HAMBURG. Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen den ukrainischen Staatsbürger Serhii K. wegen der Sprengung der Nord-Stream-Gaspipelines erhoben. Der Mann soll als Mittäter an der Zerstörung der Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 beteiligt gewesen sein.
Die Anklage wurde vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg erhoben.
Dem Ukrainer werden ein Kriegsverbrechen gegen zivile Objekte, das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, die Zerstörung von Bauwerken sowie die Störung öffentlicher Betriebe vorgeworfen. Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft war Serhii K. im Jahr 2022 Offizier der ukrainischen Armee. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sollen er und weitere Militärangehörige im Auftrag staatlicher Stellen in der Ukraine den Plan entwickelt haben, die von Russland durch die Ostsee nach Lubmin verlaufenden Erdgasleitungen zu zerstören.
Wie der Ukrainer die Nord-Stream-Pipelines gesprengt haben soll
Ziel sei es gewesen, Gaslieferungen über die Pipelines dauerhaft zu unterbinden. Außerdem sollte verhindert werden, dass Russland Einnahmen aus dem Handel mit Erdgas zur Finanzierung seiner Kriegsführung nutzt. Zur Umsetzung des Plans soll eine Gruppe aus mehreren Berufstauchern, einem Skipper und einem Sprengstoffexperten gebildet worden sein. Serhii K. soll diese Gruppe geführt haben. Am 4. September 2022 sei er mit einem gefälschten ukrainischen Reisepass über Polen nach Deutschland eingereist.
Kurz darauf soll sich die Gruppe an Bord einer hochseetauglichen Segelyacht begeben haben. Das Schiff war den Ermittlungen zufolge zuvor mit gefälschten Ausweispapieren über Mittelsmänner bei einem deutschen Unternehmen in Rostock angemietet worden. Mit der Yacht sollen der Beschuldigte und seine Mittäter größere Mengen militärisch verwendbarer Hochleistungssprengstoffe in internationale Gewässer nahe der dänischen Insel Bornholm gebracht haben. Dort hätten sie bis zum 22. September 2022 Sprengsätze mit Zeitzündern an den auf dem Meeresgrund verlaufenden Gasleitungen angebracht.
Die Sprengsätze detonierten am 26. September 2022. Dabei wurden beide Pipelines schwer beschädigt. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft war vor dem Anschlag durch Nord Stream 1 etwa die Hälfte des in Deutschland zur Energiegewinnung benötigten Jahresbedarfs an Erdgas geleitet worden. Serhii K. war am 21. August 2025 aufgrund eines Europäischen Haftbefehls in der Provinz Rimini in Italien festgenommen worden (die JF berichtete). Im November 2025 wurde er nach Deutschland überstellt. (rr)






