BAMBERG. Seit Jahrzenten hat sich der Verleger Michael Genniges „besondere Verdienste um das kulturelle Leben und den gesellschaftlichen Dialog in Oberfranken“ erworben. So formulierte es jedenfalls der Bezirk Oberfranken, als er den 75-Jährigen im Mai mit der silbernen Ehrenmedaille ehrte.
Jetzt soll die Auszeichnung des Buchhändlers, der auch für sein „Engagement für Verständigung, Dialog und gegen Antisemitismus“ geehrte wurde, jedoch wieder zurückgenommen werden. Zum Vorwurf wird ihm gemacht, dass er AfD-Mitglied ist. Dies war allerdings nie ein Geheimnis. Denn Genniges war bis 2026 Fraktionsvorsitzender der Partei im Kreistag Bamberg.
Oberfrankens Bezirkstagspräsident Henry Schramm (CSU), der im Bezirkstag für die Ehrung gestimmt hatte, auf Genniges im Schloss Thurnau sogar die Laudatio gehalten und ihm die silberne Medaille überreicht hatte, zeigt sich nun reuig. Denn die „Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg“ macht Front gegen den Verleger und fordert die Rücknahme der Ehrung. Schramm erklärte jetzt: „Grundsätzlich eröffnet die Ehrungssatzung des Bezirks Oberfranken dem Bezirkstag die Möglichkeit, eine bereits verliehene Ehrung auch wieder abzuerkennen.“
CSU hinterfragt ihr Abstimmungsverhalten
Genniges hat in Bamberg, so hieß es in der Begründung für die Auszeichnung „über Jahrzehnte einen Treffpunkt für Literatur, Austausch und Begegnung geschaffen“. Mit zahlreichen Lesungen und Kulturveranstaltungen habe er Autoren nach Oberfranken gebracht und das literarische Leben der Region bereichert. Als Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bamberg habe er darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zum Kampf gegen Antisemitismus geleistet.

CSU-Mann Schramm sagte nun, er bedauere es außerordentlich, „dass dieser Vorgang eine so intensive öffentliche Debatte ausgelöst hat und Kritik hervorruft. Dies nehme ich sehr ernst, und es beschäftigt mich auch persönlich sehr.“ Und er versicherte, er hinterfrage sein Abstimmungsverhalten selbstkritisch.
Entscheidung über Verleger im Juli
Im Juli soll nun der Bezirkstag über die von der Antifa geforderte Rücknahme der Ehrung entscheiden. Schramm will die Ehrung „sorgfältig aufarbeiten und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen im Bezirkstag die richtigen Schlussfolgerungen daraus ableiten“. Dies betreffe vor allem „die grundsätzliche Frage, nach welchen Maßstäben künftige Ehrungen und Auszeichnungen vergeben werden sollen“.
Der Bezirk Oberfranken ehrt jedes Jahr verdiente Persönlichkeiten für ihre Leistungen zum Wohle der Allgemeinheit und vergibt die Ehrenmedaillen. Der Antrag der AfD, den Verleger Genniges zu ehren, hatte im von der CSU dominierten Bezirkstag bereits im November 2025 eine breite Mehrheit erhalten. (fh)






