GÖTTINGEN. In der Nacht auf Montag kam es zu mehreren Farbbeutelanschlägen auf Verbindungshäuser in Göttingen. Als ein Vertreter einer angegriffenen Verbindung die Tat bei der Polizei meldete, wurde er zur Online-Wache verwiesen, weil die Beamten „zu ausgelastet“ seien, wie er der JUNGEN FREIHEIT schildert. Im Online-Portal könne Beweismaterial hochgeladen werden. Das Datenvolumen liegt dabei für Bilder bei fünf Megabyte (MB), das Volumen für Videos ist auf 25 MB begrenzt.
Warum sich die Ermittler nicht schnellstmöglich ein eigenes Bild vom Tatort machen wollten, konnte eine Sprecherin der Polizei auf Anfrage der JF nicht beantworten – auch nichts über die möglichen Hintergründe der Tat. Mittlerweile hat aber der für politisch motivierte Straftaten verantwortliche Polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.
Wie aus einem Video einer Überwachungskamera hervorgeht, das der JF vorliegt, näherten sich gegen 0:30 Uhr in besagter Tatnacht drei vermummte Gestalten einem der Verbindungshäuser. Mehrere Minuten scheinen sie zunächst das Haus auszukundschaften, bevor sich zwei in Schwarz gekleidete Personen auf das Grundstück zubewegen. Während einer Schmiere steht, betritt der andere den Garten des Anwesens und wirft zwei Farbbeutel auf die Fassade der Villa.
Die Stadt weiß nichts von Anschlagsserie auf Studentenverbindungen
In derselben Nacht wurde auch das gegenüberliegende Verbindungshaus Ziel einer Farbattacke. Dort warfen die Angreifer mindestens fünf Farbbeutel auf die Fassade. Ein drittes Verbindungshaus, das in der Nacht ebenfalls attackiert wurde, befindet sich in derselben Straße. Ein viertes liegt in einer Parallelstraße, wobei auch diese Korporation nach JF-Informationen Anzeige erstattete.

Die Stadt Göttingen habe weder über die Anschlagsserie noch über „andere Vorfälle der dieser Art“ Kenntnis, teilte ein Sprecher der Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) der JF mit.
Seit Jahren ist die Universitätsstadt Göttingen bekannt als Linksextremisten-Hochburg. Erst im Oktober hatten Unbekannte das Parteigebäude der örtlichen CDU massiv beschädigt – inklusive Schmierereien (JF berichtete).
CDU kritisierte fehlende Programme gegen Linksextremismus
Bereits vor zehn Jahren kritisierte der damalige Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion und jetzige Vizepräsident des Niedersächsischen Landtags, Jens Nacke, die Entstehung von „No-Go-Areas für Mitglieder von Studentenverbindungen“. Rot-Grün habe Präventionsprogramme gegen Linksextremismus verweigert, monierte Nacke.
Auf die JF-Anfrage, ob die Stadt mittlerweile derartige Präventionsprogramme fördert, mauerte das Rathaus und verweigerte die Auskunft. (rsz)






