Der Kulturbetrieb ist links. Ob Theater, Museen oder Konzerthäuser: Der Besucher kann sich sicher sein, jedes Drama, jede Ausstellung, jede Sonate gendersensibel, klimaneutral und tapfer kämpfend gegen Rechts serviert zu bekommen. Unter dem Symbol des Regenbogens läuft seit Jahren ein Prozess verordneter Vielfalt durch Gleichschaltung, dessen Ergebnis ein staatlich subventionierter ideologischer Einheitsbrei ist.
Der Cellist und AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Moosdorf stellt in seinem neuen Buch „Kultur von Rechts. Zwischen Restauration und Revolution“ nüchtern fest, dass es zwar viele konservative Länder mit einem linken Kulturbetrieb gebe, jedoch keine links regierten mit einem konservativen. Er zeigt auf, wie es dazu gekommen ist, was ein rechtes Kulturverständnis auszeichnet und wie sich die linke Hegemonie im Kulturbetrieb brechen lässt.
Kultur ist nicht nur schmückendes Beiwerk menschlichen Zusammenlebens. Kultur schafft Bewusstsein, gießt das Streben nach dem Schönen und Unendlichen in eine bleibende Form und wird im besten Fall zu einem Ort, an dem ein Gemeinwesen zusammenkommt, um die großen Fragen der Zeit zu verhandeln, wie es idealtypisch in den Dramen der antiken attischen Demokratie der Fall gewesen ist. Von diesem Zustand sind wir weit entfernt, wie Moosdorf in seinem fulminanten Anfangskapitel „Kultur im Umbruch“ herausarbeitet, in dem er das Ideal mit dem aktuellen Ist-Zustand vergleicht. Dieser zeichne sich durch ein niveaunivellierendes Zusammenspiel aus Politisierung, Entsakralisierung und Sprachverfall aus.
„Kultur ist strukturell immer konservativ“
Das Buch ist allerdings kein weiteres Klagelied auf den Untergang des Abendlandes. Moosdorf wirbt für die Renaissance einer konservativen Ästhetik, die sich an „Form, Maß, Schönheit und Kontinuität“ orientiert. Im Gegensatz zur progressiven Ästhetik sei hiermit keine bestimmte politische Agenda verbunden, sondern der stete Bezug auf den Traditionsbestand von Volk und Nation. In diesem Sinne, so Moosdorf, sei Kultur „strukturell immer konservativ, weil sie auf Überlieferung beruht und die Vergangenheit in die Gegenwart hinein verlängert“.
Die Progressiven hingegen delegitimieren alles Vergangene als rassistisch, patriarchal oder anderweitig moralisch defizitär. Dass aus dieser Überzeugung heraus eine Ablehnung von Form und Schönheit erfolgt und im Kern gar als faschistisch bezeichnet wird, entspricht einer gewissen inneren Logik. Moosdorf ist kein Gegner staatlicher Kulturförderung. Als positives Beispiel nennt er das „Sächsische Kulturraumgesetz“ von 1994, in dem Kulturpflege als kommunale Pflichtaufgabe festgelegt worden ist.
Zwischen 1988 und 2019 war Moosdorf Mitglied des Leipziger Streichquartetts, weswegen er dieses Gesetz auf eigenen Erfahrungen beruhend einschätzen kann. Es klinge zwar wie ein Widerspruch, die Freiheit der Kunst verpflichtend machen zu wollen. Doch sei es hierbei eben nicht um die Propagierung bestimmter Inhalte gegangen, wie es heute bei der Förderung einzelner Projekte mit klarer linker Schlagseite etwa im Rahmen des seit 2014 bestehenden „Demokratie leben“-Programms der Bundesregierung (JF berichtete) der Fall ist.
Richtig ist, dass die AfD die Finanzierung ändern würde
Vielmehr sei es hier gelungen, auf kommunaler Ebene mit Unterstützung des Landes eine kulturelle Infrastruktur zu etablieren, die weiterhin vorbildlich sei. Dass auch hier Verkrustungen entstehen können, gesteht Moosdorf zu. Dennoch sei solch eine Kulturförderung dem derzeitigen System, welches im Grunde auf nichts anderes als eine aus Steuermitteln finanzierte Unterstützung des rot-rot-grünen Vorfeldes unter tätiger Mithilfe der Union hinausläuft, unbedingt vorzuziehen.

Es vergeht kein Tag, an dem nicht mit dramatischen Worten vor einem Sieg der AfD bei den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gewarnt wird. Am schrillsten klingen dabei die Kunst- und Kulturschaffenden, die als Folge der möglichen „Machtergreifung“ den gesamten Kulturbetrieb in Gefahr sehen. Richtig daran ist, dass die AfD, sofern sie ihren Ankündigungen Taten folgen lässt, deren Finanzierung grundlegend ändern würde. Für Queer-, Klima- und Antirassismusaktivisten könnte das in der Tat erhebliche Folgen haben.
Moosdorf entwirft ein Leitbild
Es bleibt aber unklar, wie eine AfD-Landesregierung eine „patriotische Wende“ in der Kultur konkretisieren würde, wie es im Wahlprogramm der Partei in Sachsen-Anhalt heißt. Moosdorf orientiert sich an Arnold Gehlen, für den „Kultur ein Ordnungssystem ist, das gegen das Zufällige, Unvorhersehbare steht und in dem sich allgemein anerkannte, überzeitliche Zeichen und Symbole herausbilden, die es ermöglichen, das Chaos der Welt zu erfahren und zu bewältigen“.
Auf die konkrete Politik heruntergebrochen könnte das bedeuten: Förderung der deutschen Sprache, Traditions- und Mythenpflege auch im Bildungsbereich, Förderung einer positiven nationalen Identität ohne Verklärung der Vergangenheit, keine Pseudowissenschaften à la Queer Studies oder Critical Whiteness Studies an den Universitäten. Die Partei muss der Versuchung widerstehen, nach einem Wahlerfolg lediglich das eigene Vorfeld zu finanzieren, wie es die Linken seit Jahrzehnten betreiben. „Kultur von Rechts“ ist kein Handbuch mit einer Liste politischer Maßnahmen. Moosdorfs Kulturverständnis, sein Plädoyer für eine konservative Ästhetik sowie seine Vorstellungen einer Kulturförderpolitik entwerfen aber ein Leitbild, das jedem Orientierung bieten kann, der den dringend notwendigen Kampf gegen die linke Hegemonie im Kulturbereich aufnimmt.







