HAMBURG. Demonstranten haben am Sonntag abend eine Lesung von Alice Schwarzer gestört. Hintergrund sind Vorwürfe, Schwarzer vertrete einen „transfeindlichen“ und ausgrenzenden Feminismus. Mehrfach liefen Störer während der Veranstaltung auf die Bühne und riefen Parolen in den Saal. Teile des Publikums reagierten mit Buhrufen.
Schwarzer blieb während der Störaktionen auf ihrem Platz sitzen und wartete ab, bis sich die Lage beruhigt hatte. Später sagte sie: „Wir sind da, um voneinander zu hören, uns auszutauschen. Wir müssen überhaupt nicht einer Meinung sein.“
Bereits vor Beginn der Lesung hatten vor dem Theater mehr als hundert Menschen gegen den Auftritt der Publizistin demonstriert. Sie hielten Banner und warfen Schwarzer „transfeindlichen, rassistischen und ausgrenzenden Radikalfeminismus“ vor. Schwarzer las im Malersaal vor mehr als hundert Besuchern aus ihrem neuen Buch „Feminismus pur. 99 Worte“. Im Anschluß stellte sie sich im Gespräch mit der Schauspielerin Nina Gummich auch Fragen aus dem Publikum.
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Theater: Schwarzer nicht auf einzelne Position reduzieren
Der Auftritt war bereits im Vorfeld kritisiert worden. Mehrere hundert „Theatermacher“ hatten in einem offenen Brief das Schauspielhaus aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. Sie warfen Schwarzer vor, seit Jahren gegen „Selbstbestimmung, Arbeitsrechte und soziale Teilhabe von Trans-Menschen und Sexarbeitern“ zu kämpfen.
Das Theater erklärte, Schwarzer äußere sich seit fünf Jahrzehnten zu einer Vielzahl gesellschaftlicher Themen. Es sei problematisch, sie auf einzelne Positionen zu reduzieren. Meinungsvielfalt sei für die Demokratie essenziell. Schwarzer sei eine streitbare Persönlichkeit, die Diskussionen suche und sich ihnen stelle. Ein Auftrittsverbot komme deshalb nicht in Betracht. (rr)






