BERLIN. Deutschland ist bei den Asylanträgen in Europa auf den vierten Platz gefallen. Nach bislang unveröffentlichten Zahlen der Asylagentur der Europäischen Union wurden in der Bundesrepublik im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 51.147 Asylanträge gestellt – 27 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Erfasst sind Erst- und Zweitanträge. Im ersten Halbjahr 2025 waren es in Deutschland noch rund 70.000 Gesuche. Die meisten Antragsteller in der Bundesrepublik kamen aus Afghanistan. Ihr Anteil lag bei 37 Prozent.
Dahinter folgen Antragsteller aus der Türkei und Syrien mit jeweils neun Prozent. An der Spitze der EU+-Staaten lag im ersten Halbjahr Frankreich mit 65.538 Asylanträgen. Danach folgten Italien mit 63.985 und Spanien mit 53.888 Anträgen. Deutschland lag mit 51.147 Anträgen auf Platz vier. Zur Statistik der EU+-Staaten zählen die Länder der Europäischen Union sowie Norwegen und die Schweiz. Am unteren Ende der Statistik stehen Ungarn mit 49 Asylanträgen, die Slowakei mit 66 und Litauen mit 130 Anträgen. In Litauen wirkt sich offenbar der gesicherte Grenzzaun zu Belarus aus. Das Regime in Minsk hatte in der Vergangenheit versucht, Migranten gezielt über diese Route in die EU zu schleusen.
Vier von zehn Afghanen in der EU sind in Deutschland
Insgesamt stellten zwischen Januar und Juni 321.627 Menschen in den EU+-Staaten einen Schutzantrag. Das waren 19,3 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025. Damals waren rund 399.000 Anträge gezählt worden. Die meisten Schutzsuchenden kamen aus Afghanistan. In der EU+-Statistik wurden 37.419 Anträge afghanischer Staatsangehöriger erfasst. Dahinter folgten Venezuela mit 33.754 und Bangladesch mit 18.970 Anträgen. Deutschland bleibt für Afghanen das wichtigste Zielland. Vier von zehn Afghanen, die in der EU, Norwegen oder der Schweiz Asyl beantragen, stellen ihren Antrag in der Bundesrepublik. Frankreich ist das zweitwichtigste Ziel. Dort sucht mehr als jeder fünfte afghanische Antragsteller Schutz.
Bei türkischen Asylbewerbern liegt Frankreich vorn. 43 Prozent der Schutzsuchenden aus der Türkei stellten dort ihren Antrag, 33 Prozent in Deutschland. Venezolaner beantragen besonders häufig in Spanien Asyl, Migranten aus Bangladesch vor allem in Italien. Der vertrauliche EU-Bericht warnt zudem vor neuen Migrationsbewegungen. Die Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten müssten genau beobachtet werden. Seit Ende Februar seien eine Million Libyer auf der Flucht. Auch die humanitäre Lage in Afghanistan verschlechtere sich weiter.
Steigender Druck zeigt sich dem Bericht zufolge auf Kreta. Auf der griechischen Insel nahm die Zahl der über Libyen kommenden Migranten im ersten Halbjahr um ein Drittel zu. Besonders häufig kamen dort Migranten aus dem Sudan und Bangladesch an. (rr)






