BERLIN. Die erst am 22. Mai vergangenen Jahres vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ernannte Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson steht kurz vor dem Rücktritt. Das berichtet die Welt. Die parteilose britisch-österreichische Kulturmanagerin stolpert über die Vergabe von Fördermitteln für Antisemitismus-Projekte.
Um ihren Kopf zu retten, hatte die 56jährige vor zwei Tagen ihren Staatssekretär Oliver Friederici (CDU) entlassen. In den Augen der Opposition und auch des SPD-Koalitionspartner war dies jedoch lediglich ein „Bauernopfer“. Sie forderten weiterhin den Rücktritt der Senatorin.
Die Lage hatte sich zugespitzt, nachdem der Berliner Rechnungshof in einem am gestrigen Donnerstag veröffentlichten Bericht der Senatskulturverwaltung erhebliche Mängel beim Umgang mit Fördergeldern vorwarf. „Das Zuwendungsverfahren war evident rechtswidrig“, heißt es darin. Das betraf alle 13 Förderbescheide, die im vergangenen Jahr erteilt wurden.
Wegners Scherbenhaufen vor der Wahl
Außerdem warfen die Rechnungsprüfer der Verwaltung vor, interne Abläufe unzureichend kontrolliert und Entscheidungen nicht ausreichend dokumentiert zu haben.
Wenige Monate vor den Abgeordnetenhauswahlen am 20. September bedeuten die Affäre und der mutmaßliche Rücktritt einen weiteren herben Schlag für den Regierenden Bürgermeister Wegner. Er stand zuletzt selbst heftig in der Kritik, weil er mehrfach bei Lügen darüber ertappt worden war, wie er den ersten Tag des dramatischen Blackouts im Südwesten der Hauptstadt verbracht hatte (die JF berichtete).
Mit der 56jährigen Wedl-Wilson würde Wegner den zweiten Kultursenator in kurzer Zeit verlieren. Vorgänger Joe Chialo (CDU) war am 2. Mai 2025 zurückgetreten. Auch er ist in die Fördermittelaffäre verstrickt. Die Vorwürfe von Linken, Grünen und SPD zielen darauf, dass vorwiegend Antisemitismus-Projekte von der CDU nahestehenden Vereinen gefördert wurden.

Am Freitagmorgen sind laut dem Welt-Bericht im Roten Rathaus führende Vertreter der Berliner CDU zusammen, darunter der Fraktionsvorsitzende Dirk Stettner und Finanzsenator Stefan Evers. Beobachter werten dies als Hinweis darauf, dass hinter den Kulissen über den bevorstehenden Rücktritt der Senatorin beraten wird. (fh)






