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Schwarz-Rot-Gold: Lieber „Party-Patriotismus“ als kein Patriotismus

Schwarz-Rot-Gold: Lieber „Party-Patriotismus“ als kein Patriotismus

Schwarz-Rot-Gold: Lieber „Party-Patriotismus“ als kein Patriotismus

Eine Frau mit der deutschen Trikolore auf der WM-Fanmeile 2018: Für linke ein rotes Tuch. Foto: picture alliance / POP-EYE | POP-EYE / Ben Kriemann
Schwarz-Rot-Gold
 

Lieber „Party-Patriotismus“ als kein Patriotismus

Zur Fußball-WM wehen überall Deutschlandflaggen – und geraten ins Fadenkreuz. Es zeigt, wie schwer sich die Bundesrepublik mit gesundem Patriotismus tut. Ein Kommentar von JF-Chefredakteur Dieter Stein.
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Ich gebe zu, mein eigener WM-Enthusiasmus hält sich in Grenzen. Mein Interesse an Fußball geht gegen Null. Höchstens Länderspiele sehe ich bei großen Turnieren – weil es um die eigene Nation geht. Vor ein paar Tagen kommt mein jüngster Sohn vom Einkaufen zurück und hat das Auto mit Deutschland-Flaggen aufgerüstet. „Jetzt schon? Hat das nicht Zeit?“ – war meine erstaunte Reaktion. Überraschenderweise erfasst die schwarzrotgoldene Begeisterung doch mehr Menschen, als wir denken.

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In keinem Land der Welt ist das Zeigen eigener Nationalfarben, das öffentliche Bekenntnis zur eigenen Nation politisch so umstritten wie in Deutschland. Die Schwierigkeit, sich und die eigene Gemeinschaft öffentlich zu feiern, zeigt sich schon an Nationalfeiertagen, die kaum als solche begangen werden. Landeshauptstädte quälen sich im Wechsel dröge Empfänge ab und haken den Pflichttermin am 3. Oktober mit 08/15-Fressmeilen leidenschaftslos ab.

Die politische Klasse hat Schluckbeschwerden, wenn es um Demonstration eines positiven Nationalbewusstseins geht. Bundeskanzlerin Angela Merkel war Inkarnation dieser verklemmten Psyche: Sie ließ „Vaterland“ und „deutsches Volk“ aus ihrem Sprachschatz gleich ganz verschwinden, für sie gab es nur noch „die Bevölkerung“, keine Deutschen, sondern „länger hier Lebende“, statt Deutschland „unser Land“. Symbolträchtig eine vielfach verbreitete Szene vom Wahlabend 2013, als Merkel die vom CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe jubelnd geschwenkte Deutschlandflagge grimmig einkassierte und verschwinden ließ.

Laut Arte soll Fußball-Patriotismus Pegida verursacht haben

Doch dann kommt alle vier Jahre die Fußball-WM und überschwemmt dank Lidl, Aldi & Co. palettenweise in den Markt gedrücktem Fan-Merchandising das Land mit den Farben Schwarz-Rot-Gold. Eigentlich unterträglich für die linksliberale Haute Volée, die diesen entsetzlichen ethnozentrierten Nationalismus längst kosmopolitisch in Europa überwunden glaubte.

In diesem Sinne thematisierte eine Arte-Doku („Fußballtrikots – Fashion oder Patriotismus?“) soeben präventiv die durch patriotische Mikroaggressionen verursachten Schmerzen: Spätestens 2006, so klagte der Berliner Regisseur Juri Sternburg mit Blick auf das legendäre Sommermärchen, habe man betroffen bemerken müssen, welche Wirkungen „dieser positive Party-Patriotismus“ hatte. Das habe zu Pegida und AfD geführt, damals seien „Fahnen, Flaggen und Nationalismus normalisiert“ worden.

Wohlan: Dann raus mit den Flaggen, und freuen wir uns auf eine ganz normale nationale Begeisterung – die hoffentlich nicht schon mit der Vorrunde endet.

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Aus der JF-Ausgabe 25/26.

Eine Frau mit der deutschen Trikolore auf der WM-Fanmeile 2018: Für linke ein rotes Tuch. Foto: picture alliance / POP-EYE | POP-EYE / Ben Kriemann
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