NÜRNBERG. Die Polizei in Nürnberg hat einen umfassenden Betrug bei Deutsch- und Einbürgerungstests aufgedeckt. Mehrere festgenommene Tatverdächtige sollen „Deutsch- und Einbürgerungstests für Personen durchgeführt habe, die hierzu nicht selbst in der Lage waren“, berichtete die Behörde. Auf diesem Wege sollen sich zahlreiche Migranten Sprachzertifikate ermogelt haben – gegen die Zahlung von 2.500 bis 6.000 Euro. Der Haupttatverdächtige ist ein 39jähriger Iraker.
Bereits im Oktober war ein sogenannter Vermittler aufgespürt worden, der ebenfalls deutschsprechende Stellvertreter in Sprachprüfungen geschickt hatte. Diese legten den Prüfern gefälschte Dokumente „mit dem Bild des Stellvertreters und den Personalien des ‘Kunden’ vor“. Mit den verliehenen Sprachzertifikaten konnten die Betrüger anschließend Aufenthaltserlaubnisse oder Einbürgerungsdokumente erhalten.
Im Januar war zudem ein 22jähriger Deutscher noch während seiner Stellvertreterprüfung festgenommen worden. Bei anschließenden Durchsuchungen in Nürnberg und Hamm wurden „zahlreiche Datenträger, gefälschte Aufenthaltstitel und Sprachtests sowie eine große Menge Bargeld und eine geringe Menge Betäubungsmittel gefunden“, berichtete die Polizei.
In 13 Fällen annullierte Niedersachsen Staatsbürgerschaften
Eine weitere Dienststelle ermittelte, daß insgesamt 20 Stellvertreter in Nordrhein-Westfalen auf dem Weg zu einer Sprachschule waren. Zehn davon konnten festgestellt werden.
Im November hatte das Bundesland Niedersachsen rund 230 Verdachtsfälle von gefälschten Sprach- oder Integrationszertifikaten ermittelt (JF berichtete). In 13 Fällen waren bereits erteilte Staatsbürgerschaften wieder zurückgenommen worden, in weiteren 137 Fällen wurden Anträge abgelehnt. „Teilweise basieren die zugelieferten Daten auf Schätzungen seitens der Behörden“, teilte ein Sprecher der JF mit.
„Überprüfung ist nicht notwendig“
In Hessen wurden seit 2024 rund 70 gefälschte Sprachzertifikate und etwa 35 manipulierte Nachweise des staatsbürgerlichen Grundwissens geschätzt. In Sachsen soll sich die Zahl im „niedrigen zweistelligen Bereich“ bewegen.
Doch die Entdeckung von Betrugsfällen führte nicht in allen Fällen zu Revisionen. „Eine flächendeckende, rückwirkende Überprüfung aller Einbürgerungen wird nicht für notwendig erachtet“, hieß es aus Niedersachsen. Und auch die übrigen Länder lehnen eine Prüfung – stichprobenweise oder umfassend – ab. Sie erfolge nur, wie Bayern mitteilte, „bei Vorliegen entsprechender Anhaltspunkte“. (lb)





