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Gläubige beten in der Berliner Khadija Moschee Foto: picture alliance/dpa | Paul Zinken
Gläubige beten in der Berliner Khadija Moschee Foto: picture alliance/dpa | Paul Zinken

Berlin
 

Studie zu Moslemfeindlichkeit arbeitet mit Islamisten zusammen

BERLIN. Die Integrationsbeauftrage des Berliner Bezirks Neukölln, Güner Balci, hat eine mit öffentlichen Geldern geförderte Studie über die Diskriminierung junger Moslems an Schulen kritisiert. Die Erhebung war in Zusammenarbeit mit Moscheegemeinden entstanden, die in Verfassungsschutzberichten des Landes als islamistisch eingestuft wurden. „Die beteiligten Moschee-Vereine der Studie stehen für ein ‘Who is who’ des politischen Islam“, beklagte Balci die Erhebung am Sonntag in der Welt. Bei den in der Studie erfaßten Moscheegemeinden handele es sich ausschließlich um solche, die ein reaktionäres Islam-Verständnis verbreiteten.

Zu diesen zählt beispielsweise die der Muslimbruderschaft nahestehende Teiba-Moschee in Spandau, die in einem Bericht des Inlandsgeheimdienstes als „Treffpunkt von Hamas-Anhängern“ bezeichnet wurde. Bei der von der „Anlaufstelle Diskriminierungsschutz an Schulen“ (ADAS) initiierten Studie wurden 274 moslemische Jugendliche in verschiedenen Moscheegemeinden zu ihren Diskriminierungserfahrungen in der Schule befragt.

Neuköllner Bürgermeister kritisiert Studienleiterin

Auch der Bürgermeister von Neukölln, Martin Hikel (SPD), griff die Methoden der Studienmacher an. „Mit einer politisch gefärbten Studie in Zusammenarbeit mit Vereinen, die unter Verfassungsschutzbeobachtung stehen, diskreditiert Frau Yegane sich selbst und gefährdet die Glaubwürdigkeit der Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen“, sagte er über die Leiterin der ADAS, Aliyeh Yegane. In Berlin gebe es bereits moslemische Schüler, die von strenggläubigen Mitschülern abfällig behandelt werden würden, weil sie während des Fastenmonats Ramadan tagsüber essen oder trinken.

Yegane selbst verteidigte sich gegen die Vorwürfe. „Unsere Studie hatte den Blick auf die Gewährleistung des Schutzes vor Diskriminierung und der Religions- und Weltanschauungsfreiheit in Berliner Schulen. Vor diesem Hintergrund waren Fragen vergangener oder aktueller Bewertungen des Verfassungsschutzes irrelevant“, betonte sie. Auch Jugendliche, die in islamistischen Moscheegemeinden beten würden, hätten einen Anspruch auf Grund- und Menschenrechte in der Schule.

Eine Mehrheit der zu Diskriminierungserfahrungen befragten Jugendlichen gab an, sich streng an die moslemischen Fastengebote und Ernährungsvorschriften zu halten. Ein Drittel erklärte, in den Pausen zwischen den Schulstunden zu beten und auf Geschlechtertrennung im Unterricht zu achten. Die ADAS wird vom Berliner Senat jährlich mit 210.000 Euro unterstützt. (fw)

Gläubige beten in der Berliner Khadija Moschee Foto: picture alliance/dpa | Paul Zinken
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