LEIPZIG. Das Landgericht Leipzig hat einen türkischen Angeklagten nach einem geplatzten Prozess um einen tödlichen Messerangriff freigelassen. Der 43jährige Kemal A. wurde am Dienstag nach fast zwei Jahren in Untersuchungshaft auf freien Fuß gesetzt, da eine beisitzende Richterin schwanger geworden war, berichtet das Nachrichtenportal TAG24. Ihm wird vorgeworfen, Ende Juni 2024 einen Libyer in der Shishabar „Wunderlampe“ an der Eisenbahnstraße erstochen zu haben.
Die zuständige Strafkammer hatte die Beweisaufnahme zuvor nicht beendet. Zudem soll die Vorsitzende Richterin Antje Schiller demnächst an den Bundesgerichtshof wechseln. Da ein Richteraustausch im laufenden Verfahren unzulässig ist, muss die erneute Beweisaufnahme mit einer neuen Besetzung beginnen.
Ein Sprecher des Gerichts sagte TAG24, ein Termin für eine Neuauflage des Prozesses stehe noch nicht fest. „Die Kammer ist bemüht, noch in der ersten Jahreshälfte neu zu beginnen.“
Leipziger „Wunderlampe“ gilt als Drogenumschlagplatz
Zudem begründete das Landgericht die vorläufige Freilassung von Kemal A. mit dessen gesundheitlichen Problemen. Der mutmaßliche Messerangreifer soll seit seiner Festnahme unmittelbar nach der Tat zwei Herzinfarkte erlitten haben.
Mit dem Prozessabbruch bleiben auch die Hintergründe der tödlichen Attacke ungeklärt. Die „Wunderlampe“ gilt laut der sächsischen Polizei als Drogenumschlagplatz. Ende März 2025 hatten 500 Beamte das Lokal durchsucht und dabei unter anderem Cannabis, Crystal Meth, Heroin sowie Kokain „in erheblicher Menge“ sichergestellt. Die Eisenbahnstraße selbst gilt seit Jahren als Kriminalitätsschwerpunkt (JF berichtete).
Seit Jahren fehlt in Sachsen das für die Bearbeitung der Verfahren notwendige Personal. Im vergangenen Dezember hatte das Landesjustizministerium auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Valentin Lippmann mitgeteilt, dass die Nachbesetzung von höheren Richterstellen an den Land- und Amtsgerichten im Freistaat durchschnittlich neuneinhalb Monate dauert. Zu diesem Zeitpunkt waren dort 14 Stellen nicht besetzt, die meisten davon in Leipzig. In Sachsen gibt es 1.109 Richter sowie 405 Staatsanwälte. Schätzungen des Ministeriums zufolge soll die Hälfte bis 2030 in den Ruhestand gehen. (kuk)






