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Großbritannien: Prof. Dr. Hochstapler – Der tiefe Fall des Jason Arday

Großbritannien: Prof. Dr. Hochstapler – Der tiefe Fall des Jason Arday

Großbritannien: Prof. Dr. Hochstapler – Der tiefe Fall des Jason Arday

Das Bild zeigt Jason Arday.
Das Bild zeigt Jason Arday.
Der Cambridge-Professor Jason Arday: Lebenslauf entpuppt sich als groteskes Lügenkonstrukt. Bild: X/Andy Ngo Screenshot: JF
Großbritannien
 

Prof. Dr. Hochstapler – Der tiefe Fall des Jason Arday

Der schwarze „Superstar“ der Universität Cambridge, Jason Arday, entpuppt sich als Betrüger. Es geht um Plagiate, sportliche Höchstleistungen und die Sache mit dem Schweinekopf.
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Jason Arday hat eine wundersame, eigentlich unglaubliche Karriere gemacht. Als Kind wurde bei ihm Autismus diagnostiziert. Bis zum Alter von elf Jahren konnte der Sohn ghanaischer Einwanderer nicht sprechen. Erst mit 18 lernte er Lesen und Schreiben und begann kurz darauf zu studieren. Mit 30 vollendete er eine Doktorarbeit, während ihm ein Gehirntumor entfernt wurde. Daraufhin startete seine Turbokarriere, schon nach drei Jahren wurde er Professor an einer kleineren Uni. Mit nur 37 Jahren berief ihn die Eliteuniversität Cambridge zum jüngsten schwarzen Professor ihrer Geschichte.

Damals, vor vier Jahren, feierte ihn das linksliberale Britannien als akademisches Wunderkind und „Diversitäts-Posterboy“ (Daily Telegraph). Was er mache, sei „einfach das Beste auf der Welt“, flötete eine Dekanin der Universität in einer BBC-Sendung, als sie ihm an der Fakultät für Erziehungswissenschaft eine Soziologie-Professur verlieh. Es war kurz nach den „Black Lives Matter“-Protesten. Cambridge wünschte dringend mehr „Diversität“ im Lehrkörper. Arday, dessen Rastazöpfe bis zum Po hängen, hat die Regierung in Fragen von Rassismus, Gesundheit und Schulen beraten. Sein Gebiet ist die „Intersektionalität“ zwischen Bildung, Diskriminierung und Minderheitenförderung. Ende August soll im Verlag Simon & Schuster seine Autobiografie „Great and Unfortunate Things“ („Großartige und unglückliche Dinge“) herauskommen.

Ausnahmesportler, Philanthrop, Zeitreisender

Doch nun scheint aufgrund einer Plagiatsaffäre das ganze Konstrukt des schwarzen akademischen Wunderkindes zusammenzubrechen. Mehr als hundert Stellen der Doktorarbeit hat er offenbar aus der Arbeit einer anderen Studentin wortgleich kopiert. (Er rechtfertigte sich mit seinem Autismus und dass seine Art des Lernens viel auf „Mimikry“ („täuschend echte Nachahmung“, Anm. d. Red.) beruhe.) Zwei ältere Papiere musste er zurückziehen und korrigieren, nachdem Fehler entdeckt wurden. Seine Arbeiten zur Lehrerausbildung, die von akademischem Jargon nur so triefen, werden inzwischen als qualitativ schwach und banal angesehen.

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Aber nicht nur das. In der Biografie des schwarzen „akademischen Superstars“, wie ihn einige britische Zeitungen nannten, tun sich immer mehr Ungereimtheiten, Übertreibungen und Lügen auf. Der frühere Sportlehrer brüstete sich, er habe innerhalb von 35 Tagen 30 Marathonläufe absolviert – trotz eines Knochenrisses – und sei zusätzlich 600 Meilen (965 Kilometer) in sechs Tagen gelaufen. Dabei habe er fünf Millionen Pfund an Spenden gesammelt (wofür er einen Ehrendoktor verliehen bekam). Doch für die Spenden gibt es keinerlei Belege.

Inzwischen sagt Arday, er sei nur Teil eines „Kollektivs“ gewesen, das so viel Geld für Wohltätigkeitsorganisationen gesammelt habe – die Namen der anderen dürfe er aber nicht nennen. Offenbar kann Arday auch Zeitreisen machen, denn er erzählte, im TV-Programm „Seven Up“ aufgetreten zu sein, das allerdings schon zwei Jahrzehnte vor seiner Geburt produziert wurde.

Arday zog früh die Rassismus-Karte

Als die Plagiatsvorwürfe aufkamen, sprang ihm eine Phalanx von schwarzen und linken Akademikern und Aktivisten bei. Das linke „Good Law Project“ („Gutes Gesetz Projekt“, Anm. d. Red.) startete eine Unterstützungspetition, die in kurzer Zeit Zehntausende unterschrieben, etwa der Vorsitzende der britischen Grünen, Zack Polanski. Auch drei Leiter von Cambridge-Colleges solidarisierten sich mit ihm. Die Vorwürfe seien rassistisch motiviert, hieß es. Die John-Moore-Universität Liverpool teilte mit, er könne den Doktortitel – trotz Plagiaten – behalten. Doch immer mehr Wissenschaftler rufen nach einer unabhängigen Prüfung der Plagiate.

In einer Festrede zum 75. Jahrestag des britischen Soziologenverbands hatte Arday schon im Frühjahr gesagt, vielleicht präventiv, dass rechte, rassistische Aktivisten prominente schwarze Akademiker ins Visier nähmen und „hyper-genau“ nach Fehlern und Plagiaten suchten. Er verwies auf den Fall von Claudine Gay, die schwarze Harvard-Präsidentin, die wegen einer Plagiatsaffäre 2024 zurücktreten musste.

„Ich bin kein Lügner oder Fantast“

Aber der Rassismus-Joker sticht nun offenbar nicht mehr. Selbst die linksliberale Zeitung The Guardian hat eine ellenlange Recherche veröffentlicht, die Erzählungen von Arday als Lügen entlarvt. So behauptete er, ein mit einem Messer bewaffneter maskierter Mann sei in Cambridge in sein Büro eingedrungen und habe ihn bedroht. Seltsamerweise informierte er weder die Polizei noch seine Kollegen darüber, dass ein Messermann durch die Universitätsgebäude laufe. Ebenso wenig informierte er andere über die Bananen und die Patronenhülsen, die er angeblich per Post zugeschickt bekam.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Schweinekopf. Arday hat behauptet, seiner Familie sei ein abgetrennter blutiger Schweinekopf zugeschickt worden. Die Londoner Polizei habe eine Metzgerei ausfindig gemacht, die den Kadaver verkauft habe, sagte Arday. Doch die Polizei versicherte auf Nachfrage „kategorisch“, ihr sei kein solcher Fall bekannt.

„Ich bin kein Lügner oder Fantast“, hat Arday der Times gesagt. Die Fragezeichen werden indes immer größer. Er selbst verglich sich einmal mit Ikarus: Er sei immer höher und höher geflogen, immer näher an die Sonne. Das Ende der Geschichte ist bekannt.

Der Cambridge-Professor Jason Arday: Lebenslauf entpuppt sich als groteskes Lügenkonstrukt. Bild: X/Andy Ngo Screenshot: JF
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