LEIPZIG. Der mutmaßliche Amokfahrer von Leipzig, Jeffrey K., wurde offenbar nicht einen Tag vor der Bluttat aus der Psychiatrie entlassen. Der 33jährige habe sich in jüngster Vergangenheit auf eigenen Wunsch eingewiesen, wurde jedoch nach einem kurzen Aufenthalt Ende April wieder entlassen, wie ein Sprecher des Sächsischen Sozialministeriums gegenüber der Welt mitteilte. Damit widerspricht das Ministerium vorangegangenen Medienberichten der Bild-Zeitung, des WDR und anderer Anbieter, die das geschrieben hatten. Auch die JUNGE FREIHEIT hatte das mit Blick auf den damaligen Wissensstand geschrieben.
Zu Details über K.s Behandlung wollte sich das Ministerium unter Berufung auf die ärztliche Schweigepflicht nicht weiter äußern. Er sei indes nicht fremd- oder selbstgefährdend aufgetreten, weshalb es keine Grundlage gegeben habe, ihn gegen seinen Willen in der psychiatrischen Einrichtung zu behalten.
Unklar, ob noch Opfer in Lebensgefahr schweben
K. war am Montagnachmittag in der Leipziger Innenstadt in eine Menschenmenge gefahren und hat dabei zwei Menschen getötet und Dutzende weitere zum Teil schwer verletzt (JF berichtete). Ob es Verletzte gibt, die noch um ihr Überleben kämpfen, ist aktuell noch unbekannt.
Ob es sich um einen Unfall oder um Vorsatz handelt, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, jedoch gehen die Behörden von Absicht aus. Auch das Tatmotiv ist noch unklar. Möglich sei, dass Liebeskummer seine Amokfahrt ausgelöst habe. Gegen ihn wird unter anderem wegen zweifachen Mordes und dreifachen versuchten Mordes ermittelt. Es gebe keine Anhaltspunkte für weitere Tatbeteiligte, betonte die Leitende Oberstaatsanwältin Claudia Laube am Montag.
Täter von Leipzig „psychisch auffällig“
Das Auto ist laut Polizeiangaben am Augustusplatz auf Höhe der Grimmaischen Straße in die Fußgängerzone und von dort aus bis zum Markt durchgefahren, wie die Leipziger Volkszeitung berichtete. Die Lokalzeitung sprach von 40 Feuerwehrleuten, 40 Rettungskräften und zwei Hubschraubern im Einsatz.
Die Geschäfte in der Fußgängerzone wurden geschlossen. Der mutmaßliche Täter „soll bei seiner Festnahme psychisch auffällig gewesen sein“, wie die Bild-Zeitung meldete. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) wollte das am Montag nicht bestätigen oder dementieren. Wie „Radio Leipzig“ berichtete, beschrieben Augenzeugen den mutmaßlichen Täter als hellhäutigen Mann mit vielen Tätowierungen. Videos in sozialen Medien sollen ihn bei der Festnahme zeigen. Eine offizielle Bestätigung der Behörden gibt es dafür bisher nicht. (st)






