HAMBURG. Spiegel-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit hat die Entscheidung seiner Redaktion verteidigt, Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund als „gefährlichsten Mann Deutschlands“ zu bezeichnen (die JF berichtete). In seinem Sonntags-Newsletter begründete er nun ausführlich die Wortwahl.
Siegmund gebe sich „freundlich“ und wirke auch auf Menschen gewinnend, die selbst nicht rechtsextrem seien, schrieb Kurbjuweit. Gleichzeitig werde er von einem Netzwerk rechter Extremisten unterstützt.
Dessen politischen Pläne für Sachsen-Anhalt bezeichnete der Chefredakteur als „Anschlag auf die liberale Demokratie“. Minderheiten würden die Folgen seiner Politik nach Kurbjuweits Einschätzung zuerst spüren. Siegmund will kriminelle und ausreisepflichtige Migranten schnell abschieben. Gerade die Verbindung aus freundlichem Auftreten und aus seiner Sicht extremen Vorstellungen mache Siegmund gefährlich. Kurbjuweit präzisierte dabei, die Bezeichnung gelte „aus Sicht liberaler Demokraten“.
Kurbjuweit vergleicht Macht von Politikern mit Kriminellen
Zur Begründung zog der Spiegel-Chef einen ungewöhnlichen Vergleich heran. Politiker seien potentiell „wirkmächtiger als Kriminelle“. Wenn ein Politiker „böse Absichten“ habe, könnten daraus „böse Folgen für Hunderttausende“ entstehen, „vielleicht für Millionen“.
Kurbjuweit erklärte außerdem, nach welchen Kriterien sein Magazin Personen auf die Titelseite nehme. Entscheidend sei deren Bedeutung für die politische Gegenwart. Deshalb seien etwa auch Donald Trump und Wladimir Putin häufig dort zu sehen, ohne dass – diese Personen miteinander gleichgesetzt würden.
Dass die Berichterstattung einem Politiker nutzen oder schaden könnte, will Kurbjuweit bei der Auswahl nicht berücksichtigen. „Relevanz ist unser oberstes Kriterium, nicht die Frage, wem eine Titelgeschichte nützt oder schadet“, schrieb er. Der Spiegel leide zudem nicht an der „Hybris“, zu glauben, mit seiner Berichterstattung Wahlergebnisse beeinflussen zu können.
Die AfD sei stark und damit relevant, führte Kurbjuweit weiter aus. Deshalb müsse sie Gegenstand journalistischer Berichterstattung sein. Das Spiegel-Motto „Sagen, was ist“ gelte aus seiner Sicht ausdrücklich auch für die Titelseite. (rr)





