BERLIN. Das Amtsgericht Tiergarten hat einen Strafbefehl gegen den Leiter einer säkularen deutsch-arabischen Sprachschule in Neukölln, Hudhaifa Al-Mashhadani, wegen falscher Verdächtigung verhängt. Der irakischstämmige Islamismuskritiker soll demnach 90 Tagessätze zu je 190 Euro zahlen, insgesamt also 17.100 Euro. Hintergrund war eine angebliche Attacke auf ihn am Neuköllner U-Bahnhof im vergangenen November (JF berichtete). Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig, Al-Mashhadani legte dagegen Einspruch ein.
Kurz nach dem angeblichen Vorfall hatte er beklagt, von einem Mann mit schwarzem Bart und schwarzen Haaren „gezielt“ und „mit erheblicher Kraft“ auf dem Bahnsteig von hinten gestoßen worden zu sein. Dieser soll eine rote Kufiya um den Hals getragen haben, die ein Symbol der propalästinensischen Bewegung darstellt. Laut der Sprachschule seien „eindeutige Bedrohungsgesten“ einschließlich einer Tötungsgeste hinzugekommen. Daraufhin ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen einen 30jährigen wegen versuchter Körperverletzung.
Al-Mashhadani wird auch Betrug in Irak vorgeworfen
Später jedoch widerlegten Videoaufnahmen einer Überwachungskamera Al-Mashhadanis Behauptungen, berichtete der Tagesspiegel bereits im März. Demnach habe der angebliche Angreifer lediglich Zeige- und Ringfinger auf die Augen gerichtet und dann den Zeigefinger auf den Schulleiter. Weder ein Stoß noch eine Bedrohung seien zu erkennen gewesen. Auch das Gericht habe hierin eine „relativ unverfängliche Handbewegung“ gesehen.
Unterdessen steht der Sprachschulleiter auch im Verdacht, Betrug begangen zu haben. Im Juli 2025 soll er nach Eigendarstellung eine Bescheinigung seines Professorentitels von der irakischen Botschaft erhalten haben. Dem widersprach die Behörde aber auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung. Zudem sagte der ehemalige Parlamentssprecher im Irak dem Blatt, Al-Mashhadani soll seine Stellung als Leibwächter ausgenutzt haben, um von Leuten außerhalb der Politik Geld für nicht erfüllte Dienstleistungen zu erschleichen. Demnach sei er anschließend wegen Betrugs verurteilt worden.
Sprachschule in Neukölln steht unter Polizeischutz
Die von Al-Mashhadani geleitete Sprachschule Ibn Khaldun setzt sich unter anderem für den jüdisch-arabischen Austausch ein und bietet einen religionsneutralen Arabischunterricht für Kinder und Jugendliche bis zur 9. Klasse an. Nach dem Hamas-Angriff auf Israel im Oktober 2023 hatte sich die Einrichtung mit dem jüdischen Staat solidarisiert. Anschließend kam es zu Vandalismusdelikten gegen sie, derzeit steht die Sprachschule unter Polizeischutz.
Bekannt wurde der Schulleiter unter anderem als Islamismuskritiker mit Kontakten zur Berliner Politik. Die Angriffe auf seine Schule brachte er unter anderem mit Strukturen in Verbindung, die Islamisten seit den 1990er Jahren aufgebaut hätten. „Dem setzen wir etwas entgegen“, sagte er der taz. Nach dem angeblichen U-Bahn-Vorfall hatte sich unter anderem der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) mit dem Schulleiter solidarisiert. Er betonte, Al-Mashhadani setze sich für „Dialog, Verständigung und den Zusammenhalt in unserer Stadt“ ein. (kuk)





