CEUTA. Spanien und Marokko haben am Samstag die Grenze zur nordafrikanischen Exklave Ceuta mit einem Großaufgebot von Polizisten und Soldaten abgeriegelt. In sozialen Netzwerken war unter dem Kürzel „15/08“ und dem arabischen Begriff „al-hajma“, zu deutsch „der Ansturm“, zur erneuten Überwindung der Grenze aufgerufen worden. In manchen Beiträgen war von der „letzten Chance“ die Rede.
Am frühen Samstagmorgen blieb es an der Grenze zunächst ruhig. Auf beiden Seiten stehen die Sicherheitskräfte jedoch bereit.
Spanische Soldaten in Kampfuniform bewachten am Freitagabend Supermärkte und öffentliche Gebäude. Polizeifahrzeuge patrouillierten verstärkt durch die Hauptstraßen. Madrid hat mehr als 500 zusätzliche Polizisten vom Festland nach Ceuta verlegt. Urlaube von Soldaten wurden gestrichen, die Einheiten in der Exklave vollständig in Bereitschaft versetzt. An der Grenze stehen neben regulären Beamten der Guardia Civil auch Bereitschaftspolizisten und eine taktische Spezialeinheit.
Afrikaner am Weg nach Ceuta festgenommen
Eine rund 500 Meter lange Seebarriere soll Migranten daran hindern, den Grenzzaun zu umschwimmen. Auch vor Melilla, der zweiten spanischen Exklave in Nordafrika, haben die Sicherheitskräfte eine solche Sperre angebracht.
Marokko hat nach Angaben der örtlichen Zeitung El Faro de Ceuta mehr als 3.000 Sicherheitskräfte rund um Ceuta zusammengezogen. Neue Zäune und Stacheldrahtrollen versperren den Zugang zum Grenzübergang Tarajal. Auf den Straßen in Richtung Norden werden Busse und Taxis kontrolliert. Schulen in der marokkanischen Grenzstadt Fnideq dienen laut Augenzeugen als Unterkünfte für die Einsatzkräfte.
Die Behörden in Rabat haben zudem mehrere mutmaßliche Organisatoren der Internetaufrufe festgenommen. Dennoch sollen Gruppen von Schwarzafrikanern versucht haben, die Kontrollen zu umgehen und über Bergwege in Richtung Grenze zu gelangen.
Mehr aktuelle Bilder aus Ceuta! Unfassbarer Zustand. Massen an Migranten sammeln den Müll zusammen, um sich Notunterkünfte am Strand zu basteln. pic.twitter.com/vNmjEvyg2b
— JUNGE FREIHEIT (@jungefreiheit) August 14, 2026
Migranten bauen Hütten aus Abfall
Während die Grenze bewacht wird, richten sich bereits in Ceuta befindliche Migranten zunehmend auf einen längeren Aufenthalt ein. Aktuelle Aufnahmen zeigen zahlreiche Männer, die am Strand Müll und angeschwemmtes Material sammeln und daraus provisorische Unterkünfte errichten.
Allein am Trampolín-Strand stehen nach Angaben örtlicher Medien inzwischen mehr als 80 selbstgebaute Hütten. Weitere Gruppen leben auf Felsen, unter Brücken und an den Hängen außerhalb der Innenstadt. Noch am Samstagmorgen berichtete El Faro de Ceuta von neuen Lagern.
Warum #Ceuta eine spanische Exklave wurde👀 pic.twitter.com/bUPQ7LX0GI
— Geschichte mit Denise (@jfGeschichte) August 4, 2026
Wie viele Migranten sich noch in der Exklave aufhalten, ist umstritten. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska spricht von rund 5.000. Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas geht von mindestens 9.000 aus. Unter ihnen sollen sich etwa 1.900 unbegleitete Minderjährige befinden. (rr)






