Zweierlei Migranten-Quoten

Eigentlich kann doch kein guter Mensch ernsthaft etwas gegen Migranten-Quoten haben. Richter, Polizeipräsidenten, hohe Ministerialbeamte „mit Migrationshintergrund“, wo sind sie? – fragt nicht nur Sigmar Gabriel, der SPD-Vorsitzende. Im öffentlichen Dienst, bei Polizei, Verfassungsschutz, Feuerwehr, Lehrern, Finanzbeamten, überall werden Einwanderer ganz gemein benachteiligt. Jedenfalls diejenigen, für die sich hauptberufliche Einwanderungslobbyisten üblicherweise starkmachen.

Das fängt schon mit den „faschistoid“ hohen Qualifikationsanforderungen an, die so manchen scheitern lassen, der sich auch gerne in staatlichen Amtsstuben wärmen würde. Auch Integrations-Märchentante Maria „Herzlichkeit und Lebensfreude“ Böhmer ist bei der Migrantenquote im öffentlichen Dienst nicht so recht weitergekommen. Da muß man doch was tun!

Sigis Quotenkampf

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat, es ist schon wieder ein halbes Jahr her, die Sache da angepackt, wo Qualifikation am wenigsten eine Rolle spielt: In der eigenen Partei. Aber selbst die wollte bei der 15-Prozent-Migrantenquote nicht so recht mitziehen  und machte eine weniger penetrante „Selbstverpflichtung“ draus. Wer teilt schon gerne Posten, und wo sollte man wohl auch auf die Schnelle die ganzen Quoteneinwanderer hernehmen.

Der umtriebige Türken-Lobbyist Kenan Kolat fand Gabriels Vorstoß trotzdem ganz gut, er hat ja auch selbst davon profitiert und wurde in den Parteivorstand aufgenommen. Auch seine Frau Dilek Kolat ist inzwischen SPD-Senatorin in Berlin. Die Schwester der Betreiber des Fundamentalisten-Portals „Muslim-Markt“ ist seit letztem Wochenende sogar stellvertretende Parteivorsitzende, und noch zwei weitere Türkinnen haben sich durch das Gewirr von Frauen-, Regional-, Flügel- und eben Ausländer-Quoten nach oben durchgekämpft. Macht 8,6 Prozent Migrationshintergründige im SPD-Vorstand. Gar nicht so schlecht, auch wenn man die funktionärslogische Gleichsetzung „Migrant = Türke“ akzeptiert.

Wenn dann aber mal ein deutscher Verein freiwillig, ganz ohne Druck von oben, eine „Migranten-Quote“ einführt, dann ist es auch wieder nicht recht. Diese bittere Lektion mußte der Norderstedter Kleingartenverein Harksheide Kringelkrugweg  lernen. Die braven schleswig-holsteinischen Schrebergärtner haben da nämlich etwas fundamental falsch verstanden: Ausländerquoten sind nur dann gut, wenn sie mehr Ausländer irgendwo reinbringen – und nicht etwa weniger.

Die Kleingärtnerquote

Den Norderstedter Kleingärtnern waren nämlich ihre Integrationsprobleme über den Kopf gewachsen. „Die wollen nichts mit uns zu tun haben“, meinen die alteingesessenen Kleingärtner über die ausländischen Neupächter, würden „dafür aber laut feiern“. Man habe alles versucht, die „Kleingärtner mit Migrationshintergrund“ zu integrieren, sei aber immer wieder enttäuscht worden, beteuert der Vereinsvorsitzende.

Deshalb haben 59 von 70 Vereinsmitgliedern für eine Begrenzung der Verpachtungen an Ausländer gestimmt, mit 41 Stimmen wurde der weitestgehende Antrag beschlossen: Eine Migranten-Quote von 12,9 Prozent, die sich am Ausländeranteil im schleswig-holsteinischen Landesdurchschnitt orientiert. Also maximal 9 von 73 Parzellen, davon höchstens ein Viertel für Türken und Araber und ein weiteres Viertel für Osteuropäer.

Prompt brach es über die Laubenpieper herein. Türkenverbände, Islam-Gemeinden, Kirchen, Einwanderungslobbyisten schimpften und wedelten mit der Anti-Diskriminierungsgesetzgebung, Landes- und Bundesverband der Gartenfreunde distanzierten sich „erschrocken“, sämtliche Stadtratsfraktionen sangen die Litanei vom „Rassismus“ in der Mitte der Gesellschaft. Zwischen den FDP-Liberalen („spiegelt die latente Ausländerfeindlichkeit unserer Gesellschaft“) und den Kommunisten („immer wieder auf die Gefahren von Rassismus hinweisen“) paßt da kein Blatt Papier.

„Wir waren zu naiv“

Zwecklos zu beteuern, man habe ja nichts gegen Ausländer, nur „wenn es zu viele würden, störten sie das Zusammenleben“ und den Zusammenhalt in der Gemeinschaft. Auch der Hinweis, man wolle sich noch mehr um die Migranten bemühen und eine Boccia-Bahn bauen, hilft nicht weiter. Das Ende vom Lied: Bürgermeister Hans-Joachim Grote, CDU natürlich, setzt dem Verein die Pistole auf die Brust. Der Verein solle den Beschluß umgehend aufheben und Vollzug melden, andernfalls werde die Stadt den Pachtvertrag für die ganze Kleingartenanlage kündigen. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung ist für den 15. Dezember bereits angesetzt.

„Wir waren zu naiv“, seufzt der Vereinsvorsitzende. Jetzt weiß er: Wenn’s mit der Integration nicht klappt, ist das das Problem der Einheimischen, die müssen sich mehr anstrengen, und wer aufbegehrt, der kriegt eins auf die Mütze. Weil Kleingärtner ordentliche Menschen sind, parieren sie auch prompt und drehen nicht durch wie Emma West in der Londoner U-Bahn.

Übrigens: Bürgermeister Grote hat dem Vereinsvorstand in seinem Watschenbrief mitgeteilt, die Migrantenquote stelle einen „groben Verstoß gegen Artikel 3, Absatz 3, Satz 1 des Grundgesetzes dar, wonach niemand wegen seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Heimat und Herkunft wegen benachteiligt oder bevorzugt werden darf“. Aber das gilt natürlich nicht für Maria Böhmer, Sigmar Gabriel und Kenan Kolat und deren Wunsch nach Einwandererquoten in Amtsstuben oder Parteivorständen.

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