BERLIN. Die Leiterin des Berliner Theatertreffens, Nora Hertlein-Hull, hat angekündigt, dass es im kommenden Jahr keine Frauenquote mehr bei der Veranstaltung geben wird. „Die neue Jury hat sich nach ausgiebiger Beratung entschieden, für die Festivalausgaben 2027 und 2028 ohne Frauenquote zu sichten und einzuladen“, sagte Hertlein-Hull. Bei dem Theatertreffen hatte seit 2020 gegolten, dass dort die zehn besten Theaterstücke aus dem deutschsprachigen Raum ausgewählt werden – wobei mindestens die Hälfte davon Frauen sein, oder aus überwiegend weiblichen Teams kommen mussten.
Der Publizist Jakob Hayner, Mitglied der diesjährigen Theatertreffen-Jury, verteidigte die Entscheidung in der Welt auch mit Blick auf die aktuelle Trans-Politik. Es sei ein Problem, „dass mit der gesetzlich garantierten Selbstbestimmung der Geschlechtsidentität ein konkurrierendes geschlechterpolitisches Paradigma etabliert wurde, das den als binär geltenden Gleichstellungsansatz von Quoten unterläuft“.
Jury-Mitglied hält Frauenquote für kontraproduktiv
Ein weiteres Problem sei, dass diese Quote auch in den Jahren zuvor „der Jury eine zwiespältige Rolle zumutete, die sie nur erfüllen konnte, indem sie ihre eigenen zentralen Maßstäbe torpedierte“, betonte Hayner.
Frauenquoten führten zudem dazu, dass ein „unauflösbarer Verdacht von ,Quotenfrauen’“ genährt werde, der bereits „über allen eingeladenen Arbeiten von Regisseurinnen“ liege, betonte der Publizist.
Im kommenden Jahr werde es „wieder uneingeschränkt um das künstlerisch Bemerkenswerte gehen, egal von wem“, versprach Hayner. „Und es wird darum gehen, genauer hinzuschauen, was aus Sicht der Kritik im Betrieb für wen gut oder schlecht läuft.“
Das Berliner Theatertreffen 2027 soll vom 6. Bis 23. Mai stattfinden, die dort aufgeführten Inszenierungen werden voraussichtlich im Januar bekanntgegeben. (st)







