BERLIN. Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Tino Chrupalla, ist nach übereinstimmenden Informationen der JUNGEN FREIHEIT damit gescheitert, die frühere Linkspartei- und BSW-Bundestagsabgeordnete Żaklin Nastic als Mitarbeiterin in einer Führungsposition im Vorstand der Fraktion zu installieren.
Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten der JF, dass der Betriebsrat der Fraktion mit Hinweis auf den Betriebsfrieden, der durch Nastics Einstellung gefährdet würde, die Beschäftigung der Ex-Politikerin Anfang des Monats abgelehnt hatte. Die Entscheidung soll einstimmig gefallen sein. Im Gespräch war demnach eine Position als Grundsatzreferentin.
Unmut unter Abgeordneten
Auch unter den Abgeordneten der Fraktion soll die Personalie auf Unmut gestoßen sein. Insbesondere weil die frühere Bundestagsabgeordnete, die mittlerweile aus dem BSW ausgetreten ist, die AfD in der Vergangenheit heftig kritisiert und unter anderem als „Partei der Messerstecher und der entfesselten Gewalt“ bezeichnet hatte.
„Zum Glück ist daraus nichts geworden“, sagte ein Abgeordneter der JF. Ein anderer sagte: „Ich verstehe nicht, was da in Tino gefahren ist, so eine Personalie auch nur zu erwägen.“ Auch andere Abgeordnete zeigten sich hinter vorgehaltener Hand kritisch.
Chrupalla will sich nicht äußern
Auf telefonische Anfrage der JUNGEN FREIHEIT wollte sich Chrupalla nicht zu der Personalie äußern.
Nastic war Ende März dieses Jahres aus dem BSW ausgetreten (JF berichtete). Das Gründungsmitglied der Wagenknecht-Partei mit der Mitgliedsnummer elf war bis zuletzt im Vorstand der vor etwas mehr als zwei Jahren gegründeten Partei. Ihre dortige Karriere endete mit einer Generalabrechnung.
Ihren früheren Mitstreitern hatte sie dabei „Katzbuckelei“ und „Kadavergehorsam“ vorgeworfen. So hätten „postengierige Mitläufer“ einen „Hofstaat“ um die BSW-Bundesvorsitzende Amira Mohamed Ali gebildet. Damals wies Nastic den im BSW kursierenden Verdacht, die stets besonders russlandfreundlich und antiamerikanisch eingestellte Hamburgerin wolle sich nun der AfD anschließen, noch zurück. Zugleich lobte sie Chrupalla.
Nastic agitierte immer wieder gegen die AfD
In der Vergangenheit hatte die Politikerin immer wieder scharfe Kritik an der Partei von Tino Chrupalla und Alice Weidel geäußert. So hatte sie der AfD im Februar 2020 auf X vorgeworfen, „die Partei der Messerstecher und der entfesselten Gewalt“ zu sein. Im selben Monat brachte Nastic das Attentat von Hanau in Zusammenhang mit der AfD, indem sie Bilder einer Demonstration „gegen rechten Terror“ postete und dazu schrieb: „Kein Fußbreit den Nazis! Kein Fußbreit dem Faschismus! Kein Fußbreit der AfD“.
1 ½ Jahre nach einem AfD-Messerangriff auf einen Hamburger wurde Anfang Januar endlich Anklage erhoben. Die #AfD ist nicht nur Partei des entfesselten Kapitalismus, sie ist die Partei der Messerstecher&der entfesselten Gewalt. @Linksfraktion @DieLinke_HH https://t.co/vdHiQE83wm
— Żaklin Nastic (@ZaklinNastic) February 12, 2020
Sie warnte im September desselben Jahres auch vor einer „Gefahr von rechts“, die von der AfD ausgehe und „kleingeredet“ werde. Ein Jahr zuvor meinte Nastic bereits, die AfD sei „unerträglich“. Die damalige Bundestagsabgeordnete hatte sich in diesem Jahr auch mit der „Fridays for Future“-Bewegung solidarisiert, weil diese „einiges richtig“ machen müsse, „wenn die AfD eine Schülerbewegung mit Lügen und übler Nachrede angreift“.
Zu Zeiten der Ampel-Regierung im Jahr 2022 war sie unter Berufung auf eine Äußerung Wagenknechts der Meinung, die AfD sei „die abscheulichste Partei im Parlament“. Die Grünen würden AfDlern zusätzlich „mit ihrer fatalen Regierungspolitik“ Nährboden bereiten „und Millionen in Deutschland in den Ruin“ treiben. Im Februar vergangenen Jahres folgte ein Video, in dem sie einen Stop von „Kriegsgeheul und Aufrüstungsirrsinn gegen Russland von AfD bis Grüne“ forderte. (ho/rsz/fh)





