STADE. Nach dem Massaker mit sechs Todesopfern in einer Eltern-Kind-Einrichtung im niedersächsischen Stade wird jetzt auch gegen die 34jährige Mutter des dreimonatigen Kindes und die 65jährige Patentante des Säuglings wegen Mordes ermittelt. Gegen den 45jährigen Fatih G. liegt bereits ein Haftbefehl vor. „Das Ermittlungsverfahren wird gegen alle drei Tatverdächtigen wegen des Tatvorwurfs des Mordes geführt“, sagte die zuständige Staatsanwaltschaft der Bild-Zeitung am Freitag. „Ob und welcher Tatvorwurf angeklagt wird, kann erst nach Abschluss der Ermittlungen entschieden werden.“
Die mögliche Beteiligung der beiden Frauen, die genauen Tatabläufe sowie die Hintergründe gehörten weiter zu den laufenden Untersuchungen. Die Anwältin der Mutter des Kindes, um das ein Sorgerechtsstreit entbrannt sein soll, äußerte sich auf Anfrage des Boulevardblattes nicht zu den Vorwürfen.
Kindsvater soll sechs Menschen ermordet haben
Am vergangenen Montag soll der Vater des Säuglings, Fatih G., in einer Mutter-Kind-Wohngruppe mehrere Mitarbeiter der Einrichtung sowie einen Mitarbeiter des Jugendamtes erschossen haben.
Anschließend flüchtete G. in einem Mercedes-AMG vom Tatort. Am Steuer des Fahrzeugs soll die Patentante des Kindes, Sylvia S. (der vollständige Name ist der Redaktion bekannt), gesessen haben.
Gegen den mutmaßlichen Todesschützen Fatih G. laufen bereits Ermittlungen in der Türkei (JF berichtete). Die dortige Justiz hatte ihm unter anderem 2022 vorgeworfen, seine Tochter aus einer früheren Beziehung sexuell missbraucht zu haben. Zudem sei er ein Jahr zuvor aus dem Gefängnis geflohen, wo er sich wegen eines anderen Delikts in Untersuchungshaft befunden habe. 2007 soll er außerdem eine weitere schwere Sexualstraftat begangen haben. Der Austausch zwischen deutschen und türkischen Ermittlern gelte jedoch als „schwierig“.
Der polizeibekannte Türke sitzt derweil in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten als sechsfachen Mord, da Heimtücke und niedrige Beweggründe vorlägen.
Seltsame Verbindungen zur SPD und NGO-Komplex
Am Donnerstag wurde bereits bekannt, dass die 65jährige mutmaßliche Fluchthelferin die Schwiegermutter des SPD-Politikers und niedersächsischen Migrationsbeauftragten Deniz Kurku ist.
Drei Tage vor der Tat soll Kurkus Schwiegermutter, Sylvia S., ein etwa 20seitiges Schreiben an mehrere Medien versendet haben, in dem sie den Sorgerechtsstreit zwischen Fatih G., seiner Lebensgefährtin und den Behörden in der Region Hannover schilderte. S. arbeitet seit mindestens fünfzehn Jahren, aller Wahrscheinlichkeit aber noch länger, für den „Verband binationaler Familien und Partnerschaften“ in Bremen. Die Vereinigung sieht es als ihre Aufgabe, „binationalen Paaren und Familien in der Öffentlichkeit und in der Politik Gehör zu verschaffen“. Beispielsweise berät sie Betroffene zu Eheschließungen, aber auch zur deutschen Staatsangehörigkeit, zur Aufenthaltserlaubnis, zur Familienzusammenführung und in Visaangelegenheiten. Politisch setzt sich der Verband für eine liberale Migrationspolitik ein und wettert auch schon mal gegen die AfD.
Bis zum Mordverdacht gegen S. gab es keinen konkreten, öffentlich bekannten Hinweis darauf, dass sie im Vorfeld der Stadener Bluttat von einer Tatabsicht Gs gewusst, ihn für die Tat gezielt zum Tatort gebracht und ihm im Anschluss bewusst zur Flucht verholfen hat. Zwischen Kurku und der Tat selbst gibt es keine konkrete Verbindung. (rsz/ser)
Richtigstellung: In einer früheren Version hieß es, Deniz Kurku „gehörte offenbar bis vor wenigen Wochen das Fluchtfahrzeug“. Nach bisherigem Erkenntnisstand war und ist das Auto nicht auf Herrn Kurku zugelassen. Sein Anwalt teilte der Journalistin Yvonne Kussmann mit: „Es befand sich auch niemals in seinem Besitz. Er hat mit diesem Fahrzeug nichts zu tun und verfügt über keine Kenntnisse zu diesem Fahrzeug.“ Daher haben wir auch die Passage, dass es „indes bis auf das Fluchtauto“ keine Verbindung zwischen dem Fall und Herrn Kurku gibt, gelöscht. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.






