BERLIN. Wolfgang Kubicki ist neuer Bundesvorsitzender der FDP. Der 74jährige setzte sich auf dem 77. Ordentlichen Bundesparteitag in Berlin in einer überraschenden Kampfabstimmung gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch. Kubicki erhielt 390 Stimmen, Strack-Zimmermann kam auf 259 Stimmen.
Damit übernimmt der langjährige FDP-Politiker die Führung einer Partei, die nach mehreren Wahlniederlagen und dem Ausscheiden aus dem Bundestag um ihre politische Rolle kämpft. Ursprünglich galt Kubickis Wahl als Formsache, nachdem mehrere mögliche Bewerber, darunter der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Henning Höne, nicht mehr gegen ihn antraten (JF berichtete). Strack-Zimmermann wurde erst auf dem Parteitag von Delegierten vorgeschlagen.
‼️ Die Partei des Wettbewerbs hat sich entschieden: Neuer Bundesvorsitzender der FDP ist @KubickiWo. Herzlichen Glückwunsch zur Wahl! #bpt26 pic.twitter.com/3pDe2NGsrc
— FDP (@fdp) May 30, 2026
Kubicki begrüßte die Gegenkandidatur in seiner Bewerbungsrede demonstrativ. „Meine Danksagung geht an Marie-Agnes Strack-Zimmermann, weil ich froh darüber bin, dass die beiden alten Schlachtrösser jetzt ins Geschirr gehen.“ Der Schleswig-Holsteiner steht parteiintern für einen rechtsliberalen Kurs und will die FDP mit zugespitzter Sprache wieder sichtbarer machen. An die Gegner der FDP richtete er kämpferische Worte. „Die mit dem Wert der Freiheit nichts anfangen können, die ständig nach dem starken Staat rufen und ohnehin niemals FDP wählen würden, die müssen uns nicht lieben, aber sie sollten uns respektieren und notfalls sollten sie uns auch fürchten.“
FDP hat laut Dürr „Lehren gezogen“
Strack-Zimmermann warb in ihrer Rede dagegen für eine FDP, die sich stärker als Gestaltungspartei der politischen Mitte versteht. Zudem warnte sie davor, die FDP dürfe nicht klingen „wie eine schlecht gelaunte Erinnerung an bessere Zeiten“. Strack-Zimmermann betonte, sie trete an, um einen „faulen Burgfrieden“ zu verhindern. Zudem ging sie scharf mit der eigenen Partei ins Gericht: „Wir lieben den Wettbewerb, solange er nicht stattfindet. Wir predigen Leistung, solange es nicht zu unbequemen Kandidaturen kommt. Wir predigen Meinungsfreiheit, fordern aber intern Meinungsgleichheit.“
Strack-Zimmermann, die sich in der Vergangenheit als Unterstützerin der Ukraine hervorgetan hatte, widmete sich auch dem Thema der Bedrohung durch Russland. „Deutschland sollte auch nicht ständig Signale wirtschaftlicher Verwundbarkeit nach Moskau senden. Die Zeit ist jetzt nicht zu zaudern, nicht zu zögern. Das ist das Gebot der Stunde: Kühnheit und Mut und selbstverständlich finanzpolitische Stabilität.“ Sie beendete ihre Rede mit: „Es lebe die Freiheit. Es lebe Europa. Slava Ukraini.“

Der scheidende Vorsitzende Christian Dürr hatte zuvor in seiner Abschiedsrede eine selbstkritische Bilanz gezogen. Die Freien Demokraten hätten „ihre Lehren gezogen“ und änderten sich, sagte er nach Angaben der Partei. Zugleich warnte Dürr vor Mutlosigkeit in der politischen Mitte: Die FDP müsse „der Gegenentwurf zur Mutlosigkeit in der deutschen Politik“ sein.
Überschattet wurde der Parteitag auch von der Debatte über das Verhältnis zur AfD. Strack-Zimmermann wandte sich in ihrer Bewerbungsrede gegen eine Annäherung an die Rechtsaußenpartei. „Die beste Brandmauer gegen extremistisches Gedankengut ist ein liberaler Kompass“, sagte sie. (ag)






