Anzeige
Anzeige

Neue Untersuchung: „Deutliches Warnsignal“: Wirtschaftsinstitut warnt vor Abwanderung Deutscher

Neue Untersuchung: „Deutliches Warnsignal“: Wirtschaftsinstitut warnt vor Abwanderung Deutscher

Neue Untersuchung: „Deutliches Warnsignal“: Wirtschaftsinstitut warnt vor Abwanderung Deutscher

Ein Notausgangsschild auf einer Deutschlandflagge im Wasser symbolisiert den Wunsch nach einem Ausweg aus den aktuellen Herausforderungen. Das Bild steht für Wirtschaftskrise, Unternehmensabwanderung, Reformbedarf, politische Unzufriedenheit und die Suche nach neuen Perspektiven für Deutschland.
Ein Notausgangsschild auf einer Deutschlandflagge im Wasser symbolisiert den Wunsch nach einem Ausweg aus den aktuellen Herausforderungen. Das Bild steht für Wirtschaftskrise, Unternehmensabwanderung, Reformbedarf, politische Unzufriedenheit und die Suche nach neuen Perspektiven für Deutschland.
Exit Deutschland (Symbolbild): Deutsche gehen, der Rest der welt kommt. Foto: picture alliance / CHROMORANGE | MICHAEL BIHLMAYER
Neue Untersuchung
 

„Deutliches Warnsignal“: Wirtschaftsinstitut warnt vor Abwanderung Deutscher

Dass immer mehr Deutsche der Bundesrepublik den Rücken kehren, besorgt nun auch die Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft. Im Gegenzug brauche es nun mehr Zugangswege „für Arbeitskräfte mit niedrigerem formalen Qualifikationsniveau“.
Anzeige

KÖLN. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat vor einer zunehmenden Abwanderung von Deutschen gewarnt. Allein im vergangenen Jahr sind laut Berechnungen des Instituts fast 100.000 Deutsche mehr ausgewandert als wieder zurückgekehrt seien. „Damit ist zwar noch kein kritisches Niveau erreicht. Jedoch ist der Anstieg um etwa 30 Prozent seit 2023 ein deutliches Warnsignal“, sagte der für Migrations- und Familienfragen bei IW zuständige Forscher Wido Geis-Thöne.

Deutschland könne sich das angesichts des demografischen Wandels kaum leisten, durch Abwanderung hochqualifizierte Fachkräfte zu verlieren. „Damit das nicht passiert, muss Deutschland seine Attraktivität für diese Personen als Wohn- und Arbeitsort steigern”, forderte Geis-Thöne.

Abwanderung gefährdet Innovationskraft der Wirtschaft

In dem Bericht heißt es weiter dazu: „Sollte es zu einer stärkeren Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte kommen, könnte dies nicht nur unmittelbar die bestehenden Engpässe am Arbeitsmarkt verstärken, sondern auch die Innovationskraft der Wirtschaft und ihre längerfristigen Entwicklungspotenziale einschränken.“

Zuletzt hatten Äußerungen des ehemaligen Gesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) zu dem Thema für Aufsehen gesorgt. Der SPD-Bundestagsabgeordnete hatte auf X zu einem Bericht über deutsche Familien, die ans Auswandern denken, geschrieben, dass Deutschland auf diese Leute „verzichten“ könne (JF berichtete). Zudem machte sich der Politiker, der selbst keine Rentenbeiträge zahlen muss, über Beschwerden über zu hohe Rentenabgaben lustig. Nach öffentlicher Empörung behauptete Lauterbach dann, er sei „missverstanden“ worden.

EU-Bürger aus den neuen Mitgliedstaaten verlassen Deutschland

Neben der Abwanderung Deutscher macht das IW zwei weitere „Migrationswenden“ aus. So würden immer mehr Bürger aus den neuen EU-Ländern (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Kroatien) der Bundesrepublik den Rücken kehren. „Im Jahr 2025 haben 45.000 mehr Staatsangehörige der neuen EU-Mitgliedsländer das Land verlassen als zugezogen sind. Im Vorjahr waren es bereits 35.000, wohingegen im Jahr 2023 noch eine Nettozuwanderung von rund 42.000 Personen zu verzeichnen war“, heißt es in der Erhebung.

Ab- und Einwanderung nach Deutschland. Grafik: JF

Insgesamt stellten Menschen aus diesen Ländern laut dem Institut 2023 rund fünf Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. „Gleichzeitig leisteten sie auch einen wesentlichen Beitrag zur saisonalen Beschäftigung, etwa in der Landwirtschaft, für die sich im Inland nur schwer Arbeitskräfte finden lassen“, heißt es vom IW. Auch aus den Westbalkanländern ging die Nettozuwanderung seit 2022 zurück und lag 2025 noch bei etwa 40.000 Personen. „Eine Umkehr ist unwahrscheinlich: Der demografische Wandel lässt in den Herkunftsländern kaum noch Migrationspotenziale“, bilanzieren die Forscher.

Mehr Einwanderung von schlecht Qualifizierten soll helfen

Zugleich konstatiert das Institut einen Rückgang der Asylbewerberzahlen: „Stellten 2023 noch 329.000 Menschen einen Asylerstantrag in Deutschland, waren es 2025 nur noch 113.000. Maßgeblich ist vor allem der Einbruch bei syrischen Asylerstanträgen von knapp 100.000 auf 23.000.“ Dies liege nicht allein an der „verschärften Migrationspolitik“, sondern vor allem „am Ende des Assad-Regimes“.

Auch die Anträge von Afghanen und türkischen Staatsangehörigen seien deutlich zurückgegangen: „von 51.000 auf 24.000 beziehungsweise von 61.000 auf 12.000“. Eine Sonderstellung nähmen dabei Ukrainer ein. „2025 lag ihre Nettozuwanderung bei 89.000 Personen – mit Abstand die größte Gruppe aus einem einzelnen Land, aber deutlich weniger als 2024 mit 116.000.“

Insgesamt habe die Nettoeinwanderung 2025 bei 235.000 Personen gelegen. Um dem entgegenzusteuern, fordern die Wirtschaftswissenschaftler die „Zuwanderung von Personen aus Drittstaaten insbesondere durch schnellere Visaverfahren“ zu erleichtern sowie mehr Zugangswege „für Arbeitskräfte mit niedrigerem formalen Qualifikationsniveau“ zu schaffen. (ho)

Exit Deutschland (Symbolbild): Deutsche gehen, der Rest der welt kommt. Foto: picture alliance / CHROMORANGE | MICHAEL BIHLMAYER
Anzeige
Anzeige

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles