BELFAST. Die nordirische Polizei hat bestätigt, dass der sudanesische Verdächtige des Enthauptungsversuchs in Belfast ein Asylbewerber ist. Der Mann, Hadi Alodid, war demnach zunächst über Frankreich nach Dublin gekommen, wo er anschließend im Februar 2023 einen Bus über die offene Grenze nach Belfast nahm. Im nachfolgenden September bekam der 30jährige eine fünfjährige Aufenthaltserlaubnis, teilte die Behörde am Dienstag mit.
Auch teilte die Polizei mit, dass das Opfer der Messerattacke vom Montag infolge der Verletzungen sein linkes Auge verlor. Der 44jährige erlitt zudem weitere Verletzungen im rechten Auge sowie im Hals- und Rückenbereich. Ein in den sozialen Medien kursierendes Video zeigt, wie der Täter auf dem blutenden Mann kniet und mehrfach auf dessen Kopf und Hals einsticht. Mehrere Zeugen greifen schließlich ein und versuchen, den Dunkelhäutigen von dem Angegriffenen zu lösen.

Der Mordversuch in Belfast löste Ausschreitungen aus
Nach dem Angriff und den anschließenden Krawallen (JF berichtete) kündigte Nigel Farages Reform UK an, ein Moratorium auf sämtliche Einreisen aus dem Sudan zu verhängen. „Das Grauen, das Sie in Belfast erlebt haben, ist eine direkte Folge der verhängnisvollen Einwanderungspolitik der Tories und der Labour-Partei“, schrieb der innenpolitische Sprecher der Partei, Zia Yusuf, auf dem Kurznachrichtendienst X.
The horror of what you have seen in Belfast is a direct result of treacherous Tory and Labour immigration policy.
Reform has already announced a TOTAL BAN ON VISAS FOR ANYONE FROM SUDAN.
ENOUGH IS ENOUGH!
— Zia Yusuf (@ZiaYusufUK) June 9, 2026
Dagegen warf Labour Elon Musk vor, Mitschuld an den anschließenden Ausschreitungen zu tragen. „Ich glaube, es gibt böswillige Akteure, die dort sitzen, oft viele, viele Kilometer entfernt“, sagte die Generalsekretärin der Regierungspartei, Anna Turley, dem Sender Times Radio. Demnach trage auch der Tech-Milliardär eine „Verantwortung“, zur Besonnenheit aufzurufen, statt „Spaltung“ zu schüren.
In der Nacht zum Mittwoch blockierten hunderte Maskierte die Straßen von Belfast, um nach eigenen Angaben gegen Masseneinwanderung zu protestieren. Die Teilnehmer griffen Häuser, Läden sowie Asyleinrichtungen an und setzten Fahrzeuge in Brand. Auf seinem Kurznachrichtendienst X teilte Musk einen landesweiten Protestaufruf. „Nur ein wiederholter und lauter Protest sorgt für jegliche Wende“, schrieb er.
Only by protesting REPEATEDLY and LOUDLY will there be any change!! https://t.co/73GDcLLFwv
— Elon Musk (@elonmusk) June 9, 2026
Schmugglerbanden nutzen die offene Grenze
Anders als der Rest Großbritanniens ist Nordirland ein Teil des gemeinsamen EU-Binnenmarktes. Die entsprechende Ausnahmeregelung im Brexit-Vertrag sorgt dafür, dass die Grenze zum irischen Staat nicht kontrolliert wird. Grund dafür ist das bis heute geltende Karfreitagsabkommen aus dem Jahr 1998, welches den jahrzehntelangen Konflikt zwischen den protestantisch-britischen und irisch-katholischen Milizen beendet hatte. Eine Wiederherstellung regelmäßiger Grenzkontrollen würde einigen Interpretationen zufolge gegen das Abkommen verstoßen.
Bereits im vergangenen Jahr hatte der Daily Telegraph berichtet, dass Menschenschmuggler die Route über Irland in den sozialen Medien bewerben. Demnach verlangen albanische Schleuserbanden dafür 4.000 Pfund. Laut Schätzungen des Migration Observatory der Universität Oxford könnten bis zu 8.000 Illegale pro Jahr die Route nutzen, wobei genaue Zahlen fehlen. (kuk)




