Ende März sorgte der Fall der finnischen Politikerin Päivi Räsänen für internationales Aufsehen. Der Oberste Gerichtshof des Landes verurteilte die überzeugte Christin wegen „Hassrede“ zu einer Geldstrafe. Räsänen hatte sich in einem Aufsatz aus christlicher Sicht kritisch zu Homosexualität geäußert und diese als Störung der psychosexuellen Entwicklung eingeordnet.
Das Gericht befand, dass Räsänen Homosexuelle nicht als gleichwertig mit Heterosexuellen betrachte, weil sie Homosexualität nicht als natürliche Variante der Sexualität anerkennt. Dabei hatte Räsänen in dem Dokument ausdrücklich betont, dass alle Menschen denselben Wert haben, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, dass es aber zugleich Unterschiede in der moralischen Beurteilung verschiedener Sexualitäten gebe.
Indem das Urteil diese Unterscheidung als „Hassrede“ einstuft, greift es tief in einen zentralen Punkt des biblisch-christlichen Menschenbildes ein und verbietet faktisch dessen Verbreitung. Paul Coleman, Geschäftsführer der Organisation „ADF International“, sprach von einer Entscheidung, die einen „gefährlichen Präzedenzfall im Bereich der freien Meinungsäußerung“ schaffe.
Finnland ist weit weg?
Finnland ist weit weg, könnte man meinen. Doch in Deutschland ist die Lage nicht besser – was uns gerade jetzt ein aktueller Vorgang in Erinnerung ruft. Denn in der vergangenen Woche wurde durch einen Bericht der evangelischen Nachrichtenagentur Idea bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg ein Ermittlungsverfahren gegen zwei christliche YouTuber führt (JF berichtete).
Es geht um „Niko“ und „Tino“ vom YouTube-Kanal „Eternal Life“, mit dem die beiden Christen seit 2024 missionarische Arbeit betreiben – und um kritische Äußerungen, die sie aus christlicher Perspektive über den Islam getätigt hatten. Das bestätigte „Tino“ gegenüber der JUNGEN FREIHEIT: Ihnen würden „Hassrede und Hetze gegen den Islam“ vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft wollte sich auf JF-Nachfrage nicht dazu erklären, welche Aussagen genau sie prüft.
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„Der Islam bringt nur Hass, Macht und Mord“
Offenbar steht ein Video aus dem Jahr 2024 im Fokus. Darin hatte „Niko“ eine islamistische und israelfeindliche Demo mit den Worten kommentiert: „Diese Demo und Religion zeigt uns etwas Tiefes. Sie ist ein Spiegel von uns Menschen. Weil jeder Mensch Hass in sich trägt und begierig ist. Jeder Mensch will Macht und Reichtum, deswegen ist Jesus Christus gekommen, um zu sterben und aufzuerstehen, wodurch er uns seinen Geist gibt. […] Durch diesen Geist können wir erst wahre Liebe, wahren Frieden, Freundlichkeit und wahre Güte an unserem Nächsten ausüben.“
„Tino“ wiederum sagte in demselben Video: „Der Islam und die Botschaft dahinter bringt nur Hass, Macht und Mord. Diese Religion ist kein Frieden, keine Freude und kein Leben. Sie kämpfen für eine tote Botschaft und für einen toten Gott. Sie wollen ein irdisches Reich in dieser Welt aufrichten.“
Den Absolutheitsanspruch vertreten
„Tino“ und „Niko“ haben damit nichts anderes getan, als die biblische Botschaft zu verbreiten. Nach der sind die Menschen ohne eine persönliche Beziehung zu Jesus tot in ihren Sünden und hingegeben unter anderem in Neid, Streit und Ungerechtigkeit. Christus erhebt den Absolutheitsanspruch, der einzige zu sein, durch den der Mensch trotzdem zu Gott kommen kann.
Dieser Anspruch gilt nicht nur gegenüber dem Islam, sondern gegenüber allen Weltanschauungen und Religionen. Wenn man diese Wahrheit in Deutschland nicht mehr äußern darf, kann man hier schlicht nicht mehr als Christ leben. Dann müsste konsequenterweise jegliche Missionsarbeit verboten und die Bibel auf den Index gesetzt werden.
Das liberale Missverständnis
Sowohl hinter dem Fall Räsänen als auch hinter dem Fall der YouTuber verbirgt sich ein tieferliegendes Problem, an dem unsere durchliberalisierte Gesellschaft leidet: dass sie Toleranz und Nächstenliebe – christliche Prinzipien! – verwechselt mit einem totalen Werterelativismus. Da bedeutet Nächstenliebe nicht mehr, den anderen als Menschen anzunehmen, sondern meint zugleich die Pflicht, ihn bedingungslos auch in allen seinen Taten zu unterstützen, mögen sie dem christlichen Maßstab auch noch so fundamental zuwiderlaufen.
Im Fall der YouTuber wirkte dieses „liberale“ Missverständnis zudem auf ungute Weise mit einer anderen Entwicklung zusammen: der zunehmenden Islamisierung. Denn nach JF-Informationen wurden „Tino“ und „Niko“ von einem muslimischen Arbeitskollegen angezeigt. Was die YouTuber zu spüren bekommen, ist also ein ziemlich paradoxes Zusammenwirken zwischen dem falschen Toleranzverständnis der Linken auf der einen und der radikalen Intoleranz des Islam auf der anderen Seite.
Der Abschreckungseffekt wirkt bereits
Sind das womöglich übertriebene Warnrufe? Könnte man nicht einwenden, dass es doch zumindest im Fall der YouTuber gar nicht zu einer Anklage gekommen ist und eine Verurteilung noch weiter entfernt liege? Nein: Gegen „Niko“ ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit einem Jahr. Allein dadurch entsteht eine erhebliche Abschreckungswirkung: Die YouTuber haben das Video gelöscht, sich einen Anwalt nehmen müssen.
Und vor allem sind „Tino“ und „Niko“ in Deutschland und Päivi Räsänen in Finnland nicht die ersten Opfer. In Bremen prozessierte die Staatsanwaltschaft jahrelang gegen den Pastor Olaf Latzel, weil der in einem öffentlichen Eheseminar klare Worte unter anderem zum „Genderdreck“ und zur „Homo-Lobby“ gefunden hatte. Je mehr sich solche Fälle häufen, desto mehr werden sich Gläubige die Frage stellen, was sie denn eigentlich von ihrem Glauben noch bekennen dürfen. Die Luft für Christen wird dünner.






