BERLIN. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat einen möglichen deutschen Beitrag zur Absicherung einer Waffenruhe im Iran-Krieg in Aussicht gestellt und zugleich scharfe Kritik am Vorgehen der USA geübt. Bei einem Treffen mit seinem australischen Kollegen Richard Marles in Canberra warnte er, der Konflikt sei „eine Katastrophe für die Volkswirtschaften der Welt“.
Die wirtschaftlichen Folgen seien bereits nach kurzer Zeit deutlich sichtbar. Deutschland sei bereit, „jeden Frieden abzusichern“, insbesondere auch zur Sicherung des Seeverkehrs in der Straße von Hormus.
Zugleich betonte Pistorius, Deutschland sei vor Beginn der militärischen Eskalation nicht eingebunden gewesen. „Es ist nicht unser Krieg“, sagte er. Man wolle sich daher nicht in den Konflikt hineinziehen lassen. Im National Press Club in Canberra kritisierte der SPD-Politiker das Vorgehen der USA ungewöhnlich offen. Es fehle an einer klaren Strategie, an definierten Zielen und an einer Ausstiegsstrategie.
Im Iran droht eine weitere Eskalation
Unterdessen sendet die US-Regierung widersprüchliche Signale. Präsident Donald Trump will den Krieg nach Angaben aus seinem Umfeld möglichst rasch beenden und drängt intern auf ein Zeitfenster von vier bis sechs Wochen. Hintergrund ist auch ein geplantes Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping im Mai, das möglichst ohne laufenden Krieg stattfinden soll.
Gleichzeitig fehlt Washington ein klarer Weg dorthin. Friedensgespräche befinden sich erst in einem frühen Stadium, konkrete Ergebnisse gibt es nicht. Während über Vermittler erste Vorschläge zwischen Teheran und Washington ausgetauscht werden, lehnt der Iran direkte Verhandlungen bislang ab. Parallel erhöht die US-Regierung den militärischen Druck deutlich. Tausende zusätzliche Soldaten werden in den Nahen Osten verlegt, um dem Präsidenten weitere Optionen zu eröffnen.
Intern wird laut US-Berichten auch über gezielte Bodenoperationen oder Angriffe auf strategische Ziele im Iran diskutiert. Ein Schritt, vor dem Trump wegen möglicher hoher Verluste bislang zurückschreckt. Nach offiziellen Angaben wurden bereits fast 300 US-Soldaten verwundet, 13 kamen ums Leben. Innerhalb des Umfelds des Präsidenten gibt es zudem unterschiedliche Linien: Während einige Berater auf eine diplomatische Lösung drängen, fordern andere eine weitere Eskalation bis hin zu einem möglichen Regimewechsel in Teheran. Trump selbst schwankt laut Insidern zwischen beiden Ansätzen.
Ökonomisch und innenpolitisch wächst der Druck zusätzlich. Der Krieg belastet die Energiepreise und damit die Lebenshaltungskosten in den USA – ein sensibles Thema im Vorfeld der Zwischenwahlen. Zugleich versucht Trump, den Konflikt als begrenzte „militärische Operation“ darzustellen und die Verantwortung für eine langfristige Stabilisierung teilweise auf Verbündete abzuwälzen.
Ohne Einigung oder militärischen Durchbruch droht jedoch eine weitere Eskalation. Eine Blockade der Straße von Hormus könnte die globalen Energiemärkte weiter destabilisieren. Auch Israel und mehrere Golfstaaten bereiten sich auf eine längere Phase militärischer Auseinandersetzungen vor. Beobachter gehen daher davon aus, dass eine Waffenruhe derzeit nicht unmittelbar bevorsteht. (rr)






