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Treulich-Manufaktur: Wenn auf dem Parfüm das Eichenlaub prangt

Treulich-Manufaktur: Wenn auf dem Parfüm das Eichenlaub prangt

Treulich-Manufaktur: Wenn auf dem Parfüm das Eichenlaub prangt

Man sieht ein Parfüm der Marke Treulich und Geld
Man sieht ein Parfüm der Marke Treulich und Geld
Das Treulich-Parfüm, Geldbeträge: Lohnt es sich, sie hinzublättern? Foto: Treulich-Websiete / IMAGO / Wolfilser / Montage: JF
Treulich-Manufaktur
 

Wenn auf dem Parfüm das Eichenlaub prangt

Wer sein Geld nicht länger woken Konzernen geben will, findet längst Alternativen im rechten Milieu. Mit Treulich kommt nun sogar eine patriotische Parfümmarke auf den Markt. Doch taugt der Duft auch etwas?
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Bestimmt hat jeder schon einmal von Vorfällen gehört, in denen politisch unliebsame Personen aus ihren Jobs geworfen wurden, nachdem sie gedoxxt worden waren, oder sich mit Meinungsäußerungen zu weit von dem entfernt hatten, was irgendein spitzfindiger Empörungskünstler für „drüber“ empfand. Zusätzlich mag es manchem Konservativen sauer aufstoßen, sein Geld Unternehmen zu geben, die ihm sonst in allen Belangen entgegentreten.

Erleichternd kann es da sein, dort einzukaufen, wo man Verbündete weiß oder vermutet. Es ist dementsprechend kein Wunder, dass sich mittlerweile ein ganzes Geflecht aus kleinen und größeren Unternehmen innerhalb des konservativen bis rechten Spektrums gebildet hat, die von Kleidung, über professionellen Videoschnitt bis hin zu hochwertigen Stiften alles Mögliche anbieten.

Stauffenberg-Schals sind ausverkauft

Das sächsische Unternehmen Hörner hat sich dabei nicht zuletzt über seine fleißig geschaltete Werbung bei Youtubern wie Shlomo oder dem Schattenmacher einen gewissen Bekanntheitsgrad erarbeitet. Spezialisiert hat es sich vor allem auf Schreibwaren, also Füllfederhalter, Kugelschreiber oder gar komplette Sets inklusive ledernem Etui. Vergleichsweise frisch dazugekommen sind nun auch Uhren – bei denen man natürlich noch etwas tiefer in den Geldbeutel greifen muss. Und wer schon immer mal einen Rindslederrucksack erwerben und dabei ein Projekt aus der eigenen Blase unterstützen wollte, wird ebenfalls fündig.

Verschlungen ist die Geschichte der rechten Bekleidungsmarken. Mehrere Projekte entstiegen einst dem Umfeld der Identitären Bewegung, bei den meisten allerdings unklar ist, ob sie derzeit noch aktiv sind. Die Internetseiten der Bekleidungsmarken Phalanx Europa, Peripetie und Deutsches Gewand befinden sich jedenfalls seit langer Zeit im Wartungsmodus oder sind stillgelegt. Noch aktiv ist der Online-Shop von Patria, bei dem es Shirts mit dem Konterfei von Friedrich Nietzsche oder der stilisierten Jahreszahl 1683 – dem Jahr der Abwehr der Zweiten Wiener Türkenbelagerung – zu kaufen gibt. Nur als Archiv zu bewundern gibt es hingegen das Sortiment des alternativen Labels „Lotte in Moskau“. Das bot vor 16 Jahren einmal schmucke Seidenschals mit Stauffenberg- und Käfermotiven (wegen Ernst Jünger) an (JF berichtete).

„Wir fertigen Dinge, auf die man sich verlassen kann“

Frisch und neu am Start ist nun die Parfümmarke Treulich Manufaktur. Geführt vom ehemaligen AfD-Bundestagsabgeordneten Roger Beckamp wird bislang ein Herren- und ein Damenduft angeboten, wenngleich die Netzpräsenz darüber informiert, dass dies lediglich der Anfang sein soll.

Das Parfüm präsentiert sich in schlichter beigefarbener Papierverpackung, darin ein rechteckiger Glasflakon. „Pfft“. Mit einem leisen Sprühstoß dringt daraus ein feiner, feuchter Nebel und entfaltet sich dezent im Raum. Ein fruchtiger Duft steigt der eleganten Dame in die Nase. Zitrisch, belebend und sommerlich. Im nächsten Moment ist die spritzige Note schon wieder verflogen. Nun entwickelt sich etwas völlig anderes. Es ist ein hölzernes Aroma, würzig und bitter, das die olfaktorisch geneigte Nase nach wenigen tiefen Atemzügen klar erschnuppert: Bergamotte. Es handelt sich bei der „Citrus Bergamia“ um eine kleine grüne Frucht, die als Kreuzung von Bitterorange und Limette entstanden ist. Sie ist es auch, die dem Earl-Grey-Tee seine charakteristische Note gibt. Das Parfüm Treulich ist keines, das den natürlichen Geruch einer Frau in einer Zuckerwatte-Wolke verbergen soll, sondern eines, das ihren Duft zu akzentuieren versucht.

„Wir fertigen Dinge, auf die man sich verlassen kann. Ehrlich im Material, sorgfältig in der Verarbeitung, hergestellt in Deutschland“, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.

Nicht so protzig wie bei Trump

Als Logo dient Treulich das Eichenlaub. Das Unternehmen hat das traditionsreiche politische Symbol nicht zufällig gewählt, denn auch die Produkte sollen mehr als beliebiger Drogerieschnickschnack sein. „Es gibt Menschen, die wissen, dass sie Teil von etwas Größerem sind. Einer Herkunft, einer Sprache, einer Art, auf das Leben zu blicken. Sie hängen nicht an Bequemlichkeit, sondern an dem, was über sie hinausreicht: ihre Kinder, ihre Gemeinschaft, die Menschen, in denen sie sich wiedererkennen“, heißt es auf der Internetseite.

Jedes Parfüm wirbt mit einer Verheißung. Feminin, sexy, geheimnisvoll – der richtige Duft soll seinem Träger eine Aura verleihen. Auch Treulich weiß sich selbst und damit seine Zielgruppe genau zu beschreiben: „Diese Menschen provozieren nicht. Sie bedrängen niemanden. Aber sie weichen nicht zurück, wenn Grenzen überschritten werden. Nicht nett um jeden Preis. Nicht aggressiv. Standhaft.“ Weiter heißt es: „Standhaftigkeit braucht Maß. Wer alles gelten lässt, hat am Ende keinen eigenen Standpunkt mehr. Deshalb haben wir Maßstäbe. Und wir finden, dass ein solcher Anspruch keine Anmaßung ist, sondern Ausdruck von Selbstachtung. (…) Treulich ist Teil von etwas Größerem. Du bist es auch.“ Ein Drittel der Einnahmen soll an (wechselnde) Projekte gehen, die das Unternehmen in festen Abständen transparent offenlegen will.

Es ist vermutlich der erste Duft in Deutschland, der durch seine Aufmachung gezielt und doch wohldosiert ein patriotisches Publikum anspricht. Deutlich plumper hielt es US-Präsident Donald Trump im Sommer vergangenen Jahres. Seine Düfte heißen „Victory“ (Sieg) und „Fight“ (Kampf). Einer der prolligen Flakons sieht etwa aus wie der Filmpreis „Oscar“ und trägt seine Unterschrift. „Für Patrioten, die niemals aufgeben, wie Präsident Trump. Dieser Duft ist Ihr Schlachtruf in einer Flasche“, hieß es dazu.

Herber als der übliche Damenduft

Die dezente Aufmachung des Treulich-Parfüms wirkt da geschmackvoller. Auch der Inhalt verspricht Wertigkeit. Es handelt sich um ein „Extrait de Parfum“, also um die höchste Parfümstufe mit einem sehr hohen Duftölanteil von etwa 20 bis 40 Prozent. So soll es möglichst lang auf der Haut halten. Zum Vergleich: Ein „Eau de Parfum“ enthält etwa zehn bis 20 Prozent Duftölanteil, ein „Eau de Toilette“ sogar nur fünf bis zehn Prozent.

Bei Parfüms wird zwischen Kopf- Herz und Basisnote unterschieden. Das ist die sogenannte Duftpyramide. Die Kopfnote steht für den ersten Eindruck, die Herznote gilt, wie der Name es schon besagt, als Herz des Parfüms und spiegelt seinen Charakter wider. Die Basisnote stabilisiert die Gesamtkomposition und verbindet sich mit dem Eigengeruch des Trägers.

Für den Damenduft hat Treulich eine Herznote aus Bergamotte, Orange und Zitrus gewählt. Die Herznote vereint Schwarzen Tee, Ingwer, Zimt und Neroli, während in der Basis Amber, Weihrauch und Hölzer aufeinandertreffen. Insgesamt riecht das Parfüm herber als der gewöhnliche Damenduft und könnte auch ein Unisex-Duft für beide Geschlechter sein. Er ist alles andere als ein zuckersüßer Kaugummi-Duft wie man ihn von zahlreichen Promi-Parfüms in quietschbunten Flakons kennt. Es ist aber auch kein pudrig-blumiger Duft wie „Chloé“ oder „Libre“ von Yves Saint Laurent und ebenso wenig aquatisch wie „Acqua di Gioia“ von Armani oder „Aqua Allegoria“ von Guerlain. Am ehesten vergleichbar ist es mit „Imagination“ von Louis Vuitton.

Es riecht sauber, aber nicht seifig

Treulich für Damen ist im ersten Moment fruchtig, doch eigentlich hölzern, würzig, kräuterig. Besonders Bergamotte und Zimt sind deutlich erkennbar. Es ist nicht störend, aber doch ein wenig ironisch, dass das mit Heimatliebe aufgemachte Parfüm durch seine aromatischen Gewürze einen leicht orientalischen Einschlag hat.

Auf ganzer Linie überzeugt derweil der Herrenduft, ebenfalls ein „Extrait de Parfum“. So riecht der gepflegte Mann von Welt. Der Flakon gleicht dem des Damendufts, jedoch kommt er mit einem dunklen, statt einem hellen Holzdeckel daher und der Inhalt ist warm-orange, während die weibliche Variante zartrosa ist.


Bei der Kopfnote hat sich Treulich für Neroli, Koriander und Minze entschieden. Ein belebender Dreiklang, der beim ersten Eindruck das „frisch aus der Dusche“-Gefühl vermittelt. Brillant gewählt ist die Herznote aus Lavendel, Maiglöckchen, Salbei. Gemeinsam verleihen sie dem Duft eine Herbe und Maskulinität, gleichzeitig aber auch das Gefühl von Gepflegtheit. Es riecht sauber, aber nicht seifig.

Eine solide Wahl für den Alltag

Bei der Basisnote wird es mit Sandelholz, Zedernholz und weißem Moschus noch einmal holzig. Mit den anderen Komponenten wirkt es beim Herrenduft aber durch und durch stimmig und anregend. Es ist kein aufdringlicher, schwerer Duft für den Abend. Es ist eine solide Wahl für den Alltag, der mit „Cool Water“ von Davidoff vergleichbar ist.

Der Duft fügt sich wunderbar in die Treulich-Philosophie ein, die auf ihrer Internetseite ihren Anspruch an das Schöne in der Welt unterstreicht. „Schönheit gehört niemandem allein. Jede Zeit hat ihre Bilder, jedes Volk seinen Blick“, heißt es dort. „Wir spüren, ob die Dinge zueinander passen. Ein Gesicht, ein Haus, ein Kleid, ein Garten oder ein Duft wirken schön, wenn Maß, Spannung und Ruhe zusammenfinden. Schönheit entsteht nicht durch Schmuck. Sie entsteht, wenn die Verhältnisse stimmen.“ Treulich richte seinen Blick auf Dinge und Gewohnheiten, in denen man sich wiedererkenne.  „Schönheit ist mehr als Glätte. Sie hat mit Leben zu tun, mit Maß, mit Ausdruck und mit einem Blick, der haften bleibt.“

Das Treulich-Parfüm, Geldbeträge: Lohnt es sich, sie hinzublättern? Foto: Treulich-Websiete / IMAGO / Wolfilser / Montage: JF
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