Nervosität löste ein Podcast von Ben „ungeskriptet“ Berndt bei etablierten Medien aus. Riesenaufreger ist sein Gespräch mit Björn Höcke, AfD-Chef von Thüringen. Am vergangenen Donnerstag veröffentlicht, wurde das Video binnen fünf Tagen auf Youtube 3,5 Millionen Mal aufgerufen. „Stundenlang darf“, klagt der Spiegel, „der Rechtsextremist Höcke“ seine „radikalen Ansichten vortragen“. „Ganz normal“, so die Frankfurter Rundschau, habe sich Höcke in dem Viereinhalbstundengespräch präsentieren „dürfen“. Mit „freundlichem Lächeln“, „locker ohne Krawatte, der oberste Hemdknopf offen“, habe er dort „plaudern“ dürfen, „teils minutenlang“.
Ungeheuerlich. Ben Berndt erklärt das Geheimnis seines Gesprächsprinzips gegenüber der JUNGEN FREIHEIT schlicht so: Mit Menschen zu reden, als würde er „mit ihnen am Mittagstisch sitzen“. Ein Stil, wie ihn berühmte Podcaster wie Joe Rogan in den USA sehr erfolgreich praktizieren.
Offensichtlich haben immer mehr Bürger eine Debatten-Unkultur satt, wie sie etablierte Medien, vor allem öffentlich-rechtliche zelebrieren: In Zeitungen lesen sie von Pressereferenten zu Tode autorisierte Interviews, im Fernsehen sehen sie linkslastig, regierungsfromm besetzte Talkshows, in denen echte Kontrahenten fehlen. Als besonders abstoßend wird jedoch der Umgang mit der AfD wahrgenommen.
Mit Abstand am seltensten werden nämlich die Oppositionsführer, Politiker der laut Umfragen stärksten deutschen Partei zu Gesprächsrunden eingeladen. Wenn, dann meist nur, um sie in tribunalartigen Verhören vorzuführen, zu „stellen“, was bei Interviews mit Politikern insbesondere von Grünen, SPD und Union fast nie vorkommt.
Es braucht besseren Journalismus statt Debattenverteufelung
Die Spitze des Eisbergs beim Umgang mit rechten Politikern im öffentlichen Raum bildet die Dämonisierung von Björn Höcke als Gottseibeiuns der AfD. ZDF-Chefredakteur Peter Frey verkündete 2019 stolz, Höcke werde künftig „kein Gast mehr sein“, denn: „Wir müssen zeigen, wo die Grenzen demokratischer Gesinnung verlaufen.“
Weil Höcke bei Berndt ausreden kann, kommen bemerkenswerte Punkte zur Sprache. Der Psychoterror, den das linksextreme „Zentrum für Politische Schönheit“ ausübte, indem es eine Kopie des Holocaust-Mahnmals neben seinem Privathaus installierte, und seine Klarstellung, die Migrationspolitik der letzten Jahrzehnte nicht komplett zurückdrehen zu können: „Wer die Staatsbürgerschaft hat und solange dieser Staat existiert, ist staatsrechtlich gesehen Deutscher. Da beißt die Maus keinen Faden ab.“
Die Wut journalistischer Platzhirsche über alternative Podcaster und Medien ist so groß, weil sie ihre Rolle als Torwächter der öffentlichen Meinung verlieren. Vielleicht besinnen sie sich einfach darauf, wieder besseren Journalismus zu machen.






