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Ungarn
 

Absage an Gängelung durch die EU

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Der Friedensmarsch…
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…Plakate der Teilnehmer…
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…und Abschlußkundgebung vor dem Parlament Fotos: Jan Mainka

Der Platz vor dem Parlament war vergangenen Sonnabendnachmittag gegen halb sechs bereits gut gefüllt, als die Spitze des am etwa drei Kilometer entfernten Heldenplatz gestarteten „Friedensmarsches für Ungarn“ eintraf. Eine Stunde lang flutete der Menschenstrom danach durch die „Straße der Verfassung“ Richtung Parlament.

Eingeladen hatten zu der Großveranstaltung einige konservative Publizisten, verschiedene Zivilorganisationen sowie zahlreiche lokale Vertretungen der Zigeunerminderheit. Schätzungen hinsichtlich der Zahl der Teilnehmer variieren im Nachhinein – je nach politischem Lager: während die Organisatoren kurz nach dem Marsch von „über 500.000 Teilnehmern“ sprachen, legte sich die linksliberale Presse in Ungarn am Montag auf einen Wert um die 100.000 fest. Das untere Ende der Schätzungen markierte das Gros der westliche Medien, deren ungarische Zuträger nur „einige Zehntausend“ Teilnehmer gesehen haben wollten. Der Wahrheit am nächsten kommt vielleicht das Innenministerium, das von 400.000 Teilnehmern sprach – schließlich gab es aus dem Polizeihubschrauber wohl den besten Überblick.

Hinter dem Zahlenkrieg steht von linksliberaler Seite nicht zuletzt das Bestreben, die aktuelle Demonstration in der Wahrnehmung auf eine Stufe mit der Anti-Regierungs-Kundgebung der Opposition am ersten Neujahrsmontag zu degradieren. Bei dieser von westlichen Medienvertretern – im Gegensatz zur jüngsten Demonstration – mit höchster Aufmerksamkeit und Wertschätzung begleiteten Kundgebung gegen den Festakt der Regierung aus Anlaß des Inkrafttretens der neuen Verfassung waren nämlich tatsächlich nur „einige Zehntausend“ Teilnehmer erschienen.

Größte Demonstration seit 1989

Wie viel Teilnehmer die Pro-Regierungs-Demonstration letztendlich wirklich hatte, wird sich vor allem wegen ihrer Ausbreitung und Dynamik wohl nie restlos klären lassen. Fest aber steht, daß es sich um die größte Kundgebung seit der Feier zur Wiederbestattung des 56er Revolutionsmärtyrer Imre Nagy am 16. Juni 1989 auf dem Budapester Heldenplatz gehandelt hat.

Gekommen waren Junge und Alte, sichtbar Wohlsituierte und Leute aus einfacheren Verhältnissen, Budapester und Ungarn vom Land, einige sogar aus den abgetrennten ungarischen Gebieten im heutigen Rumänien und der Slowakei. Gemeinsam war allen Demonstranten, daß sie genug hatten von den Interventionen der EU in die ungarische Innenpolitik. Die Kundgebung wirkte wie ein verzweifelter Versuch, sich auf diese Weise bei den westlichen Beobachtern Gehör zu verschaffen. Und so war auch etwa mindestens die Hälfte der Transparente in Englisch, Deutsch und sogar Französisch. Tenor der Losungen waren sowohl ein klares Bekenntnis zur Person und Regierung von Premier Viktor Orbán als auch die Absage an äußere Einmischungsversuche.

Auslandsmedien ignorierten die Versammlung

Bis auf ein paar, Kurzmeldungen wurde die größte Demonstration der ersten ungarischen Demokratie von den meisten europäischen Medien komplett totgeschwiegen. Kein Wunder, schließlich gab es auf dieser Demonstration nichts, womit man gängige Orbán-Ungarn-Klischees in deutschen Redaktionen hätte bedienen konnte. Unter den Demonstrierenden gab es keine Neonazis, keine rassistischen Sprüche, es wurden keine EU-Fahnen verbrannt wie eine Woche zuvor auf einer Kundgebung von Jobbik, ja, es war nicht einmal eine Atmosphäre vorhanden, in der EU-Fahnen hätten verbrannt werden können.

Statt dessen herrschte eine ausgelassene, geradezu volksfestartige Stimmung, es gab viele freudestrahlende, erleichterte Gesichter. Immer wieder stimmte die Menge neben Sprechchören spontan auch ungarische Lieder an. Den Höhepunkt bildete das gemeinsame Absingen des Szózat (dt. Aufruf), der zweiten offiziellen Nationalhymne des stolzen ungarischen Volkes: „Deiner Heimat sei unerschütterlich treu, oh Ungar! (…)“ Wenig später zerstreuten sich die Menschen in dem festen Bewußtsein etwas Gutes für diese Heimat getan zu haben, sie gingen so friedlich auseinander wie sie zuvor demonstriert hatten.

Der Autor ist Chefredakteur und Herausgeber der Budapester Zeitung und The Budapest Times.

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Den vollständigen Demonstrationsbericht und einen Kommentar lesen sie in der kommenden Ausgabe (5/12) der JUNGEN FREIHEIT

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