WASHINGTON/KINSHASA/BERLIN. Ein US-Amerikaner, der mit dem Ebolavirus infiziert ist, soll nach US-Angaben in Deutschland behandelt werden. Der Betroffene habe im Kongo gearbeitet und sei am vergangenen Wochenende positiv auf das Virus getestet worden, teilte die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC mit. Auch sechs Kontaktpersonen des Infizierten, die als gefährdet für eine Ansteckung gelten, sollen in der Bundesrepublik behandelt werden. Sowohl zu ihren Nationalitäten als auch zum Behandlungsort in Deutschland machte die CDC bisher keine Angaben.
Die CDC begründet das mit der kürzeren Flugstrecke zwischen dem Kongo und Deutschland sowie mit der medizinischen Erfahrung Deutschlands im Umgang mit der Infektionskrankheit.
Laut US-Medienberichten soll es sich bei dem infizierten US-Bürger um einen Arzt handeln. Eine christliche Missionarorganisation teilte dazu mit, der Mann habe sich bei der Behandlung von Infizierten in einem kongolesischen Krankenhaus angesteckt.
Mehr als 100 Tote registriert
Sowohl im Kongo als auch im Nachbarland Uganda war es unlängst zu Ausbrüchen der Krankheit gekommen, die örtliche Gesundheitsbehörde im Kongo spricht von 118 Toten und mehr als 300 Infizierten. In Uganda wurden bisher zwei Todesfälle registriert.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO rief am Sonntag den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Sie begründet das damit, dass es für die aktuelle Virusvariante bisher keinen Impfstoff gebe und bewertet das Ausbreitungsrisiko in der afrikanischen Region als hoch. Der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC zufolge, passierten die ersten Ausbrüche vermutlich in der dritten Aprilwoche, wurden jedoch erst Anfang Mai gemeldet.
Gefahr für Deutschland ist äußerst gering
Das Ebola-Fieber wird durch das Ebola-Virus ausgelöst, das von Tieren auf den Menschen überspringt. Als natürliches Reservoir des Virus gelten Fledermausarten wie Flughunde in tropischen Regionen Afrikas. Die Ansteckung erfolgt meist durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Fleisch. Unter Menschen verbreitet sich das Virus ausschließlich durch den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten Erkrankter oder Verstorbener; eine Übertragung durch die Luft findet nach bisherigen Beobachtungen nicht statt.
Für Deutschland wird das Risiko einer Ausbreitung von Experten als äußerst gering eingestuft. Da die Tierarten, die das Virus in sich tragen, hierzulande nicht heimisch sind, ist eine dauerhafte Etablierung des Erregers faktisch ausgeschlossen. Eine Einschleppung durch infizierte Menschen ist theoretisch möglich, führt jedoch aufgrund der schweren, akut auftretenden Symptome in der Regel zu einer schnellen Identifikation und Isolation der Erkrankten. (st)







