BERLIN. Der Historiker und CDU-Politiker Andreas Rödder hat vor einem Zusammenbruch der Brandmauer zur AfD gewarnt. „Die Brandmauer wird den Herbst nicht überleben“, sagte der frühere Vorsitzende der CDU-Grundwertekommission im Nachrichtensender Welt. Rödder rechnet dabei nicht mit einem geordneten Kurswechsel der Union.
„Wir werden keinen kontrollierten Abbruch, keine kontrollierte Sprengung, sondern offenkundig eine unkontrollierte Sprengung erleben“, sagte er. Deutschland stehe vor „eruptiven Veränderungen“ seines Parteiensystems.
Auslöser könnten die kommenden Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sein. Sollten AfD und Linke zusammen eine Mehrheit der Sitze erreichen, gerate die Union mit ihren Unvereinbarkeitsbeschlüssen in ein strategisches Dilemma. „Was macht man denn dann, wenn AfD und Linkspartei zusammen eine absolute Mehrheit der Sitze haben?“, fragte Rödder.
CDU stehe am Rande der Todeszone
Nach seiner Analyse auf WeltTV bleiben der CDU nur riskante Optionen. Sie könnte trotz Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linken ein Bündnis gegen die AfD bilden. Dann gehe die Erosion nach rechts weiter. „Wenn Sie in die Partei hineinhören, dann sagen auch führende Vertreter mittlerweile: Die Partei ist am Rande der Todeszone, und zwar jetzt schon vor den Wahlen“, sagte Rödder.
Die zweite Möglichkeit wäre, ein Land wie Sachsen-Anhalt faktisch als unregierbar aufzugeben. Die dritte wäre eine Kooperation mit der AfD. Gerade darauf sei die Union nicht vorbereitet. Sie habe ihre eigenen Aussagen so hochgelegt, dass in diesem Fall eine Spaltung nicht unwahrscheinlich wäre.
„Ich halte ein Zerbrechen der CDU in diesem Herbst für ein durchaus realistisches Szenario“, sagte Rödder. Die CDU habe „überhaupt kein Rezept“, wie sie mit der Lage umgehen solle. Man stehe vor den „dramatischsten Herausforderungen des politischen Systems seit dem Herbst 1989“. (rr)






