PARIS. Der Gründer der linksextremen Partei La France insoumise (LFI), Jean-Luc Mélenchon, hat seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2027 angekündigt. Er sei der Kandidat, der „am besten auf die zahlreichen und unmittelbar bevorstehenden Krisen vorbereitet“ sei, hieß es am Wochenende von seiten der Partei, wie Le Parisien berichtet. „Uns drohen ein weitverbreiteter Krieg, ein dramatischer Klimawandel und zudem eine wirtschaftliche und soziale Krise.“
Die rechte Partei Rassemblement National – deren voraussichtlicher Präsidentschaftskandidat Jordan Bardella nach aktuellen Umfragen auf dem ersten Platz liegt – betrachte er als seinen „Hauptgegner“, sagte Mélenchon. Er selbst lag in aktuellen Umfragen auf dem dritten Platz, knapp hinter dem Kandidaten der Regierungspartei Renaissance, Gabriel Attal.
Im vergangenen Jahr hatte Mélenchon für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er in einer Rede den Begriff des Großen Austauschs aufgegriffen und befürwortet hatte. „Ja, Herr Zemmour“, sagte er damals in Richtung des rechten Politikers Éric Zemmour, „es gibt einen Großen Austausch! Dieser Austausch besteht darin, dass eine Generation die andere ersetzt und nichts mit der vorherigen zu tun hat“. Seine Partei stehe für ein „Neues Frankreich“, betonte der LFI-Chef an anderer Stelle.
LFI-Abgeordnete kritisieren Mélenchons Kandidatur
Ein anonymer Abgeordneter der linksextremen Partei äußerte vor diesem Hintergrund Kritik an Mélenchons Kandidatur. „Glaubt er ernsthaft, dass er die Verkörperung dieses Ideals sein kann? Ein weißer Mann, 74 Jahre alt, wohlhabend, mit einer langen politischen Karriere, Abgeordneter unter Mitterrand, Minister unter Jospin? Ist er nicht die pure Verkörperung einer anderen Ära?“
Andere LFI-Abgeordnete warfen ihm vor, im vergangenen Jahr noch mitgeteilt zu haben, er wolle innerhalb der Partei von einem anderen Kandidaten ersetzt werden. „Was er seit Mai versucht hat, ist, jede Möglichkeit einer gemeinsamen Kandidatur zu verhindern“, sagte der Abgeordnete Alexis Corbière. Die ehemalige LFI-Politikerin Raquel Garrido attackierte die Präsidentschaftskandidatur ebenfalls: „Vier Jahre lang hat er all seine Energie darauf verwendet, zu verhindern, dass ein anderes Mitglied von La France insoumise als Präsidentschaftskandidatin aufgestellt wird. Ich hoffe, ihr werdet euch daran erinnern, dass dieser Mann sich nicht an sein Wort hält.“
Ex-Präsident Hollande rief zum Boykott auf
Anfang des Jahres hatten mehrere prominente Politiker Frankreichs dazu aufgerufen, nicht länger mit der LFI und Mélenchon zusammenzuarbeiten. Der französische Justizminister Gérald Darmanin (Renaissance-Partei) sowie der ehemalige Präsident François Hollande (Parti socialiste) hatten die Partei aufgrund ihrer Nähe zu den Mördern des Identitären Quentin Deranque als gewalttätig und extremistisch bezeichnet (JF berichtete).
Die LFI hatte sich bei der Parlamentswahl 2024 mit anderen linken Parteien wie den Grünen und der Parti communiste français zu dem Wahlbündnis Nouveau Front populaire zusammengeschlossen. Mit fast 28 Prozent landete das Bündnis auf dem zweiten Platz. (lb)






