DALLAS. Eine amerikanische Leihmutter hat sich geweigert, den schwer herzkranken Jungen abzutreiben, den sie gegen Bezahlung für ein Paar aus Kalifornien austrug. Die Auftraggeber beriefen sich auf eine entsprechende Klausel im Vertrag und drohten der Frau mit Forderungen von mehr als 250.000 Dollar. McKenna West aus Alaska widersetzte sich, suchte Schutz in Texas und brachte das Kind dort am Mittwoch zur Welt.
Ein Gericht in Dallas hatte bereits vor der Geburt angeordnet, dem Jungen jede medizinisch notwendige und lebenserhaltende Behandlung zukommen zu lassen. Das Neugeborene soll am Herzen operiert werden.
West ist Krankenschwester und alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Über die Agentur Worldwide Surrogacy Specialists hatte sie sich an Nausheen Gilkar und Omar Ahmed vermitteln lassen. Die Konstruktion machte die Schwangerschaft zu einer bezahlten Dienstleistung. Der Vertrag regelte neben der Geburt auch eine Abtreibung, falls das Kind nicht gesund sein sollte.
Herzfehler macht das Kind zum Vertragsfall
Bei der Untersuchung in der 20. Schwangerschaftswoche fanden die Ärzte keinen Blutfluss durch die linke Herzhälfte des Jungen. Spezialisten diagnostizierten ein hypoplastisches Linksherzsyndrom. Ohne rasche Behandlung sterben betroffene Kinder häufig wenige Tage oder Wochen nach der Geburt. Eine Folge mehrerer Operationen kann den Blutkreislauf jedoch so umleiten, dass viele Patienten das Erwachsenenalter erreichen.
Für Gilkar und Ahmed löste die Diagnose jene Vertragsklausel aus, die ihnen bei einer Fehlbildung des Kindes eine Abtreibung zusicherte. West fügte sich zunächst und vereinbarte außerhalb Alaskas einen Termin. In ihrem Heimatstaat wollte kein Arzt den Eingriff in der damals fast 22. Schwangerschaftswoche vornehmen. Kurz darauf sagte sie den Termin ab.
West beschrieb den Vertrag später als Gefängnis. Sie habe sich ohne eigene Stimme gefühlt, aber gewusst, dass sie den Jungen beschützen wolle. Laut den Gerichtsunterlagen verlangten die Auftraggeber dennoch, dass sie für den Eingriff nach Seattle reiste. Andernfalls drohten ihr Schadenersatzforderungen von mehr als 250.000 Dollar. West bot dem Paar daraufhin an, den Jungen nach der Geburt selbst zu übernehmen und sämtliche Kosten zu tragen. Auch ihr Bruder erklärte sich bereit, das Kind zu adoptieren. Gilkar und Ahmed lehnten beide Vorschläge ab.
Leihmutter darf Kind nach Geburt nicht mehr sehen
West suchte schließlich Schutz in Texas und wandte sich an ein Krankenhaus mit Kinderherzchirurgie. Der republikanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton griff ein, nachdem die Auftraggeber aus seiner Sicht keine verbindliche Zusage für die notwendige Herzoperation gegeben hatten.
Auf seinen Antrag sicherte ein Gericht in Dallas dem Jungen bereits vor der Geburt die erforderliche Versorgung zu. Ärzte dürfen eine medizinisch angezeigte Behandlung weder verweigern noch verzögern. Auch eine Verlegung aus dem Krankenhaus oder aus Texas bleibt vorerst untersagt. „Jedes Kind in unserem Staat verdient Fürsorge und Schutz, und genau dafür werde ich kämpfen“, erklärte Paxton nach dem Beschluss.
Texas Attorney General Ken Paxton has intervened in the case of a surrogate mother who came to Texas to get the court to allow treatment of the baby she’s carrying with a severe heart defect after the intended parents allegedly denied the procedure. https://t.co/EUeIYPxgHB
— FOX 7 Austin (@fox7austin) August 12, 2026
Gilkar und Ahmed stellen den Ablauf inzwischen anders dar. Sie hätten sich später für die Fortsetzung der Schwangerschaft entschieden und wollten den Jungen von Spezialisten in Kalifornien behandeln lassen. Ihr Anwalt wirft West und Paxton vor, aus einer Familientragödie „politisches Theater“ zu machen.
Ein kalifornisches Gericht hat das Auftraggeberpaar bereits als rechtliche Eltern anerkannt. Ein Richter in Texas untersagte West zudem, über die Behandlung zu entscheiden oder sich als Mutter des Kindes auszugeben. Die Frau, die den Jungen ausgetragen und vor der Abtreibung bewahrt hat, darf ihn nach Angaben ihres Anwalts derzeit weder sehen noch im Arm halten. Das Neugeborene wird in Dallas auf seine Herzoperation vorbereitet. Am 25. August wird erneut verhandelt. (rr)






