KLEVE. An der Joseph-Beuys-Gesamtschule im nordrhein-westfälischen Kleve hat ein Streit um den muslimischen Fastenmonat Ramadan für Wirbel gesorgt. Nicht-muslimische Schüler sollen sich beim Essen ihres Pausenbrots wegdrehen, damit fastende Mitschüler sich nicht gestört fühlen. Auslöser war nach Angaben von Eltern ein Konflikt in einer fünften Klasse.
Die Mutter einer Schülerin schilderte gegenüber der Bild-Zeitung, muslimische Mitschüler hätten ihre Tochter und andere Mädchen aufgefordert, während des Ramadan ebenfalls zu fasten und ihr Brot wegzuwerfen.
Als sich die Mädchen an eine Lehrerin wandten, habe diese erklärt, die Kinder sollten sich beim Essen „wegdrehen“. Die Zeitung zitiert aus einer schriftlichen Antwort der Klassenlehrerin an die Eltern. Darin heiße es wörtlich: „Wir haben gemeinsam darüber gesprochen, dass Trinken und Essen in den Pausen weiterhin vollkommen in Ordnung ist, aber, dass die Kinder, die nicht fasten, nicht mit ihrem Essen o.ä. provozieren sollen.“ Weiter schreibt sie: „Die Kinder sollen sich im besten Fall gegenseitig nicht beim Essen oder Nichtessen beobachten, sodass die ‚Regel‘, sich wegzudrehen, für alle Kinder gilt.“
Ramadan wird gefeiert, Weihnachten nicht
In der betroffenen Klasse sind laut Eltern 21 Kinder im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren. Mehrere von ihnen sollen während des Ramadan fasten. Eltern berichten zudem von Spannungen im Klassenverband. So hätten einige Schüler Geräusche gemacht, wenn andere Kinder essen. Eine Schülerin sei als „hässliches deutsches Mädchen“ beschimpft worden. Ein anderes Mädchen fühle sich wegen ihrer Herkunft ausgegrenzt, schilderte ihre Mutter. An der Schule werden an zwei Standorten insgesamt etwa 940 Schüler unterrichtet. Nach Angaben von Eltern und Schulstatistiken hat ein großer Teil der Schüler einen Migrationshintergrund.
Weitere Kritik entzündet sich daran, dass es nach Angaben von Eltern bislang keine gemeinsame Weihnachtsfeier gegeben habe. Dagegen habe die Schule Ende Februar zu einem gemeinsamen „Iftar“, dem abendlichen Fastenbrechen während des Ramadan, eingeladen. Die Bezirksregierung Düsseldorf als zuständige Schulaufsicht erklärte, Schüler dürften „nicht in ihrem persönlichen Verhalten eingeschränkt werden“. Niemand dürfe gezwungen werden, religiöse Vorschriften einzuhalten. Fälle, in denen Schüler versuchten, Mitschülern religiöse Regeln aufzuerlegen, würden an Schulen konsequent verfolgt. Man stehe mit der Schulleitung in Kontakt und prüfe den Sachverhalt.
Auch das nordrhein-westfälische Schulministerium kündigte eine Prüfung an. Grundlage des Schullebens sei ein respektvolles Miteinander, erklärte ein Sprecher. Die geschilderten Vorwürfe nehme man ernst. Der Fall müsse aufgeklärt werden. (rr)






