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Anja Arndt, AfD

Geschlechterdebatte: Wenn niemand mehr da ist

Geschlechterdebatte: Wenn niemand mehr da ist

Geschlechterdebatte: Wenn niemand mehr da ist

Niemand da. Frauen und Männer finden nicht mehr zueinander. Die wahren Auswirkungen der Dating-Krise werden sich aber erst in ein paar Jahren zeigen. Immer mehr Menschen altern schon jetzt alleine. Symbolbild: picture alliance / Zoonar | Iuliia Zavalishina
Niemand da. Frauen und Männer finden nicht mehr zueinander. Die wahren Auswirkungen der Dating-Krise werden sich aber erst in ein paar Jahren zeigen. Immer mehr Menschen altern schon jetzt alleine. Symbolbild: picture alliance / Zoonar | Iuliia Zavalishina
Frauen und Männer finden nicht mehr zueinander. Die wahren Auswirkungen der Dating-Krise werden sich aber erst in ein paar Jahren zeigen. Immer mehr Menschen altern schon jetzt alleine. Symbolbild: picture alliance / Zoonar | Iuliia Zavalishina
Geschlechterdebatte
 

Wenn niemand mehr da ist

Die Zahl der Singlehaushalte wächst, die Geburtenrate sinkt. Doch die entscheidende Frage lautet nicht, warum immer mehr Menschen allein bleiben, sondern wer sich später um sie kümmern wird.
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Kaum ein anderes Thema bewegt Deutschland derzeit so sehr wie die Frage, warum Männer und Frauen immer seltener zusammenfinden. Männer klagen über Einsamkeit und Perspektivlosigkeit. Frauen berichten von frustrierenden Erfahrungen auf Dating-Plattformen und einer scheinbar endlosen Suche nach dem richtigen Partner. Wir sprechen über Hypergamie und über Toxische Weiblichkeit.

Unterdessen steigt die Zahl der Singlehaushalte, die Geburtenrate sinkt. Über die Ursachen wird täglich diskutiert. Doch eine andere Frage wird erstaunlich selten gestellt: Was bedeutet das alles eigentlich in 30 oder 40 Jahren?

Die eigentliche Bewährungsprobe kommt Jahrzehnte später. Dann nämlich, wenn der erste schwere Eingriff bevorsteht, ein Notfall eine Entscheidung verlangt, die Wohnung aufgegeben werden muss oder ein Mensch nicht mehr allein zurechtkommt.

Wer jung ist, denkt bei Partnerschaft an Liebe, Leidenschaft oder Familiengründung. Mit zunehmendem Alter treten andere Fragen in den Vordergrund. Wer spricht mit Ärzten, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist? Wer regelt Bankangelegenheiten? Wer unterschreibt Dokumente? Wer kümmert sich um all die Dinge, die plötzlich wichtig werden, wenn Gesundheit und Selbstständigkeit nicht mehr selbstverständlich sind?

Hier geht es zur großen Geschlechterdebatte der JUNGEN FREIHEIT.

Wenn niemand da ist, muss der Staat ran

Schon heute beschäftigen sich Millionen Deutsche mit Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten. Die meisten setzen dort den Ehepartner oder die eigenen Kinder ein. Doch was geschieht, wenn es diese Personen nicht gibt? Für viele Alleinstehende wird diese Frage irgendwann zur praktischen Herausforderung. Freunde können helfen. Manche übernehmen sogar rechtliche Verantwortung. Doch Freundschaften altern ebenso wie Menschen. Sie ziehen weg, werden krank oder sterben selbst. Was mit 40 wie ein stabiles soziales Netz wirkt, sieht mit 80 oft anders aus. Noch seltener wird über das gesprochen, was nach dem Tod kommt. Wer erbt eigentlich?

Über Jahrhunderte war die Antwort einfach. Vermögen, Erinnerungen und Familiengeschichten wurden an Kinder und Enkel weitergegeben. Heute wächst die Zahl der Menschen, die niemanden haben, an den sie weitergeben können, was sie aufgebaut haben. Wer die Wohnung ausräumt, wer die Fotoalben aufbewahrt und wer sich für die Geschichte eines Menschen interessiert, wenn niemand mehr da ist, der sie weitererzählen möchte, erscheint zunächst wie eine nebensächliche Frage. Tatsächlich berührt sie etwas sehr Grundsätzliches. Menschen möchten nicht nur leben. Sie möchten Spuren hinterlassen. Sie möchten Teil einer Geschichte sein, die über ihr eigenes Leben hinausreicht.

Die Folgen dieser Entwicklung betreffen allerdings nicht nur den Einzelnen. Sie werden auch Deutschland als Ganzes beschäftigen. Familien sind nicht nur private Lebensgemeinschaften. Sie übernehmen Aufgaben, die sonst staatliche Institutionen leisten müssten. Millionen Menschen pflegen Angehörige, organisieren Arztbesuche, erledigen Behördengänge oder kümmern sich um Eltern, die ihren Alltag nicht mehr allein bewältigen können. Ein großer Teil dieser Arbeit erscheint in keiner Statistik und auf keiner staatlichen Rechnung.

Je kleiner Familien werden und je mehr Menschen ohne Angehörige alt werden, desto größer wird die Herausforderung. Die Aufgaben verschwinden nicht. Was früher innerhalb einer Familie organisiert wurde, landet zunehmend bei Pflegeeinrichtungen, Sozialdiensten, Betreuern und Kommunen. Die Debatte über Partnerschaft, Kinderlosigkeit und Einsamkeit wird deshalb oft zu eng geführt. Sie kreist um Dating-Apps, Rollenbilder und persönliche Lebensentwürfe. All das mag wichtig sein. Die eigentliche Frage liegt jedoch weiter in der Zukunft.

Wie funktioniert eine Gesellschaft, wenn immer weniger Menschen füreinander zuständig sind? Darauf gibt es bislang keine überzeugende Antwort. Sicher ist nur, dass die Folgen nicht sichtbar werden, wenn eine Beziehung scheitert oder ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Sichtbar werden sie Jahrzehnte später, wenn Hilfe benötigt wird, Entscheidungen getroffen werden müssen und sich die Frage stellt, ob hinter einem Leben noch jemand steht.

Frauen und Männer finden nicht mehr zueinander. Die wahren Auswirkungen der Dating-Krise werden sich aber erst in ein paar Jahren zeigen. Immer mehr Menschen altern schon jetzt alleine. Symbolbild: picture alliance / Zoonar | Iuliia Zavalishina
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