BERLIN. Steht Deutschland vor dem Verlust des „AAA“ bei der Kreditwürdigkeit? Das Top-Rating sei in Gefahr, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Vertreter der Bundesregierung und Ökonomen. Eine Herabstufung würde höhere Zinsen für die Kredite, damit noch höhere Schulden und weniger Spielraum im Bundeshaushalt bedeuten.
Ein Vertreter der Bundesregierung sagte der Wirtschaftszeitung: „Wenn die Schulden hoch bleiben, das Wachstum aber nicht anspringt, könnten die Ratingagenturen Deutschlands Triple-A-Rating infrage stellen.“ Ein weiterer ergänzte: „Nicht sofort, aber in den nächsten Jahren könnten wir unter Druck geraten, wenn es so weitergeht wie bisher.“
Die Sorge teilen auch Wirtschaftsexperten: „Es würde mich nicht überraschen, falls eine der Ratingagenturen in nicht allzu ferner Zukunft mit einem negativen Ausblick um die Ecke käme“, sagte der Ökonom Moritz Krämer, der lange bei der Ratingagentur S&P Global Ratings gearbeitet hat.
Kreditwürdigkeit hängt von Schulden und Wachstum ab
Hintergrund ist die enorme Verschuldungspolitik der Bundesregierung. Allein 2027 soll es ein neues Defizit von 200 Milliarden Euro geben. Die sogenannten „Sondervermögen“ für Infrastruktur, Klimaschutz und Aufrüstung betragen bis 2030 mehr als eine weitere Billion Euro.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) haben die höchste Verschuldung der Bundesrepublik in Kauf genommen, um damit die Wirtschaft in Gang zu bringen. Doch das funktioniert nicht – auch, weil Union und SPD viele Beträge aus den Sondervermögen schlicht zum Stopfen von Haushaltslücken zweckentfremden (JF berichtete). Deutschland verharrt in der Rezession bzw. im Null-Wachstum.
In diesem Zusammenhang hatte die Ratingagentur Scope vor einem Monat gewarnt, dass es entscheidend sei, ob die Regierung wirklich zusätzliches Geld investiere und ob die Projekte schnell starten. Versandeten die Projekte in der Bürokratie oder ersetzten die Milliarden nur bisherige Ausgaben, stiegen die Schulden, ohne dass die Wirtschaft entsprechend wächst.
Deutschland ist Schulden-Weltmeister unter AAA-Ländern
Die Staatsverschuldung Deutschlands hat in diesem Jahr mit einer Quote von 64,6 Prozent einen neuen Rekord erreicht. In der Gruppe der Staaten mit der höchsten Kreditwürdigkeit ist Deutschland Schulden-Spitzenreiter. Der Durchschnitt dieser Länder liege bei 40 Prozent, sagte Malgorzata Wegner, Expertin für Länderbewertungen bei der Ratingagentur Fitch dem Handelsblatt. Schon in drei Jahren werde sie bei über 70 Prozent liegen.

Auch von der Ratingagentur S&P Global kommt eine deutliche Ansage: „Wir könnten unsere Bonitätsbewertung für Deutschland herabstufen, sollte die Wirtschaftsleistung deutlich hinter unseren derzeitigen Erwartungen zurückbleiben“, heißt es in der jüngsten Analyse. „Dies könnte der Fall sein, wenn fiskalpolitische Impulse das mittelfristige Wachstum nicht nennenswert ankurbeln würden.“
Eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit würde laut einer internen Vorlage des Finanzministeriums, über die die Zeitung berichtet, für den Steuerzahler teuer werden. Ein einprozentiger Zinsanstieg würde die Zinskosten im Folgejahr noch um 2,1 Milliarden Euro erhöhen. Mittelfristig betrügen die Mehrausgaben dann aber schon 17,3 Milliarden Euro im Jahr. (fh)





