BERLIN. Die Türkische Gemeinde in Deutschland hat die Präsentation der Polizeilichen Kriminalstatistik durch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) scharf kritisiert und dem Minister politische Inszenierung vorgeworfen. Zugleich warnte der Verband davor, die Statistik als verlässliches Abbild der Sicherheitslage zu verstehen.
Die Bundesvorsitzende Mehtap Çağlar sagte, die Veröffentlichung des polizeilichen Tätigkeitsberichts werde „immer dazu genutzt, Stimmung gegen Menschen mit Migrationsgeschichte zu machen“.
Wörtlich heißt es in einem Statement: „Experten kritisieren diesen Bericht schon seit Jahren dafür, dass er eben keine echte Erhebung zur Kriminalität in Deutschland ist. Es ist ein fatales Signal, wenn Herr Dobrindt die PKS persönlich zur Bühne macht, während er eine dreijährige, aufwendige Studie über Rassismus in deutschen Behörden vor wenigen Wochen stillschweigend an einem Freitagnachmittag veröffentlicht hat.“

Migranten würden öfter angezeigt
Der Verband verweist darauf, dass Experten seit Jahren vor einer Überinterpretation der Polizeilichen Kriminalstatistik warnen würden. Diese bilde nämlich in erster Linie die Arbeit der Polizei ab, nicht jedoch die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung oder deren Ursachen. Einflussfaktoren wie Anzeigebereitschaft und Kontrolldichte würden die Zahlen maßgeblich prägen.
Nach Darstellung der Türkischen Gemeinde bestehe zudem ein Unterschied bei der Anzeigequote. Während bei deutschen Tätern und Opfern in 7,9 Prozent der Fälle die Polizei eingeschaltet werde, liege dieser Anteil bei nichtdeutschen Tatverdächtigen bei 22,4 Prozent. Menschen, die als „fremd“ wahrgenommen würden, hätten ein deutlich höheres Risiko, angezeigt zu werden.
Çağlar betonte weiter: „Es ist bekannt, dass Kriminalität primär soziale Ursachen hat.“ Dunkelfeldstudien zeigten, dass die Migrationsgeschichte keine Rolle mehr spiele, sobald Bildungsweg und sozioökonomischer Hintergrund vergleichbar seien. Für eine sachgerechte Debatte brauche es daher Studien, die soziale Strukturen berücksichtigen, statt „eine irreführende Aufteilung zwischen ausländischen und deutschen Straftätern“. (rr)






