Bundesinnenministerium

Zahl der Asylanträge steigt deutlich

BERLIN. Die Zahl der gestellten Asylanträge in Deutschland steigt weiter. Im Juli wurden laut dem Bundesinnenministerium 74.454 Asylbegehren registriert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg diese Zahl um fast einhundert Prozent. Gegenüber Juni sank die Zahl leicht um 0,2 Prozent.

Hauptherkunftsländer waren dabei Syrien (22.547), Afghanistan (16.229), der Irak (9.175), Iran (3.640) sowie Pakistan (1.913). Aus den Westbalkanstaaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien wurden 4.225 Asylgesuche gestellt.

200.000 Anträge im ersten Halbjahr

Im gleichen Zeitraum wurde über die Anträge von 53.008 Personen entschieden. In 31,3 Prozent der Fälle wurde den Asylbewerbern dabei die Rechtsstellung eines Flüchtlings laut der Genfer Flüchtlingskonvention zuerkannt. Weitere 30 Prozent erhielten subsidiären Schutz. Zwei Prozent dürfen vorerst nicht abgeschoben werden. Abgelehnt wurden die Anträge von 12.434 Personen (23,4 Prozent). Anderweitig erledigt, etwa durch Rücknahme des Antrags oder Verfahrenseinstellungen, wurden 13,3 Prozent.

Im gesamten ersten Halbjahr nahm die Zahl der Asylgesuche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 120 Prozent auf 197.000 zu. Neu im sogenannten EASY-System wurden im Juli 2016 bundesweit 16.160 Zugänge von Asylsuchenden registriert. Das EASY-System ist ein IT-Programm zur Erstverteilung der Asylbegehrenden auf die Bundesländer. Bei diesen Zahlen sind Fehl- und Mehrfacherfassungen laut Innenministerium nicht ausgeschlossen.

Immer mehr Klagen gegen Asylbehörde

Unterdessen wurde bekannt, daß immer mehr Asylbewerber gehen juristisch gegen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vorgehen. Bis Ende Mai waren knapp 6.000 sogenannte Untätigkeitsklagen gegen die Behörde anhängig, berichtet der Radiosender hr-info. Ende März lag die Zahl der Klagen noch bei 3.271.

Mit dem juristischen Vorgehen wollen Asylbewerber das Bundesamt zwingen, sich mit ihren Asylanträgen zu beschäftigen. Teilweise liegt die Bearbeitungsdauer bei bis zu zwei Jahren. Ein Sprecher des Verwaltungsgerichtes Gießen sagte, die Mehrzahl der Klagen käme von Somaliern.

Die Zahl der Untätigkeitsklagen könnte dennoch weit höher liegen. Laut einem Sprecher des BAMF würden nur Klagen von Asylsuchenden erfaßt, die bereits einen Antrag gestellt hätten. Untätigkeitsklagen von Personen, die noch kein Asyl gefordert, haben könnten wegen fehlender Aktenzeichen nicht einzeln registriert werden. (ho)

Stempel der Asylbehörde: Mehr Asylanträge, mehr Klagen Foto: picture alliance/dpa

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