POTSDAM. Ein früheres Mitglied der linksterroristischen Revolutionären Zellen bewirbt sich für den Bundesparteitag der Linken um ein Amt im erweiterten Parteivorstand. Der 82 Jahre alte Gerd Schnepel wirbt in seiner offiziellen Bewerbung offen mit seiner Vergangenheit. Dort nennt er „4 J. Revol. Zellen, inkl. PFLP-Mitarbeit“.
Die palästinensische PFLP wird in der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft. Schnepel ist nach eigenen Angaben erst seit 2025 Mitglied der Linken.
Als Landesverband gibt er Hamburg an. Am Wochenende entscheidet der Bundesparteitag in Potsdam über die Besetzung der Parteispitze. Dort wollen sich auch die amtierende Parteichefin Ines Schwerdtner und weitere Kandidaten zur Wahl stellen. Die Revolutionären Zellen waren ein linksterroristisches Netzwerk in der Bundesrepublik. Bekannt wurden sie unter anderem durch Verbindungen zur Entführung einer Air-France-Maschine nach Entebbe im Jahr 1976.
Schnepel und die Entebbe-Terroristin
Damals trennten deutsche und palästinensische Terroristen israelische von nicht-israelischen Geiseln. Ziel war die Freipressung inhaftierter Terroristen, darunter Mitglieder der RAF. Israelische Spezialkräfte befreiten die Verschleppten später in Uganda.
Schnepel war zum Zeitpunkt der Entführung nach eigenen Angaben Mitglied der Revolutionären Zellen. Mit der Entebbe-Terroristin Brigitte Kuhlmann, Kampfname Halima, die bei der Operation getötet wurde, war er liiert. Laut eines Berichts in der Welt sagte er im Jahr 2000 vor Gericht aus, er sei kurz vor dem Anschlag noch mit ihr in einem Hotel gewesen, habe von der geplanten Entführung aber nichts gewusst.
Seine Vergangenheit hat Schnepel später nicht grundsätzlich verworfen. In einem Interview mit dem linken Autor Wolf Wetzel verteidigte er 2001 die Unterstützung des palästinensischen Kampfes. Mit Antisemitismus habe die Entführung aus seiner Sicht nichts zu tun gehabt.

Linke stellt die Kandidatur unter Vorbehalt
Noch in einem 2024 erschienenen Podcast der hessischen Landeszentrale für politische Bildung sagte Schnepel über seine Zeit bei den Revolutionären Zellen: „Ich verteidige diese, meine Zeit bei der RZ.“ Sie sei „richtig“ gewesen, er habe nichts zurückzunehmen. Laut Bericht transportierte er in den 1970er Jahren Waffen, betrieb in Erlangen einen Buchladen mit Druckerei, fälschte Reisepässe und Flugtickets und bereitete 1973 einen Sprengstoffanschlag auf das Gelände eines US-Unternehmens in Nürnberg vor. Bei dem Anschlag wurde eine Wand gesprengt. Strafrechtlich sind die Taten nach Schnepels Darstellung verjährt.
Die Kandidatur fällt in eine Phase, in der die Linke erneut über Antisemitismus und Israel-Hass in den eigenen Reihen streitet. Erst in dieser Woche hatte der Bayerische Rundfunk über Diktaturverherrlichung und israelfeindliche Äußerungen in der Linksjugend berichtet. Parteispitze und Bundestagsfraktion distanzierten sich davon.

Ein Sprecher der Linken stellte Schnepels Kandidatur unter Vorbehalt. Sollte er seine politische Vergangenheit nicht kritisch aufgearbeitet haben, stelle sich die Frage, warum er für den Vorstand einer Partei kandidiere, „die sich eindeutig und ohne jede Einschränkung von Antisemitismus sowie von jeder Form der Terrorverherrlichung distanziert“, hieß es von dem Sprecher. (rr)






