BERLIN. Die Bundesregierung hat angekündigt, trotz des kurzfristig abgesagten Börsengangs an ihrem geplanten Milliardeneinstieg beim deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS festzuhalten. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, man respektiere die Entscheidung des Unternehmens, den Börsengang zu pausieren.
Deutschland sei aber weiterhin daran interessiert, KNDS gemeinsam mit Frankreich in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Für den Steuerzahler geht es um viel Geld. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte erst am vergangenen Freitag grünes Licht für den Einstieg des Bundes gegeben. Die Kosten wurden nach einem Bericht auf bis zu 7,2 Milliarden Euro geschätzt.
Wenige Tage später verschob KNDS nun den geplanten Börsengang und begründete den Schritt mit aktuellen Marktschwankungen. Nach einem Bericht der Financial Times hatten die Eigentümer Probleme, Investoren von der geplanten Bewertung zu überzeugen. Im Raum stand demnach ein Unternehmenswert von mehr als zwölf Milliarden Euro. Früher war sogar von bis zu 20 Milliarden Euro die Rede.
Rüstungskonzern zentral für die Bundeswehr
Deutschland und Frankreich hatten sich erst vergangene Woche auf eine neue Eigentümerstruktur verständigt. Danach sollen der Bund und der französische Staat jeweils 40 Prozent an KNDS halten. Die übrigen 20 Prozent sollten über die Börse an institutionelle Investoren verkauft werden. KNDS baut unter anderem den Kampfpanzer Leopard 2, die Panzerhaubitze 2000, den Schützenpanzer Puma und Boxer-Fahrzeuge.
Die Aktien sollten noch vor der Sommerpause in Frankfurt und Paris platziert werden. Es wäre einer der größten Börsengänge im europäischen Verteidigungssektor der vergangenen Jahre gewesen.
Union und SPD verteidigten den Einstieg des Bundes. Unions-Haushälter Christian Haase verwies auf Arbeitsplätze und deutsches Rüstungs-Know-how. SPD-Haushälter Thorsten Rudolph nannte es „zwingend erforderlich“, dass der Bund bei einem zentralen Unternehmen für die Bundeswehr Verantwortung übernehme.
Die Grünen enthielten sich im Haushaltsausschuss und kritisierten den Vorgang nach dem geplatzten Börsengang scharf. Der haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Sebastian Schäfer, sprach von einem „Desaster für die Bundesregierung“. Es handle sich um das Ergebnis „strategieloser Industriepolitik“ und der „Gier einer Milliardärsfamilie“, die den Staat in dieser Sicherheitslage „im Schwitzkasten“ halte.
„Nun macht die Besitzerfamilie von KNDS einen Rückzieher, weil ihnen offenkundig der Milliardenerlös noch nicht ausreicht“, wetterte Schäfer gegenüber Journalisten. Die Linke stimmte im Haushaltsausschuss gegen den Einstieg. Der Abgeordnte Dietmar Bartsch sprach von einer „neuen Stufe grenzenloser Aufrüstung“.

Auch Rheinmetall unter Druck
Der geplatzte Börsengang fällt in eine Phase fallender Rüstungswerte. Die Aktien vieler Rüstungskonzerne hatten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stark zugelegt, gerieten zuletzt aber unter Druck. Der Kurs des KNDS-Rivalen Rheinmetall fiel in den vergangenen Tagen. Der tschechische Rüstungskonzern CSG verlor nach einem starken Börsenstart inzwischen mehr als die Hälfte seines Wertes.
KNDS entstand 2015 durch die Fusion des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann und des französischen Rüstungskonzerns Nexter. Der Konzern beschäftigt rund 11.000 Menschen und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Der Hauptsitz liegt in Amsterdam, die deutsche Zentrale befindet sich in München. (rr)





