STUTTGART. Die Deutsche Bahn (DB) hat die Kostenprognose für das Projekt Stuttgart 21 um drei Milliarden Euro erhöht. Damit steigen die Kosten nun auf 14,5 Milliarden Euro, wie die dpa am Freitag berichtete. Hintergrund ist die Verschiebung der Eröffnung des Tiefbahnhofs von 2026 auf 2031.
Als Hauptgründe für die Verzögerung nannte DB-Chefin Evelyn Palla Probleme bei der Digitalisierung des Stuttgarter Bahnknotens. Diese sei herausfordernder als bisher gedacht. Laut SWR liegt die erneute Verzögerung auch daran, dass mehr als 1.000 Kilometer Kabel und Kabelschächte falsch verlegt worden seien und in ihrer Gesamtheit ausgetauscht werden müssten.

Anfang Juni hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) Fortschritt angemahnt. „Ich will nicht, dass wir da jetzt jedes Jahr neue Zahlen bekommen“, sagte er. Er forderte „belastbare Zahlen“ und Antworten auf die Frage, wann das Projekt fertig sei. „Ich will nicht, dass wir in einem Atemzug mit BER genannt werden. Aber da sind wir gerade dabei, wenn das sich bewahrheiten sollte.“
Protest gegen Stuttgart 21 verhalf den Grünen zur Macht
Seit 2010 befindet sich Stuttgart 21 im Bau. Neben steigenden Ausgaben und Verzögerungen bemängeln Kritiker wie das „Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21“ fehlenden Brandschutz sowie zahlreiche technische Fehler bei der Planung des Projekts. Damals hatten die geschätzten Kosten 4,5 Milliarden Euro betragen. Im Mittelpunkt des Vorhabens steht der neue Tiefbahnhof, der den bisherigen Kopfbahnhof ersetzen soll. Auf dessen Gelände sollen nach Plänen der Stadt Stuttgart gut 6.000 Wohnungen gebaut werden.

Kurz nach dem Baustart hatte die Polizei einen Protest gegen den Abriss des alten Bahnhofs mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Schlagstöcken niedergeschlagen. Dabei wurden über 100 Teilnehmer verletzt. Die Grünen, die sich von Anfang an gegen das Projekt gestellt hatten, wurden bei der anschließenden Landtagswahl 2011 zweitstärkste Kraft und lösten die CDU nach 68 Jahren als Regierungspartei ab. (kuk)






