HILDESHEIM. Mutmaßliche Linksextremisten haben am frühen Morgen beide Fenster der AfD-Geschäftsstelle in Hildesheim mit zwei Backsteinen zerstört. Wie auf Aufnahmen zu sehen ist, die der JUNGEN FREIHEIT exklusiv vorliegen, warfen zwei Vermummte gegen 4 Uhr morgens jeweils einem großen Backstein in die Fenster des AfD-Büros. „Der Staatsschutz ermittelt bereits von Amts wegen“, bestätigte der Hildesheimer AfD-Fraktionsvorsitzende und -Geschäftsführer, Ralf Kriesinger, der JF.
Aus dem Überwachungsvideo geht hervor, wie sich die zwei mit Kapuzen, Masken, und schwarzer Kleidung Vermummte vor dem Angriff absprechen. Nach etwa einer Minute Diskussion vor dem Büro erfolgten die gezielten Steinwürfe auf das Büro. Ein Fenster wird dabei nicht sofort durchbrochen, weshalb einer der beiden Täter den Backstein erneut aufhebt und beim zweiten Anlauf mit Wucht in die Räumlichkeiten schmeißt.

Weil die flüchtigen Täter vermummt waren, hält Kriesinger eine wirksame Strafverfolgung für „sehr unwahrscheinlich“. Allerdings habe der Anschlag „die klare Handschrift der Antifa“. Dieser sei auch die Videoüberwachung des Büros bekannt. Der AfD-Kommunalpolitiker bewertet die Tat gegenüber der JF als „Akt der zunehmenden Verzweiflung angesichts des Erfolgs der AfD“. Die Antifa spüre, dass „wir mit Diffamierung nicht zu bekämpfen sind, und dann bedient man sich der Gewalt“.
Backstein-Anschlag war nicht der erste Übergriff
Mittlerweile sei derartiger Vandalismus nur eine „Selbstversicherung“ für das eigene Milieu, um diesem und der Bevölkerung „ein Signal zu senden“, ist sich Kriesinger sicher. Der Hildesheimer AfD-Fraktionschef ist hauptberuflich als Produkt-Manager bei einem großen Autozulieferer tätig und den Linksextremisten in der niedersächsischen Stadt offenbar schon länger ein Dorn im Auge. Denn der Backstein-Angriff war nicht der erste Anschlag auf das AfD-Büro.

Schon einmal haben Unbekannte dort ein Fenster eingeschlagen. Im vergangenen Monat kam es Kriesinger zufolge zu einem Farbbomben-Anschlag, bei dem auch das Nachbargrundstück getroffen wurde. Etwa alle zwei Monate käme es zu Graffiti-Vandalismus. Die AfD ist erst seit zwei Monaten in der neu angemieteten Geschäftsstelle. Zuvor war sie seit 2018 an einem anderen Ort eingemietet. Dort habe der Vermieter auf Druck der Nachbarn der AfD gekündigt. Auch jetzt vermutet Kriesinger, dass Linksextreme die Partei vertreiben wollen.
Linksextreme werden „radikaler, verzweifelter und gewalttätiger“
Die AfD Hildesheim verbreitet auf ihrer Website an prominenter Stelle eine Anti-Extremismus-Klausel in Form einer Unvereinbarkeitsliste. Darin wird sich zugleich gegen Linksextreme, Rechtsextreme und Islamisten gestellt. Indem die Angreifer diese Erklärung offenkundig ignorierten, sieht sich Kriesinger in seinem Verdacht bestätigt: „Das zeigt nur, wie tief Leute aus der Antifa-Blase in ihrer Bunker-Mentalität festsitzen.“ So würden Linksextreme „einfach immer radikaler, verzweifelter und gewalttätiger“ werden.

Für eine Verurteilung des Anschlags seitens anderer Parteien ist es laut Kriesinger noch zu früh. Er erwarte allerdings „keinerlei Stellungnahme – auch nicht von Stadtratskollegen“. Obwohl „mit einzelnen Ratsmitgliedern“ aus Reihen der CDU „angenehme Kontakte“ bestünden, befürchte deren Fraktionsführung Kriesingers Vernehmen nach einen unangenehmen Anruf aus der Parteizentrale.
Die möglicherweise verschärfte Stimmung gegen die AfD aufgrund ausgeschlossener Landratskandidaten in Niedersachsen (JF berichtete) hält Kriesinger als Grund derweil für unwahrscheinlich. Vielmehr spreche der „allgemeine Erfolg der AfD“ für das eigentliche Tatmotiv. (rsz)





