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Restaurants und Kneipen machen dicht: Gastrogewerbe steht vor dem Kollaps

Restaurants und Kneipen machen dicht: Gastrogewerbe steht vor dem Kollaps

Restaurants und Kneipen machen dicht: Gastrogewerbe steht vor dem Kollaps

Bleiben die Gäste weg, stirbt das Gastrogewerbe (Symbolbild).
Bleiben die Gäste weg, stirbt das Gastrogewerbe (Symbolbild).
Bleiben die Gäste weg, stirbt das Gastrogewerbe (Symbolbild). Foto: picture alliance / Norbert Schmidt | Norbert SCHMIDT
Restaurants und Kneipen machen dicht
 

Gastrogewerbe steht vor dem Kollaps

Deutschlands Gastwirte kämpfen ums Überleben. Die Umsätze brechen ein. Während die Gäste wegen sinkender Kaufkraft seltener essen gehen, steigen Personal-, Energie- und Warenkosten ungebremst weiter. Neue Zahlen belegen die Krise des Gastrogewerbes.
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Das deutsche Gastrogewerbe hat im Mai 2026 deutlich weniger erwirtschaftet als noch ein Jahr zuvor. Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldete am 21. Juli einen preisbereinigten Umsatzrückgang von 6,0 Prozent gegenüber Mai 2025. Im Vergleich zum Vormonat April 2026 betrug das Minus 2,1 Prozent.

Innerhalb der Branche entwickelt sich die Lage dabei sehr unterschiedlich. Am stärksten betroffen war die Gastronomie. Restaurants, Cafés, Imbisse und Kneipen verzeichneten gegenüber Mai 2025 ein reales Umsatzminus von 7,1 Prozent. Hotels und andere Beherbergungsbetriebe kamen mit einem realen Rückgang von 2,8 Prozent vergleichsweise glimpflich davon. Zu beachten ist, dass die Mai-Zahlen vorläufig sind und sich aufgrund verspäteter Meldungen der befragten Betriebe noch verändern können.

Amtliche Zahlen für Juni beziehungsweise Juli liegen bislang noch nicht vor, da Destatis die Gastgewerbestatistik mit einem zeitlichen Abstand von rund zwei Monaten veröffentlicht. Einen ersten Anhaltspunkt liefert jedoch eine andere Erhebung: der DATEV-Mittelstandsindex. Demnach lag der Umsatz im Gastrogewerbe im Juni 2026 saison- und kalenderbereinigt 2,2 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Neben dem Gastgewerbe verzeichneten lediglich der Handel mit einem Minus von 2,7 Prozent sowie das verarbeitende Gewerbe mit einem Rückgang von 2,0 Prozent sinkende Umsätze. Der Gesamtindex über alle erfassten Branchen legte im gleichen Zeitraum um 2,7 Prozent zu.

Das verdeutlicht, wie stark die Krise im Gastgewerbe inzwischen tatsächlich im Vergleich zu anderen Branchen ist. Grundlage der Auswertung sind anonymisierte Umsatzsteuerdaten von mehr als einer Million Unternehmen sowie Lohn- und Gehaltsabrechnungen von über acht Millionen Arbeitnehmern.

Schwäche des Gastrogewerbes wird Dauerzustand

Wie angespannt die Lage ist, zeigt auch die Konjunkturumfrage des Münchner ifo-Instituts vom April 2026. Demnach sehen knapp 20 Prozent der Betriebe im Beherbergungs- und Gaststättengewerbe ihre wirtschaftliche Existenz bedroht. Über alle Branchen hinweg lag dieser Anteil lediglich bei 8,1 Prozent.

Besonders schwer wiegt, dass die Krisenlage im Gastgewerbe kein Ausreißer ist. Die Branche steckt bereits seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. Das Gesamtjahr 2025 schloss das Gastgewerbe mit einem realen Umsatzrückgang von 2,1 Prozent gegenüber 2024 ab. Gemessen am Vorkrisenjahr 2019 lag der preisbereinigte Umsatz sogar um 14,8 Prozent niedriger.

Im laufenden Jahr verschärfte sich der Rückgang sogar noch weiter. Im ersten Quartal 2026 setzten die Betriebe real 5,1 Prozent weniger um als im Vorjahresquartal. Gegenüber 2019 beträgt das reale Minus inzwischen 19,7 Prozent.

Verbraucher müssen sparen und verzichten aufs Ausgehen

Die Folge ist ein gewaltiges Betriebssterben. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts gab es 2024 nur noch 206.105 umsatzsteuerpflichtige Unternehmen im Gastgewerbe. 2019 waren es noch 222.442 gewesen. Binnen fünf Jahren verschwanden damit gut 16.000 Betriebe – ein Rückgang um 7,3 Prozent. Am stärksten schrumpfte der Bestand im Saarland mit minus 15,7 Prozent und in Thüringen mit minus 12,6 Prozent. Auch nach 2024 setzte sich das Betriebssterben in der Branche fort. Im Jahr 2025 meldeten rund 2.900 Gastronomiebetriebe in Deutschland Insolvenz an. Das entspricht einem Anstieg von knapp 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als doppelt so vielen Fällen wie 2022.

Das liegt an der schwachen Konsumstimmung im Land. Diese befindet sich seit Jahren im Keller. Nicht zuletzt aufgrund der hartnäckig hohen Inflation, die die Kaufkraft der Bevölkerung zunehmend schwächt, sowie steigender Energiepreise und einer wachsenden Steuer- und Abgabenlast. Die Folge dieser immer weiter zunehmenden finanziellen Belastung ist eine wachsende Armut im Land, die vielen Menschen keinen finanziellen Spielraum mehr für Ausgaben wie Restaurant-, Café- oder Barbesuche lässt.

Nach der EU-weiten Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) waren 2025 rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland armutsgefährdet, das entspricht 16,1 Prozent der Bevölkerung. Ein Jahr zuvor hatte die Quote noch bei 15,5 Prozent gelegen. Als armutsgefährdet gelten Menschen, deren Nettoeinkommen einschließlich Sozialleistungen wie Wohngeld, Kindergeld oder Bürgergeld unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Für Alleinlebende lag diese Schwelle zuletzt bei 1.445 Euro netto im Monat.

Gastwirte müssen höhere Kosten stemmen

Wie eng die finanziellen Spielräume inzwischen geworden sind, verdeutlicht eine weitere Auswertung derselben Erhebung, die Destatis im Juni veröffentlichte. Demnach lebten 2025 rund 17,3 Millionen Menschen – und damit 21 Prozent der Bevölkerung – in Haushalten, die sich nach eigener Einschätzung nicht einmal eine einwöchige Urlaubsreise leisten konnten (JF berichtete). Im einkommensschwächsten Fünftel der Bevölkerung, das über höchstens rund 1.600 Euro netto im Monat verfügt, lag dieser Anteil sogar bei 48 Prozent. Unter Alleinlebenden waren es 29 Prozent, in Haushalten von Alleinerziehenden 39 Prozent.

Diese Erhebung ist besonders bedeutsam: Wer auf den Sommerurlaub verzichten muss, spart in der Regel auch bei anderen Konsumausgaben. Man bucht beispielsweise kein Hotelzimmer und geht seltener auswärts essen oder trinken.

Auf der anderen Seite der Bilanz steht ein Kostenblock der Gastwirte, der deutlich schneller wächst als die Einnahmen. Der Arbeitskostenindex des Statistischen Bundesamts weist für das Gastgewerbe allein zwischen Januar 2022 und dem vierten Quartal 2024 einen Anstieg um 34,4 Prozent aus. Besonders die gestiegenen Personalkosten – unter anderem infolge der kontinuierlichen Anhebung des Mindestlohns in den vergangenen Jahren – machen sich bemerkbar. Zum 1. Januar 2026 stieg der gesetzliche Mindestlohn auf 13,90 Euro je Stunde. In einer Branche, in der ein großer Teil der Beschäftigten im Niedriglohnbereich oder in Minijobs arbeitet, wirkt sich diese Entwicklung unmittelbar auf die Lohnsumme aus. Und zwar auch oberhalb der Mindestlohngrenze. Weil die Betriebe die Lohnabstände zwischen den einzelnen Entgeltgruppen wahren müssen.

Wer wird noch Wirt?

In vielen Restaurants machen die Personalkosten nach Angaben des Dehoga inzwischen mehr als 40 Prozent des Umsatzes aus, der Wareneinsatz liegt bei mehr als 30 Prozent. Dabei sind die Ausgaben für Energie, Versicherungen und Gebühren noch gar nicht eingerechnet.

Die alte Volksweisheit „Wer nichts wird, wird Wirt“ hat sich damit wohl überlebt. In das finanzielle Risiko, einen Gastrobetrieb zu eröffnen, dürften sich immer weniger Leute stürzen, unabhängig vom bisherigen Berufsweg.

Bleiben die Gäste weg, stirbt das Gastrogewerbe (Symbolbild). Foto: picture alliance / Norbert Schmidt | Norbert SCHMIDT
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