsident der Kammer, Jens Placke, stellte trotzdem fest: „Diese Zahlen zeigen, dass Gewalt gegen medizinisches Personal kein Einzelfall und kein Randthema mehr ist.“
Dem stimmten die befragten Ärzte zu. Fast 40 Prozent fanden, dass die Gewalt in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Hingegen gab nur rund ein Prozent an, dass sie abgenommen habe. „Wenn Ärztinnen und Ärzte in ihrem Arbeitsalltag bedroht, beleidigt oder gar angegriffen werden, gefährdet das nicht nur ihre Sicherheit, sondern auch die Versorgung der Patientinnen und Patienten“, warnt der Präsident der Kammer.
Wöchentliche Gewalt gegen Fachangestellte
Knapp ein Viertel des medizinischen Fachpersonals gab an, im vergangenen Jahr zwölf oder mehr Gewaltvorfälle erlebt zu haben. „9,1 Prozent gaben sogar mindestens wöchentliche Vorfälle (50 oder mehr im Jahr) an“, führte die Ärztekammer aus. Etwa zwei Prozent wurden von Patienten geschlagen oder getreten, bei den Ärzten waren es sogar fast sieben Prozent.
Rund 80 Prozent der Fachangestellten vermuteten, dass zu lange Wartezeiten oder Terminvergaben der Grund für die Gewalt wären. Die Hälfte ging davon aus, dass die Patienten psychische Probleme hätten. Zudem würde die Entscheidungskompetenz oft in Frage gestellt werden. Über 40 Prozent gaben an, dass ein Verständigungsproblem zur Gewalt geführt haben könnte.
Präventionsmaßnahmen sind Konsequenz
Die Ärztekammer möchte die Ergebnisse nutzen, um Schutzmaßnahmen für das Personal zu entwickeln. „Ziel ist es, die Sicherheit in Arztpraxen zu verbessern und das Bewusstsein für das Problem in Politik und Gesellschaft zu stärken.“ Dafür möchte die Kammer mehr Präventionsmaßnahmen wie etwa Deeskalations- und Konfliktlehrgänge anbieten.
„Gewalt zu verhindern, ist keine Aufgabe, die allein die Ärzteschaft lösen kann“, erklärte Vizepräsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, Johannes Buchmann. „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung – von Politik, Justiz, Gesundheitsinstitutionen und der gesamten Bevölkerung. Ärztinnen und Ärzte brauchen Rückhalt, Respekt und Sicherheit in ihrer täglichen Arbeit.“ (mas)






