Bodo Ramelow in der ARD-Sendung „Maischberger die Woche“ Foto: ARD-Mediathek
Ministerpräsidenten-Wahl

Ramelow: Die ganze Welt hat den Tabubruch in Thüringen gesehen

BERLIN. Die Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum Thüringer Ministerpräsidenten mit den Stimmen der AfD hat nach Ansicht von Amtsvorgänger Bodo Ramelow (Linkspartei) dem Ansehen des Freistaats weltweit geschadet. „Auf der ganzen Welt hat man gesehen, daß in Thüringen neunzig Jahre nach dem Tabubruch ein neuer Tabubruch stattgefunden hat“, beklagte Ramelow in der ARD-Sendung „Maischberger die Woche“ am Mittwoch abend. Er spielte damit darauf an, daß in Thüringen die NSDAP 1930 zum ersten Mal in ihrer Geschichte an einer Landesregierung beteiligt worden war.

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Gleichzeitig rechtfertige Ramelow es, daß er sich zur Wahl gestellt hatte, obwohl Linkspartei, SPD und Grüne nicht über die notwenige Mehrheit im Parlament verfügten, um ihn zum Ministerpräsidenten zu machen. „Der Wahlsieger aus Thüringen sitzt vor Ihnen“, sagte Ramelow zu Moderatorin Sandra Maischberger. Keine andere Partei habe bei der Landtagswahl im vergangenen Oktober mehr Stimmengewinne für sich verbuchen können als die Linkspartei.

Ramelow beklagte zudem, seit den Ereignissen vom vergangenen Mittwoch würden nicht nur er, sondern auch seine Familie bedroht. Dies habe ein bislang für ihn nicht bekanntes Ausmaß angenommen. „Die Identitäre Bewegung hat sich aufgemacht, mich zum Feind Nr. 1 in Deutschland zu machen. Meine Familie steht unter Polizeischutz, ich stehe unter Polizeischutz. Ich erlebe seit Mittwoch eine Situation, wie ich sie in fünf Jahren nicht erlebt habe“, berichtete der Linken-Politiker. Er habe schon in der Vergangenheit schwere Zeiten in Thüringen mitgemacht. „Ich habe das Massaker am Gutenberg-Gymnasium erlebt. Aber so etwas, was ich seit Mittwoch erlebe, was meine Familie erlebt, das haben wir noch nie erlebt!“

(krk)

Bodo Ramelow in der ARD-Sendung „Maischberger die Woche“ Foto: ARD-Mediathek

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