BERLIN. Nach massiver Kritik an der ZDF-Sendung „heute journal“ vom vergangenen Sonntag hat der Sender am Dienstag um Entschuldigung gebeten. Dort war ein KI-generiertes Video gezeigt worden, das nicht als solches gekennzeichnet war und in dem angebliche Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE brutal vorgehen (JF berichtete).
Die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin Anne Gellinek zeigte sich reumütig. „Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehler. Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen. Wir haben ihn deshalb von allen Plattformen entfernt und werden auf ZDF heute sowie an gleicher Stelle im ‚heute journal‘ heute Abend korrigierend berichten.“
Zuvor hatte unter anderem der Vizechef der FDP, Wolfgang Kubicki, die Sendung scharf kritisiert. Er schrieb am Dienstag mit Blick auf die Sendung auf X, der Fall müsse „politische Konsequenzen haben“. Manipulative Berichterstattung sei beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk so weit verbreitet, daß es „nicht einmal bei den Verantwortlichen ein Störgefühl auslöst“, kritisierte Kubicki. Zudem rief er die Länder auf, den Rundfunkstaatsvertrag zu kündigen, da der Rundfunk „weder die Kraft noch den Willen zur Reform“ habe.
Der ZDF-Skandal muss politische Konsequenzen haben. Ein Milliarden-Beitragssystem, das zu einem Rundfunk führt, in dem manipulative bzw. manipulierte Berichterstattung offenbar schon so verbreitet ist, dass es nicht einmal bei den Verantwortlichen ein Störgefühl auslöst, können…
— Wolfgang Kubicki (@KubickiWo) February 17, 2026
Ex-ZDF-Journalist fordert Rücktritt des Intendanten
Der bekannte Jurist Joachim Steinhöfel äußerte sich ähnlich scharf. Er teilte auf seinem X-Konto einen Beitrag des Mediums „Achse des Guten“ und zitierte daraus: „Es ist die Symbiose aus handwerklicher Unfähigkeit und ideologischer Verblendung: Journalismussimulation und Niedertracht in Personalunion.“
Auch der langjährige ZDF- und SWR-Journalist Peter Welchering zeigte sich auf X entrüstet. „Da hilft nur: den Laden dicht machen und völlig neu starten.“ Er forderte den Rücktritt des zuständigen ZDF-Intendanten Norbert Himmler.
Auch der freie Journalist und Ex-Mitarbeiter der „Tagesschau“, Alexander Teske, kritisierte die Verantwortlichen des „heute journals“ scharf. „KI-generierte Bilder haben in den Nachrichten nichts verloren. Nicht einmal im Wetter. Wenn wir uns darauf nicht mehr verlassen können, wird das Vertrauen in die Medien weiter schwinden“, warnte er auf X. Besonders irritierend sei es, wenn ausgerechnet der öffentlich-rechtliche Rundfunk so arbeite, „der bei jeder Gelegenheit vor Fake News im Netz warnt“.
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Vosgerau warnt vor gesellschaftlichen Folgen
Der Staatsrechtler Ulrich Vosgerau warnte auf X vor den gesamtgesellschaftlichen Folgen solcher Medienberichte. Das Grundproblem sei, daß „80 bis 90 Prozent der Menschen“ Fernsehnachrichten – vor allem die des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – nach wie vor für „eine Aneinanderreihung von Tatsachenmitteilungen“ hielten. Dabei seien „90 Prozent von dem, was bei der ‘Tagesschau‘ oder eben im ‘heute journal‘ gesendet wird“, keine Tatsachenmitteilung, „sondern eben ‘journalistische Wertung‘ und ‘Einordnung‘“. Der tatsächliche wahre Kern der Nachrichten sei oft schwer erkennbar und erweise sich meist „als völlige Banalität“.
Es gehe beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht um unvoreingenommene Nachrichten, sondern um eine „‘Einordnung‘ der Gesellschaft im Sinne des Elitenkonsens“. Das funktioniere nur so lange, wie eine Mehrheit dem Rundfunk noch vertraue, prognostizierte Vosgerau. (st)





