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Was steckt hinter dem Aufschwung?: Was ist mit dem Bitcoin los?

Was steckt hinter dem Aufschwung?: Was ist mit dem Bitcoin los?

Was steckt hinter dem Aufschwung?: Was ist mit dem Bitcoin los?

Bitcoin meldet sich mit starken Werten zurück im Geschäft (Symbolbild).
Bitcoin meldet sich mit starken Werten zurück im Geschäft (Symbolbild).
Bitcoin meldet sich mit starken Werten zurück im Geschäft (Symbolbild). Foto: picture alliance / Sipa USA | Nexpher Images
Was steckt hinter dem Aufschwung?
 

Was ist mit dem Bitcoin los?

Der Kryptomarkt erwacht plötzlich aus seiner monatelangen Lethargie. Bitcoin legt innerhalb von nur fünf Handelstagen um rund 23 Prozent zu. Am Dienstag durchbrach die größte Kryptowährung zeitweise sogar die Marke von 80.000 Dollar. Ist das die lang erwartete Trendwende?
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Der Kryptomarkt ist aus dem Häuschen: Allein von Anfang vergangener Woche bis Freitag legte Bitcoin um rund 23 Prozent zu. Von etwa 62.800 auf etwa 77.300 US-Dollar. Im Handelsverlauf des Freitags kletterte der Kurs zeitweise sogar über 79.000 Dollar – den höchsten Stand seit Mitte Mai –, bevor über das Wochenende eine leichte Korrektur einsetzte. Es war die beste Handelswoche seit März 2023, als die Kryptowährung im Zuge der amerikanischen Regionalbankenkrise binnen sieben Tagen um gut 26 Prozent gestiegen war. Zum Start in die neue Woche stieg der Kurs weiter an. Am Dienstagmorgen war ein Bitcoin kurzzeitig über 80.000 US-Dollar wert. So viel war die älteste Kryptowährung zuletzt im Januar wert.

Der Höhenflug der vergangenen Woche beschränkte sich jedoch nicht allein auf Bitcoin. Andere Kryptowährungen zogen mit. Ethereum, die zweitgrößte Kryptowährung, verteuerte sich zwischen Montag und Freitag vergangener Woche um gut 30 Prozent, von rund 1.870 auf 2.450 US-Dollar. Am Samstag übersprang ein Ether sogar zeitweise die Marke von 2.500 US-Dollar. Das entspricht dem höchsten Stand seit Ende Januar.

Noch kräftiger fiel der Anstieg bei XRP aus: Der Vermögenswert des Zahlungsdienstleisters Ripple stieg am vergangenen Montag von einer Bewertung von 0,99 US-Dollar auf 1,37 US-Dollar (Freitag). Das entspricht einem Anstieg von etwa 37 Prozent. Bezieht man das Kurswachstum bis Samstagmorgen mit ein, als der Kurs zeitweise auf 1,66 US-Dollar stieg, zeigte sich in der vergangenen Woche sogar ein Anstieg von über 65 Prozent. Aktuell zum Wochenstart wird ein XRP-Coin mit etwa 1,45 US-Dollar bewertet (Stand: 24.8.). Auch andere große und populäre Kryptowährungen wie Solana, SUI, Chainlink, BNB oder Cardano legten in der vergangenen Woche stark zu.

Bitcoin-Anstieg stärkt Risikobereitschaft der Anleger

Selbst an der Wall Street war der Aufschwung spürbar: Die Aktien kryptonaher Unternehmen wie der Handelsplattform Coinbase und des Bitcoin-Großhalters Strategy verteuerten sich zuletzt. Bis zum Handelsschluss am Freitag stand bei dem Unternehmen von Bitcoin-Mogul Michael Saylor sogar ein Plus von 24,5 Prozent gegenüber Montag. Der Unternehmer gilt als einer der prominentesten Bitcoin-Befürworter in der Finanzwelt. Er gründete 1989 das Software- und Analyseunternehmen MicroStrategy, das inzwischen in Strategy umbenannt wurde. Neben dem Vertrieb von Unternehmenssoftware bezeichnet sich Strategy selbst als weltweit erste und größte „Bitcoin Treasury Company“. Das bedeutet: Das Unternehmen nutzt seine eigene Bilanz, um Bitcoin als zentralen Reservewert zu kaufen und langfristig zu halten. Stand 30. April 2026 hält das Unternehmen 818.334 Bitcoins.

Zur Einordnung: Bitcoin gilt im Kryptomarkt als zentrale Leitwährung. Als größter und liquidester digitaler Vermögenswert gibt er die Richtung für die gesamte Anlageklasse beziehungsweise den gesamten Markt vor. Ein kräftiger Bitcoin-Anstieg stärkt die Risikobereitschaft der Anleger und zieht neues Kapital in den Markt. Davon profitieren anschließend auch Ethereum, XRP und andere Token, aber auch Unternehmen wie Strategy. Dreht Bitcoin wiederum nach unten, stürzen auch die anderen Digitalwährungen und kryptonahe Unternehmen in ihrer Bewertung ab.

Letztlich stellt sich jedoch die Frage: Was war eigentlich der Auslöser für die kräftige Kursrallye bei Bitcoin in der vergangenen Woche? Den Startschuss gab am Mittwoch ganz klar das Handeln des US-Finanzministeriums. Finanzminister Scott Bessent kündigte an, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mit Laufzeiten von zehn bis 30 Jahren zu verstärken.

Das verursachte den Bitcoin-Boom

Die Ankündigung wirkte sich negativ auf die langfristigen Renditen aus und befeuerte zudem die Schwäche des US-Dollars. Hintergrund: Die angekündigten Rückkäufe erhöhen die Nachfrage nach langlaufenden US-Staatsanleihen. Steigende Anleihekurse bedeuten rechnerisch sinkende Renditen – und niedrigere US-Renditen machen Dollar-Anlagen im Vergleich zu anderen Währungsräumen weniger attraktiv. Deshalb geriet der Dollar zusätzlich unter Druck. Das wiederum lenkt die Aufmerksamkeit der Anleger auf alternative Anlagen wie Bitcoin, aber auch Gold, die unter vielen Investoren als Schutz vor Geldentwertung gelten. Hintergrund des Eingriffs durch das US-Finanzministerium ist die ausufernde US-Staatsverschuldung, die inzwischen die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hat und die Kreditkosten des Staates immer weiter nach oben treibt.

Verstärkt wurde die Verlagerung von Kapital in Hochrisiko-Assets wie Bitcoin durch einen „Short Squeeze“. Damit hat es Folgendes auf sich: In der jüngsten Vergangenheit hatten aufgrund der pessimistischen Marktstimmung zahlreiche Spekulanten mit geliehenem Kapital auf fallende Bitcoin-Kurse gewettet. Steigt der Kurs entgegen dieser Wette, müssen sie ihre Positionen zwangsweise auflösen, was den Anstieg zusätzlich anheizt. Etwa vier Milliarden US-Dollar waren vergangene Woche davon betroffen. Thomas Lee, Mitgründer und Forschungschef des New Yorker Analyseunternehmens Fundstrat, erklärte gegenüber CNBC: „Die Kursbewegungen bei Kryptowährungen waren in den vergangenen Tagen so stark, dass sie die zweitgrößte Short-Liquidation der Geschichte ausgelöst haben.“ Außerdem verwies er darauf, dass Investoren sich nun auf einen „Anstieg auf 100.000 Dollar bis zum Jahresende 2026“ positionieren sollten.

Parallel zum „Short Squeeze“ kehrten vergangene Woche vermehrt institutionelle Anleger zurück. Auch das befeuerte den Kryptomarkt stark. Die amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs – börsengehandelte Fonds – verzeichneten am vergangenen Mittwoch Kapitalzuflüsse in Höhe von 517,2 Millionen US-Dollar, am Donnerstag folgten weitere 606,3 Millionen US-Dollar. Zuletzt hatten die Anlageprodukte Anfang Mai dieses Jahres innerhalb eines einzigen Handelstages Kapitalzuflüsse in einer vergleichbaren Größenordnung verbucht. Seit Montag vergangener Woche flossen bis zum Wochenende rund eine Milliarde US-Dollar in die Produkte. Es war das beste Wochenergebnis seit Mitte Januar.

Was macht die US-Politik?

Rückenwind für den Kryptomarkt kam schließlich auch noch aus der Politik: US-Präsident Donald Trump empfing am Mittwoch Spitzenvertreter der Branche im Weißen Haus, darunter die Chefs der großen Kryptobörsen Coinbase, Kraken und Robinhood, den CEO von Ripple sowie die Leiter der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarktaufsicht CFTC, Paul Atkins und Michael Selig. Hintergrund des Treffens war die Verabschiedung des sogenannten „CLARITY Act“. Trump drängte den Senat, den seit Monaten festgefahrenen Gesetzesentwurf zu beschließen.

Bei dem „CLARITY Act“ handelt es sich um ein Gesetz, das erstmals verbindlich regeln soll, welche Digitalwährungen als Wertpapiere gelten und welche Behörde zuständig ist. Es soll vor allem klären, welche digitalen Vermögenswerte als Wertpapiere gelten und damit von der Börsenaufsicht SEC reguliert werden und welche als „digitale Rohstoffe“ unter die Terminmarktaufsicht CFTC fallen.

Ob aus dem Kurssprung bei Bitcoin & Co. am Ende eine nachhaltige Wende wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Am 15. September stimmt der US-Senat in einem Verfahrensantrag über den „CLARITY Act“ ab. Scheitert das Gesetz, dürfte ein Teil der Rallye rasch wieder abgegeben werden. Zeitgleich tagt die US-Notenbank Fed unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh. Ihr Leitzins liegt seit Dezember unverändert bei einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Dass die Zinsen sinken, ist unwahrscheinlich. Angesichts einer Inflation von über drei Prozent hatten die Märkte zuletzt sogar eine Zinserhöhung nicht ausgeschlossen. Sinkende Zinsen gelten traditionell als Treibstoff für Kryptowährungen, steigende Zinsen dagegen als Bremse.

Bitcoin meldet sich mit starken Werten zurück im Geschäft (Symbolbild). Foto: picture alliance / Sipa USA | Nexpher Images
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