Gelingt Gordon Schnieder, was Manuel Hagel vor zwei Wochen verwehrt geblieben ist? Wie Baden-Württemberg gehört auch Rheinland-Pfalz zu den Stammlanden der CDU. Helmut Kohl begann hier seinen Aufstieg. Sein Nachfolger Bernhard Vogel schaffte es als einziger Politiker, Ministerpräsident in zwei Bundesländern zu sein: Nachdem er in Mainz von übermütigen Parteifreunden aus dem Amt getrieben worden war, wurde er 1992 Landesvater in Thüringen.
Doch in Kohls und Vogels Heimat dominiert seit 1991 die SPD, was auch an der CDU liegt, die seitdem kein Spitzenpersonal mit Charisma mehr hervorgebracht hat. Die heutige Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die zwischen 2010 und 2022 vergeblich versuchte, die Vormacht der SPD zu brechen, entwickelte erst Profil, nachdem sie die Bürde des Landesvorsitzes und damit auch das Verliererimage los wurde.
Bruder von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder
Jetzt soll Gordon Schnieder die CDU bei der Landtagswahl am 22. März zurück in die Mainzer Staatskanzlei bringen. Der 50jährige, geboren im Hunsrück, aufgewachsen in der Vulkaneifel, ist der jüngere Bruder von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, aus dessen kurzem Schatten er bisher aber nicht heraustreten konnte. Sein Lebenslauf ist gutbürgerlich: Mit 15 Jahren trat er in die Junge Union ein, studierte Finanzwirtschaft und arbeitete in Finanzverwaltungen. 2016 zog er in den Landtag ein, übernahm 2023 die Führung der Fraktion und 2024 vom glücklosen Christian Baldauf den CDU-Landesvorsitz.
Die SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck und Malu Dreyer hatten sich in der Bundespolitik einen Namen gemacht; von Dreyers Nachfolger, dem seit 2024 amtierenden Alexander Schweitzer, kann man das nicht sagen. Die Schwäche der SPD führte im Gegenzug zu einem Anwachsen der Christdemokraten in Umfragen.
Im Wahlkampf stellt Schnieder sich als verlässlicher Landesvater dar, der sich um den Lückenschluss wichtiger Fernstraßen kümmern, geplante Schließungen von Krankenhäusern verhindern und den guten Ruf des Weinlandes erhalten will: Während man Cannabis legalisiere, litten Winzer darunter, dass Wein als Gift bezeichnet werde. Seine Reden sind sachorientiert, Polemik liegt ihm nicht, Humor gehört nicht zu seinen Haupteigenschaften. Manchmal gibt es einen Seitenhieb gegen die Grünen. Schweitzers Namen erwähnt er hingegen nicht.
Immerhin rückte er im TV-Duell mit diesem die explodierende Messergewalt in den Fokus und wagte, sie zudem klar zu benennen: „Das ist keine deutsche Kriminalität, das ist eine zugewanderte Kriminalität.“ Zudem hatte Schnieder 2025 kritisiert, daß die Ampel-Landesregierung AfD-Mitglieder künftig schneller aus dem öffentlichen Dienst entfernen will und er schrieb einen Protestbrief gegen Jan Böhmermann an ZDF-Intendant Norbert Himmler, nachdem der Fernsehmoderator die CDU als „Nazis“ bezeichnet hatte.
Entgeht Schnieder dem Schicksal Manuel Hagels?
Der Gegenwind aus eigenen Reihen und die schlechte Bilanz der Bundesregierung stören Schnieder, aber heftig fiel seine Kritik nur einmal aus, als er die Attacken des CDU-Wirtschaftsrates gegen „Lifestyle-Teilzeit“ als „Schnapsidee“ abtat. Der Parteitag in Stuttgart sollte ihm Rückenwind bringen, doch überlagerte die CDU-Heerschau die Wirtschaftsrat-Forderung, Zahnarztkosten selbst zu bezahlen.
Schnieders Wahlkampf geriet in die Defensive. Schon seit Herbst holten die Sozialdemokraten den Vorsprung fast völlig wieder auf und liegen nun mit je nach Umfrage 26 bis 28 Prozent nur noch ein bis zwei Punkte hinter der Union. Das wirft die Frage auf, ob Schnieder dem Schicksal Manuel Hagels entgeht, den die gleiche Dynamik kurz vor der Wahl den Sieg gekostet hat.
Friedrich Merz gibt sich indes optimistisch: Bei einem Wahlkampfauftritt in Trier kündigte er an, in fünf Jahren für die Wiederwahl Schnieders als Ministerpräsident zu werben. Er selbst wolle dann noch im Amt sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt.






