Anzeige
Anzeige

Landtagswahl in Baden-Württemberg: Manuel Hagel: Wer ist der kommende Ministerpräsident im Südwesten?

Landtagswahl in Baden-Württemberg: Manuel Hagel: Wer ist der kommende Ministerpräsident im Südwesten?

Landtagswahl in Baden-Württemberg: Manuel Hagel: Wer ist der kommende Ministerpräsident im Südwesten?

CDU-Landeschef Manuel Hagel vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg
CDU-Landeschef Manuel Hagel vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg
Herausforderer Hagel: Nach der Wahl wird der CDU-Jungstar ganz schnell so alt aussehen wie Friedrich Merz. Foto: Imago, Eibner
Landtagswahl in Baden-Württemberg
 

Manuel Hagel: Wer ist der kommende Ministerpräsident im Südwesten?

Er gilt als CDU-Nachwuchsstar, der die Grünen am 8. März aus dem Regierungsamt jagen will, um jüngster Ministerpräsident Deutschlands zu werden. Wer ist Manuel Hagel? Und wie konservativ ist er wirklich?
Anzeige

Jüngster Gemeinde- und Kreisrat, Landtagsabgeordneter, CDU-Generalsekretär, Fraktions- und Parteichef in Baden-Württemberg war er schon. Nun will Manuel Hagel, der 37jährige Schnellaufsteiger aus Oberschwaben, bei der Landtagswahl am 8. März auch noch jüngster Ministerpräsident Deutschlands werden.

Schlecht stehen seine Chancen nicht, auch wenn die Grünen gerade wieder aufholen, aus deren Reihen Vorwürfe wegen einer unangemessenen Äußerung Hagels über junge Mädchen kommen. Ob es allerdings für die von Hagel favorisierte „Deutschland-Koalition“ reicht – mit der marginalisierten SPD und einer FDP, die selbst in ihrem Stammland aus dem Landtag fliegen könnte –, ist freilich ungewiß.

Manuel Hagel will nach 15 Jahren den Grünen die Macht entreißen

Dagegen markiert Hagel – ganz der CDU-Brandmaurer – die AfD, die mit den Grünen um Platz zwei kämpft, als „Wir oder die“-Hauptgegner. Nach der Logik der Macht sollten das eigentlich die Grünen sein, denen er nach fünfzehn Jahren die Villa Reitzenstein, den Amtssitz der Landesregierung, wieder abnehmen will. Aber die Ökosozialisten faßt Hagel mit Samthandschuhen an, weil er sie wohl doch wieder zum Regieren braucht.

Das Erbe des ersten grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, dem zuletzt vorgeworfen wurde, 100.000 Euro für einen Fotografen auszugeben, sei bei ihm „in guten Händen“, verspricht dessen potentieller CDU-Nachfolger. Kretschmann war Hagel zuletzt beigesprungen, als diesem vorgeworfen wurde, „Nazi-Parolen“ zu verbreiten. Zu diesem Erbe gehört indes auch der Abstieg des baden-württembergischen Bildungssystems ins untere Mittelmaß und der katastrophale Niedergang der Schlüsselindustrie des Autolands im Südwesten.

Der Christdemokrat beteuert, diesen Absturz, den seine CDU zehn Jahre lang mitverantwortet hat, aufhalten zu wollen. An die Wurzel des Übels, an „Energiewende“ und „Klimaschutz“-Ideologie, traut er sich allerdings nicht heran – da grüßt er die grünen Geßlerhüte wie jeder in der Union, der noch etwas werden will.

Zur Ablenkung kokettiert Hagel mit seiner „Normalität“: Bankkaufmann, katholisch, verheiratet, drei Kinder, stets tadellos gekleidet, ein richtiger Beruf vor der Politik, Mitglied in Jägervereinigung und Fasnachtszunft – auch in der Union sind solch bodenständige Biographien heute rar. Als Generalsekretär der Südwest-CDU ging er 2017 auf Distanz zu Merkel und Doppelpaß und umwarb auch mal die inzwischen abgesprengte „Werteunion“.

„Konservativ“ ist für Hagel nicht viel mehr als leere Dekoration

„Konservativ“ ist für Manuel Hagel noch immer kein Tabuwort – aber auch nicht viel mehr als leere Dekoration. Als Wahlkämpfer muß er die Altkanzlerin beim Heimspiel-Parteitag in Stuttgart als Ehrengast begrüßen und schon im Vorfeld beim Entschärfen allzu deutlicher Parteitagsanträge mithelfen.

Die Südwest-CDU hofft auf ihn, weil er sie aus Dauerstreit und Post-Staatspartei-Depression herausgeholt hat. Ganz unbescheiden stellt er sich in eine Reihe mit früheren CDU-Ministerpräsidenten, unter denen das Land prosperierte. Von deren Spitzenergebnissen, mit denen sie einfach durchregieren konnten, ist er freilich meilenweit entfernt.

Also spielt er den Wählern eine Scharade vor. Wenn er den Kanzler wegen dessen Schuldenpolitik kritisiert, die „180-Grad-Wende“ in der Migrationspolitik ausruft, das Verbrennerverbot geißelt und „Energie, Steuern und Bürokratie“ Mühlsteine am Hals der Wirtschaft nennt, klingt Manuel Hagel zum Verwechseln wie die „mit uns unvereinbare“ AfD. Nur wird davon nichts übrigbleiben, wenn es nach der Wahl und im Namen der Brandmauer doch wieder nur für die Verlängerung von Grün-Schwarz mit vertauschten Vorzeichen reicht. Dann wird der CDU-Jungstar ganz schnell so alt aussehen wie Friedrich Merz.

Aus der JF-Ausgabe 10/26.

Herausforderer Hagel: Nach der Wahl wird der CDU-Jungstar ganz schnell so alt aussehen wie Friedrich Merz. Foto: Imago, Eibner
Anzeige
Anzeige

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles