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Feste zum Feiertag: Die vielen Gesichter des Mai

Feste zum Feiertag: Die vielen Gesichter des Mai

Feste zum Feiertag: Die vielen Gesichter des Mai

Eine Tradition zum Beginn des Mai: Aufstellung des Maibaums in Hamminkeln-Dingden (NRW)
Eine Tradition zum Beginn des Mai: Aufstellung des Maibaums in Hamminkeln-Dingden (NRW)
Ein Maibaum wird in Hamminkeln-Dingden (NRW) aufgestellt. Foto: IMAGO / Funke Foto Services
Feste zum Feiertag
 

Die vielen Gesichter des Mai

Bunte Bäume, fliegende Hexen, wilder Protest: Wenn der Mai beginnt, erwacht nicht nur die Natur, sondern auch eine Fülle jahrhundertealter Bräuche. Vom Maibaum über die Walpurgisnacht bis hin zu politischen Demonstrationen.
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Es ist doch im April fürwahr, der Frühling weder halb noch gar. Komm, Rosenbringer, süßer Mai, komm du herbei! So weiß ich, was der Frühling sei!“, dichtete Eduard Mörike irgendwann im 19. Jahrhundert, und auch knapp 200 Jahre später kann der fünfte Monat des Jahres häufig mit azurblauem Himmel, wärmender Sonne und vor allem diesem besonderen Geruch aufwarten, den die Luft bekommt, wenn sie sich erstmalig wirklich aufzuwärmen beginnt, während man sich im April trotz erstem Grün an den Bäumen noch die Knochen abfriert. Und um diesen Übergang zu feiern, haben die Menschen schon seit Jahrtausenden – bereits die antiken Römer feierten vom 28. April bis zum 3. Mai die sogenannten Floralien – Feste und Rituale entwickelt.

Da gibt es im deutschsprachigen Raum etwa den Maibaum, das heißt, eigentlich gibt es zwei Maibäume: Einmal den, der vor allem in ländlichen Gegenden groß und zentral in der Ortsmitte aufgestellt wird, und um den herum anschließend getanzt, musiziert, sicher auch gegessen und gezecht wird. Schon das gemeinsame Aufstellen, üblicherweise von den Männern des Ortes und unter Zuhilfenahme von Seilen, ist ein Ereignis für sich.

Im alpinen Raum schließ sich mancherorts noch das Maibaumkraxeln an – dabei klettern junge Männer den Stamm hinauf, wer am schnellsten oben ist, erhält die bewundernden Blicke aller Umstehenden, eventuell auch Bier und Würste als Belohnung.  Und dann gibt es, vor allem im Rheinland, im Saarland, dem Bergischen Land sowie in einigen Gegenden Bayerns wie Franken und Oberbayern die Tradition der Liebesmaien.

Die Nacht wird mit „Tanz in den Mai“ gefeiert

Dabei stellen junge, ledige Männer am Wohnhaus ihrer Angebeteten einen Maibaum auf, üblicherweise in Form einer Birke, welche mit bunten Bändern behangen wird. Zu Beginn des Juni wird die Ehrerbietung wieder abgeholt und der Schmachtende, sofern die Frau Interesse hat, mit einer Einladung zum Essen belohnt. In einigen Regionen ist auch dies strenger ritualisiert: Die Mutter verteilt an alle beim Abbau helfenden Recken selbstgebackenen Kuchen, der Vater spendiert Bier, und die Maid drückt ihrem Verehrer einen Schmatzer auf.

Ein Liebesmaien-Baum wurde an Haus einer Frau aufgestellt. Foto: Gemeinfrei
Ein Liebesmaien-Baum wurde an Haus einer Frau aufgestellt. Foto: Gemeinfrei

Besonders zelebriert wird zudem die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. „Tanz in den Mai“, heißt die zeitgenössische Form, bei der Nachtclubs in den großen Städten Parties mit prominenten DJs, vergünstigtem Eintrittspreis oder besonderen Themen (in Berlin gibt es 2026 etwa eine 20er-Jahre-Party) anbieten. Etwas unklar ist hingegen der Ursprung der deutschen Walpurgisnacht, welche ebenfalls auf diese Nacht datiert wird.

Der Name geht auf die Heilige Walburga zurück, eine Benedektinernonne aus dem achten Jahrhundert, wieso in der Gegend des Harzer Gebirges sich jedoch der Glaube verbreitete, in dieser Nacht flögen Hexen durch die Luft, bleibt im Dunkeln. Gesichert ist, dass Johann Wolfgang von Goethe diese Vorstellung mit dem ersten Teil des Faust zwar deutschlandweit bekannt machte, aber nicht erschuf.

 Auf dem Brocken fliegen die Hexen

Bereits 1521 erwähnte die dänische Reichsgesetzgebung, dass es besonders in dieser Nacht zu Hexentaten kommen könne und warnte dementsprechend vor Personen, die sich auffällig verhalten. Der deutsche Universalgelehrte Johannes Praetorius hielt 1668 in seinem Buch über den Brocken-Berg schließlich erstmals schriftlich fest, dass sich „jährlich den 1. Maij in Sanct-Walpurgis Nachte“ auf „solchen Berge die Unholden aus gantz Teutschland“ träfen und dort selbstverständlich Schauerliches zelebrierten.

Zur Walpurgisnacht wurde ein Vorgarten im Harz mit Hexenfiguren geschmückt.
Zur Walpurgisnacht wurde ein Vorgarten im Harz mit Hexenfiguren geschmückt. Foto: picture alliance/dpa | Swen Pförtner

Im 21. Jahrhundert ist der Mythos im Harzgebirge zu einem veritablen Touristenlockstoff geworden. 2024 feierten dort Tausende Menschen, verkleidet als Hexen und andere Gruselgestalten, das Ereignis, und der Harzer Tourismusverband – dessen Logo buchstäblich eine auf einem Besenstiel fliegende Hexe ziert – listet auf seiner Internetseite sämtliche entsprechende Feste auf. Dort werden etwa große Frühlingsfeuer entfacht, Musikbands treten auf, und es wird Kuchen verteilt.

Für linke Nostalgiker gibt es Touren durch Kreuzberg

Und dann ist da noch die politische Seite des Ganzen. Der 1. Mai ist eben auch der „Tag der Arbeit“. Ursprünglich war es die amerikanische Arbeiterbewegung, die das Datum in Erinnerung an eine Massendemonstration in Australien im Jahr 1856 wählte. Der Funke sprang rasch nach Europa über, wo sozialdemokratische und sozialistische Bewegungen einen entsprechenden gesetzlichen Feiertag forderten. In Deutschland wurde es jedoch bekanntermaßen erst unter der Herrschaft der NSDAP zu selbigem.

Heute bietet vor allem Berlin ein vielfältiges Angebot. Neben der obligatorischen linken Großdemonstration in Kreuzberg hat sich mittlerweile eine weitere Tradition etabliert: Raves. In mehreren Parks, etwa dem Treptower Park und der Hasenheide, finden Open-Air-Parties mit elektronischer Musik statt, zudem locken viele Clubs mit freiem Eintritt und hochkarätigen Discjockeys. Für linke Nostalgiker gibt es am Nachmittag geführte historische Touren durch Kreuzberg, in denen daran erinnert wird, wie rebellisch und aufrührerisch die Maitradition einst noch war, fanden doch die letzten wirklichen Berliner 1.-Mai-Ausschreitungen und Straßenschlachten im Jahr 2010 statt.

Aus der JF-Ausgabe 19/26.

Ein Maibaum wird in Hamminkeln-Dingden (NRW) aufgestellt. Foto: IMAGO / Funke Foto Services
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