LONDON. Die Staatsanwaltschaft von England und Wales hat Joshua Kerry wegen Mordes an der konservativen Politikerin Ann Widdecombe angeklagt. Der in Rotherham lebende 28jährige soll heute vor einem Gericht in Westminster erscheinen, teilte die Polizei am Dienstag mit. Im Haus des Beschuldigten hätten die Beamten unter anderem Zeitungsauszüge zu Nigel Farage, seiner Partei Reform UK und deren Migrationspolitik gefunden, berichtet das Boulevardblatt The Sun. Die ermordete Ex-Ministerin war von 2019 bis 2020 EU-Abgeordnete der damals als Brexit Party fungierenden Partei gewesen. Später war sie deren Sprecherin für Justiz und Migration.
🚨 BREAKING: Ann Widdecombe’s murder suspect, loner Joshua Kerry, had pinned newspaper clippings about Nigel Farage and Reform UK’s immigration policy to the walls of his council house.
“It would appear he had a profound dislike of the party, its leader and its policies.” pic.twitter.com/ZWJYdprvOX
— The Mercian (@TheMercianNews) July 19, 2026
Kerry war bereits vergangene Woche festgenommen worden (JF berichtete). Laut der Daily Mail soll die Polizei auch russische kommunistische Literatur sowie weitere „politisch-ideologische Materialien“ gefunden haben. Gleichwohl bleibt das genaue Motiv weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Laut der Polizei hätten die Ermittler eine „riesige Menge an Informationen“ gefunden, die zu „über 800 Ermittlungsansätzen“ geführt habe.
Widdecombe unterstützte den Brexit maßgeblich
Kurz nach dem Mord hatte die zuständige Polizeidirektion von Devon und Cornwall mehrfach betont, es gebe keine Hinweise auf eine politische oder terroristische Motivation. Stattdessen ging sie von einem Einbruch aus. Zunächst nahm sie einen 26jährigen Briten fest, binnen weniger Stunden wurde er jedoch aus der Haft entlassen.
Widdecombe war am 9. Juli in ihrem Haus in Devon tot aufgefunden worden (JF berichtete). Nach Angaben der Ermittler soll der Mord einen Tag zuvor stattgefunden haben. Kurz davor sollte die 78jährige dem Fernsehsender Channel 5 ein Interview geben, seit dem Mittag hatte sie allerdings nicht mehr auf dessen Nachfragen reagiert.
Die langjährige Tory- und spätere Reform-UK-Politikerin war von 1987 bis 2010 Mitglied des Unterhauses und von 1993 bis 1997 Ministerin unter Premierminister John Major gewesen. Sie unterstützte maßgeblich den EU-Austritt Großbritanniens, sprach sich gegen die Homo-Ehe sowie die Energiewende aus und konvertierte 1993 aus Protest gegen den Linksruck der anglikanischen Kirche zum katholischen Glauben. Nach ihrer Zeit im Parlament trat sie bei Reality-Sendungen wie „Strictly Come Dancing“ und „Celebrity Big Brother“ auf. Ehemalige Weggefährten schätzten ihren trockenen Humor und ihre exzentrische Art. (kuk)






